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Dave Gahan von Depeche Mode legt fünftes Solo-Album vor

Album „Imposter“ von Dave Gahan & Soulsavers : Depeche Mode sind weit weg: „Imposter“, das neue Solo-Album von Dave Gahan

Dave Gahan, Sänger und Rampensau bei Depeche Mode, legt sein fünftes Solo-Album vor – mit Coverversionen und einigem Country-Aroma, mit Songs von Neil Young und Bob Dylan. Passt das gut zusammen?

Muss man dieses Album mit Cowboystiefeln an den Füßen und einem großen Hut auf dem Kopf hören? Das nun nicht. Aber passen würde es schon. Denn Dave Gahan widmet sich hier mit großer Geste vor allem klassischen Country-Klängen, Folk, Blues und Gospel. Im Hauptberuf Sänger, Ab-und-zu-Komponist und begnadete Konzertrampensau bei der britischen Synthie-Band Depeche Mode, nimmt Gahan seit 2003 Solo-Alben auf. „Imposter“, das am Freitag erscheint, ist sein nunmehr fünftes, auch wenn der Begriff „Solo“ es nicht ganz trifft; das Album entstand in Zusammenarbeit mit dem britischen Produzenten Rich Machin vom Projekt Soulsavers und firmiert nun unter Dave Gahan & Soulsavers.

 Gahan im Studio.
Gahan im Studio. Foto: Sean Matsuyama

Das hörenswerte Album gibt manchmal Rätsel auf – ist das alles ganz ernst gemeint? Spätestens bei „Held my baby last night“ mit Stampfrhythmus, sägender Blues-Gitarre, dödelnder Hammond-Orgel, jubilierendem Chor und Gahans bisher vielleicht exaltiertestem Gesangsauftritt kann man sich in einer Parodie wähnen. Als hätte Gahan zur Inspiration im Studio einen von Elvis Presleys glitzernden Spätphase-Einteilern getragen und sich Koteletten angeklebt. Im vokalen Knödeln und dem Ziehen von „Baby“ zu „Bääbäääääääää!“ jedenfalls kommt er dem „King“ sehr nahe. Ein großer Jux? Gut möglich. Schließlich wandelt Gahan doch auch bei Depeche Mode auf der Bühne immer gerne auf dem schmalen Grat zwischen großen Rock-Gott-Posen und einer ironischen Persiflage derselben.

„Held my baby last night“ jedenfalls ist das Extrem auf diesem oft countrygetönten Album, ausschließlich mit Kompositionen von Kolleginnen und Kollegen, mit Stücken, die Gahan auf die eine oder andere Weise etwas bedeuten. Und so finden sich hier Songs etwa von Neil Young und PJ Harvey, Bob Dylan und Cat Power, Mark Lanegan – und Charlie Chaplin. Von dem stammt „Smile“, mit das zarteste Stück auf „Imposter“. Die Botschaft, dass man Kummer weglächeln muss und dass das Leben trotz allem lebenswert ist, mag inhaltlich gut übersichtlich sein; das Stück aber, mit schöner Melodie, karger Pianobegleitung und einem subtilen, zurückhaltenden Gahan hinterm Mikro, geht umwegslos ans Herz.

 Gahan mit Rich Machin/Soulsavers.
Gahan mit Rich Machin/Soulsavers. Foto: Spencer Ostrander and Joe Magowan

Andere Stücke können einen da kälter lassen, etwa der soulige Albumauftakt „The dark end of the street“. In den 60ern wurde das Stück mit Sänger James Carr bekannt; Gahans Version wirkt deutlich glatter und blutarmer, da scheint er im Genre nicht recht anzukommen, auch wenn er sich stimmlich sozusagen hineinkniet. Die leisen Töne sind auf diesem Album oft die eindringlicheren: sei es in der intimen Ballade „Strange Religion“, im Original von Mark Lanegan, oder im zarten „Lilac Wine“, zuvor aufgenommen unter anderem von Nina Simone und Jeff Buckley.

Fans von Bob Dylan werden Gahans mitreißende Fassung von „Not dark yet“ möglicherweise zu geglättet finden und dessen Schmirgelpapier-Timbre vermissen – aber ein Dylan-Stück mit einem Sänger, der die Töne trifft, ist ja immer willkommen. Stimmlich ganz anders als das Original klingt auch der majestätische Höhepunkt des Albums: Neil Youngs berührendes „Man needs a maid“ aus dessen legendärem 1972er „Harvest“-Album. Wo Young im Original im zarten Falsett singt, liegt Gahan tiefer, singt wärmer, und so wird dieser Klassiker um Sehnsucht und verlorenes Vertrauen zu einer herzergreifenden Ballade – wunderbar.

Dave Gahan von Depeche Mode legt fünftes Solo-Album vor
Foto: Columbia

Beim Albumfinale traut sich Gahan etwas. Es ist „Always on my mind“, ein Stück, das vor allem in der leicht schnulzigen Fassung von Elvis Presley – da ist er wieder – im kollektiven Gedächtnis verankert ist und in der lustvoll aufgedonnerten 80er-Pop-Version der Pet Shop Boys. Gahan und sein Co-Produzent interpretieren das Stück als Piano-Ballade mit Hintergrundchor, ernst, getragen und ohne Firlefanz – aber so ganz können sie das Stück nicht von seiner Vergangenheit lösen. Aber der Versuch ist mehr als ehrenwert.  

Dave Gahan & Soulsavers: Imposter
(Columbia / Sony Music).
www.DaveGahan.com