1. Blaulicht

Überfall auf Geldtransporter in Saarlouis - Darum stoppte Polizei an Grenze

Raub in Saarlouis : Nach Geldtransporter-Überfall: Darum stoppte die Saar-Polizei an der französischen Grenze

Nach dem Überfall auf einen Geldtransport in Saarlouis flohen die Täter über die nahe Grenze nach Frankreich. Die Polizei aus dem Saarland stoppte die Verfolgung. Wie die Verfolgung von Straftätern zwischen Staaten funktioniert.

Der spektakuläre Überfall auf einen Geldtransport in Saarlouis hat sowohl bundesweit als auch in Frankreich für Aufsehen gesorgt. Denn nach den Schüssen und der Explosion flohen die mutmaßlichen Täter mit ihren Wagen über die nahe Grenze vom Saarland nach Lothringen. Die Polizei aus Deutschland brach die Verfolgung kurz hinter der Grenze ab.

Dürfen deutsche Ermittler prinzipiell in einem grenzenlosen Europa auch in anderen Ländern als ihrem eigenen Straftäter verfolgen? Oder ist an den ehemaligen Binnengrenzen nach wie vor Schluss? Die Mitgliedsstaaten haben sich auf grundlegende Standards geeinigt.

Wann darf die Saar-Polizei nach Frankreich, um Täter zu verfolgen?

Demnach darf beispielsweise die deutsche Polizei nach Frankreich. Allerdings konkretisieren bilaterale Abkommen die Details. So kann die Übereinkunft zwischen zwei Staaten völlig anders ausfallen als jene mit einem anderen Nachbarland. Prinzipiell gilt aber: Eine Verfolgung über Nationalgrenzen hinweg ist möglich – und das in beide Richtungen.

Geregelt ist dies in der Schengener Durchführungsübereinkunft (SDÜ). Dort konkret im Artikel 41. Der Begriff, der es beispielsweise der Saar-Polizei erlaubt, einem Straftäter auf französischem Staatsgebiet auf den Fersen zu bleiben: Nacheile. Was so viel bedeutet wie: Die deutschen Beamten eilen dem Flüchtenden so lange hinterher, bis französische Kollegen übernehmen. Theoretisch ist also von der Distanz her den Saarländern nach Frankreich keine Grenze gesetzt.

Allerdings sind die Mittel, die Saar-Polizisten im Nachbarland einsetzen dürfen, arg begrenzt. So dürfen sie keine Waffe zücken, um den Täter zu überwältigen. Was nicht ausschließt, sich mit ihrer Pistole zu verteidigen. Eine Festnahme ist ihnen in Frankreich ebenso verboten. Dafür sind ihre dortigen Kollegen zuständig. Doch bis zu ihrer Festnahme dürfen deutsche Ermittler den Beschuldigten aufhalten. Das sind juristische Feinheiten, die auch etwas mit dem Anspruch des mutmaßlichen Täters auf einen Anwalt zur Verteidigung zu tun haben.

Ebenso untersagt: Hausdurchsuchungen im jeweiligen Nachbarland. Sobald klar ist, dass sich Flüchtende ins Nachbarland absetzen wollen, müssen die Ermittler im angrenzenden Staat über den Vorfall informiert werden, um die Verfolgung aufzunehmen. Außerdem muss es sich um ein Vergehen handeln, das in beiden Ländern unter Strafe steht. Dazu zählt zum Beispiel Mord, Geiselnahme, Sprengstoffanschläge und Raub – wie zuletzt beim Überfall auf einen Geldtransporter in Saarlouis geschehen.

Doch in diesem Fall stoppte die Saar-Polizei kurz hinter der französischen Grenze, während die bis dahin Verfolgten in Frankreich zunächst das Weite suchten. Warum? Stephan Laßotta, Sprecher beim Landespolizeipräsidium in Saarbrücken: „Die Kollegen hatten den Blickkontakt verloren.“ In diesem Fall sieht die Übereinkunft im Schengen-Raum den Abbruch der Verfolgung vor.

Mit Luxemburg gilt eine andere Abmachung

Übrigens sieht es beim Vertrag mit Luxemburg als zweiten Anrainerstaat zum Saarland etwas anders aus, wenn es darum geht, Straftätern nachzujagen. Während es in Frankreich der deutschen Polizei erlaubt ist, so lange dem Täter zu folgen, bis französische Kollegen übernehmen, ist in Luxemburg nach nur wenigen Kilometern hinter der Grenze Schluss. Dann muss ein deutscher Polizist abdrehen.

Bei dem Geldtransporter-Überfall in Saarlouis vom Freitag, 13. Januar, waren am Morgen ein Mitarbeiter des Unternehmens sowie mehrere Polizisten verletzt worden. Die Täter hatten den Transport gestoppt und in die Luft gejagt. Dann flüchteten sie mit mehreren Autos nach Frankreich. Später nahmen Franzosen fünf Menschen fest, von denen zwei unmittelbar mit dem Raub zu tun haben sollen. Die Fahnder gehen von organisierter Kriminalität aus. Bei den Festgenommenen entdeckte die Polizei 500 000 Euro sowie Waffen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Überfall auf Geldtransporter in Saarlouis: Schüsse und Explosion vor Ort