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Heiko Maas über den Wahlabend in Berlin: „Lange Durststrecke“ der SPD zu Ende

In den Hochrechnungen vorne : Heiko Maas über den Wahlabend in Berlin: „Lange Durststrecke“ der SPD zu Ende

Außenminister Heiko Maas (SPD) eroberte am Sonntag das Bundestagsmandat von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Saarlouis. Mit der SZ sprach Maas über das Minister-Duell im Saarland und den Wahlabend im Willy-Brandt-Haus.

Heiko Maas erlebt in der SPD-Parteizentrale in Berlin einen denkwürdigen Wahlabend. „Das letzte Mal, dass ich im Willy-Brandt-Haus war und hemmungslos gejubelt wurde, war 2005“, sagt Maas. „Das ist echt schon lange her, mein Sohn ist so alt.“ Damals lagen die Sozialdemokraten mit Kanzler Gerhard Schröder in den Umfragen abgeschlagen hinter der CDU/CSU, doch am Ende trennte die beiden nur ein Prozentpunkt. Es kam zur ersten Großen Koalition.

Die SPD habe eine „lange Durststrecke“ hinter sich, erklärt Maas. Zu den Hochrechnungen, die seine Partei am Sonntagabend vorne sehen, sagt er: „Das nehmen wir wahr als einen Regierungsauftrag.“ Dass die bisherigen Koalitionspartner enger beieinander liegen, als die Umfragen in den vergangenen Wochen vermuten ließen, überrascht den 55-Jährigen nicht: „Die SPD ist etwa da, wo sie schon seit Wochen gepunktet wurde.“ Die CDU habe „in den letzten beiden Wochen noch einmal massiv mobilisiert“ und ihre Wählerschaft an die Urne gebracht.

Im Saarland eroberte die SPD alle vier Wahlkreise, Maas selbst nahm Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nach jetzigem Stand mit 36,7 Prozent der Erststimmen das Direktmandat im Wahlkreis Saarlouis ab. „Natürlich freue ich mich, wenn ich den Wahlkreis gewinne“, sagte der frühere SPD-Landeschef. Er bezeichnete das nahende Mandat einen „Vertrauensbeweis zu Hause“, der „außerordentlich gut“ tue. Maas erinnerte am Wahlabend an den 2013 verstorbenen Ottmar Schreiner. Der Parteilinke und Kritiker der Agenda 2010 vertrat den Wahlkreis ab 1980 im Bundestag.

Anerkennung zollte Maas auch seinem Ministerkollegen Altmaier, den er „als Mensch und auch als Politiker“ schätze. „Wenn man Bundesminister ist, ist das schon ein Duell, bei dem es ein bisschen um die Ehre geht“, sagt der SPD-Kandidat zum Minister-Duell in Saarlouis. Maas konnte sich diesmal in nahezu allen Gemeinden durchsetzen, nur in Perl behauptete sich der CDU-Politiker. Früh am Abend fiel Maas die Gemeinde Rehlingen-Siersburg zu, in der Altmaier zu Hause ist. Dort hatte der Wirtschaftsminister vor vier Jahren noch die Mehrheit der Erststimmen auf sich vereint, nachdem Maas anstelle des heutigen Saar-Umweltministers Reinhold Jost auf dem Wahlzettel gestanden hatte. Jost ist seit 1995 der Ortsvorsteher in Siersburg. Den gesamten Wahlkreis Saarlouis gewann Altmaier seit 2009 nacheinander gegen die SPD-Politiker Schreiner, Jost und Maas, bis dieser die Serie nun unterbrach.

Anders als Altmaier stimmte Maas nicht im Wahlkreis ab, er hat seinen Hauptwohnsitz in Berlin. Der Außenminister nutzte die Briefwahl, die Unterlagen erreichten ihn erst kurz vor der Abreise zur UN-Vollversammlung in New York. „Wenn die Unterlagen nicht da gewesen wären, hätte ich heute noch zur Wahl gehen müssen, was in Berlin ja kein Zuckerschlecken ist“, sagte Maas mit Blick auf die langen Warteschlangen vor den Wahllokalen in der Hauptstadt.