1. Blaulicht

Verteidiger des Barons zielen auf Verantwortliche der Dillinger Hütte

Kostenpflichtiger Inhalt: Korruptions-Prozess : Des Barons Verteidiger zielen auf Verantwortliche der Dillinger Hütte

Zwischen 2010 und 2014 soll ein Bauunternehmer in einen gewaltigen Korruptionsfall bei der Dillinger Hütte verwickelt gewesen sein, so die Anklage. Es geht um Millionenbeträge.

Im wohl größten Korruptionsprozess der vergangenen Jahrzehnte im Saarland vor dem Saarbrücker Landgericht gibt sich der Hauptangeklagte Baron von S. (68) entspannt. Nachdem er das Blitzlichtgewitter der Fotografen im Schwurgerichtssaal mit weißer Maske und dunkler Brille überstanden hat, lehnt sich der inhaftierte Geschäftsmann im sportlichen Blouson auf der Anklagebank zurück, stützt seine Knie gegen die Tischplatte. Gut zwei Stunden lauscht der Diplom-Ingenieur mit deutscher und französischer Staatsbürgerschaft den Worten von Oberstaatsanwalt Eckhard Uthe, dem Mann über den er an anderer Stelle gesagt haben soll, er betreibe eine Hexenjagd gegen ihn. Uthe wirft dem Mann aus der Baubranche und zwei ehemals leitenden Angestellten der Neubauabteilung der Dillinger Hütte (DH) Korruption im großen Stil sowie illegale Preisabsprachen bei letztlich millionenschweren Bauprojekten vor.

Das Gericht hat drei Anklagen zugelassen. Der Baron soll, so formuliert es der Oberstaatsanwalt ein „zweigleisiges System“ aus einer „vertikalen und einer horizontalen Grundabsprache“ installiert haben, um sich lukrative Aufträge der Hütte zu sichern. Vertikal stimmte er angeblich mit Vertretern von Wettbewerbern Preise ab, horizontal soll er den früheren Leiter der Neubauabteilung L. (62) und den ehemaligen Fachbereichsleiter H. (69) mit viel Schmiergeld und Gefälligkeiten überzeugt haben. Beide Ex-Angestellte sitzen mit dem Baron auf der Anklagebank. Ein Prozessbeobachter meinte, wenn die Anklagevorwürfe stimmten, dann habe der Bauunternehmer bei der Hütte nach Belieben schalten und walten können. Die Anklagen betreffen Vorgänge aus den Jahren 2010 bis 2014.

Unter den Zuschauern im Gerichtssaal waren am Freitag mehrere Mitarbeiter der DH, unter ihnen Betriebsratschef Michael Fischer. Und auch Rechtsanwalt Jens Schmidt, Anwalt der Hütte, die bislang nicht als Nebenkläger im Prozess zugelassen wurde. Richter Bernd Weidig ließ auch nicht zu, dass der Anwalt das Wort ergriff, um einen neuen Antrag auf Nebenklagen-Zulassung zu stellen. Er verwies den Anwalt an die Poststelle.

Michael Heuchemer, Verteidiger des Barons, nimmt derweil die Dillinger Hüttenwerke AG ins Visier. Eine Schuld seines Mandanten sei nicht gegeben. Er sagte: „Die Hütte wollte keinen Wettbewerb“, sie habe wegen ihrer Marktmacht die Rahmenbedingungen geschaffen und selbst Partnerfirmen ins Werk geholt. „Der Fisch beginnt von oben zu stinken“, so der Anwalt, nach dessen Angaben in den Ermittlungen auch die Namen von zwei Ex-Vorständen gefallen sind.

Björn Krug, Verteidiger des Ex- Bereichsleiters in der DH-Neubauabteilung, kritisierte derweil, „die Anklage stützt sich auf unbewiesene Behauptungen.“ Die Vorwürfe seien „substanzlos“. Auch Joachim Giring, Anwalt des Ex-Leiters der Neubauabteilung, sagte in seiner Stellungnahme, die Anklage sei „nicht hinreichend konkret“.

Für den Prozess sind bislang 16 weitere Verhandlungstage vorgesehen, 26 Zeugen sollen in den nächsten Wochen geladen werden.