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Höhen und Tiefen beim 3. SR-Studiokonzert mit dem Geiger Daniel Lozakovich

Konzerte : Mal flockig, mal anämisch: 3. SR-Studiokonzert

Wenn ein Künstler mit Attributen wie „genial“ oder „perfekte Meisterschaft“ als „Stargast“ angekündigt wird, sind die Erwartungen hoch. Im 3. SR-Studiokonzert am Freitag erwies sich der junge Schwede Daniel Lozakovich zweifellos als Geiger mit tadelloser Technik und Intonation.

Mozarts Violinkonzert in A-Dur, KV 219, gab er jedoch nicht viel von dem, was Vater Leopold seinem Sohn Wolfgang Amadé angeraten hatte: „Herzhaftigkeit“. Als spielte er nur mit wenig Bogenhaaren, spielerisch heiter, ohne emotionalem Ballast eilte er flockig durch die Partitur. Chefdirigent Pietari Inkinen schloss sich dem an, ließ die Deutsche Radio Philharmonie in großer Streicher-Besetzung mächtig in den Tutti aufspielen, begleitete aber diskret und den soften Solotönen angepasst.

Im „Rondeau“ drängte Lozakovich, was wiederum Inkinen bedrängte. Und selbst der wild-dämonische „alla turca“-Einschub konnte kaum mehr als spannende Unruhe auslösen. Mozart weichgespült! Die Zugabe klang fast anämisch: Bach – das Adagio aus der g-moll-Solosonate. Danach modellierte Inkinen gestenreich Prokofjews erste Sinfonie, die „Klassische“. Mit diesem Titel wollte der Komponist „die Philister ärgern“. Witz und Ironie im Haydn-Stil hätten durchaus mehr Impulse vom Pult vertragen, mehr Durchsichtigkeit und Leichtfüßigkeit wären der Partitur entgegengekommen.

Mit zwei Raritäten hatte Sibelius-Kenner Inkinen sein Programm umrahmt. Die „Karelia-Ouvertüre“, inspiriert von schwedischen Balladen und karelischen Runengesängen, eröffnete mit einem pastosen Genregemälde in Öl. Wie zum Schluss auch eine Suite aus der Bühnenmusik zu Adolf Pauls „König Christian II.“, die vorwiegend elegische Stimmungen in dunklen Orchesterfarben verströmte. Die abschließende „Ballade“ beschrieb aufgeregt das Blutbad, das der König zwecks Machterhalt in Stockholm angerichtet hatte. Ein bedrückendes Finale für einen Abend, an dem vor allem die Orchesterleistung erfreute.