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Van Damme feiert Comeback bei Netflix mit „The Last Mercenary“

„The Last Mercenary“ mit Van Damme bei Netflix : Der Brüsseler Bizeps schwillt wieder an

Action-Veteran Jean-Claude Van Damme feiert bei Netflix ein überraschendes Comeback – mit einem ziemlich bizarren Film.

Nun, als alter (und oft leidgeprüfter) Freund des Van Damme’schen Oeuvres freut es einen ja, dass der Brüsseler Prügelveteran nicht in Rente gegangen ist – sondern bei Netflix eine neue Heimat gefunden hat, wo sich sein Film „The Last Mercenary“ zu einem veritablen weltweiten Hit entwickelt hat. Aber besser dürfte der Film schon sein.

Von den Actionhelden der 80er und 90er war Jean-Claude Van Damme  der bunteste (und schrägste) Vogel: In Hollywood kickte er sich 1988 mit dem Karatefilm „Bloodsport“ nach oben, wenn auch nie ganz in den Action-Olymp von Schwarzenegger und Stallone. Aber niemandem aus der Kinokonkurrenz gelang ein derart eleganter Spagat, niemand zeigte derart gerne und gekonnt seine nackte Rückseite wie er. Seine Werke waren wunderbar simpel, meist ging es um Rache und/oder einen Prügelwettbewerb. Filme für einen Dosenbier-Video-Abend.

Aber es hat nie ganz für die Spitze gereicht; hinzu kam Van Dammes Faible für Kokain, das einen gewissen Größenwahn befeuerte, mit dem er in Hollywood viel verbrannte Erde hinterließ. Ende der 1990er war die große Karriere schon wieder vorbei, ab da drehte er meist Action-Billigmurks in Osteuropa und wurde parallel zu den Flops vor allem in Frankreich zum beliebten Gast in Talkshows, wo er in einer Mischung aus Französisch, Amerikanisch und Nuscheln die Welt erklärte.

Nach vielen Billigproduktionen nun also ein überraschendes Comeback bei Netflix mit „The Last Mercenary“, einer ziemlich lärmenden Actionkomödie, der es gelingt, weniger subtil zu sein als viele frühere Filme Van Dammes. Der spielt hier den titelgebenden „letzten Söldner“ des französischen Geheimdiensts, der nach einem Vierteljahrhundert im Verborgenen wieder in Paris auftaucht. Denn sein Sohn, der ihn nie kennengelernt hat, weil der Vater untergetaucht war, wird von Mafiosi bedroht; und in der französischen Regierung braut sich ein Komplott zusammen. Es gibt also viel zu tun für den alten Agenten mit dem Spitznamen „Der Nebel“; unterstützt wird er dabei von Jugendlichen aus einer Sozialbausiedlung und einem Bürokraten, der in einer Szene schier endlos auf dem Moped in Unterhose und hysterisch schreiend durch Paris fahren muss. Das ist der Humor-Standard des Films, der immer ein bisschen zu laut und aufdringlich ist. Auch weiß sich fast jeder Mime in einer Komödie und grimassiert nach Kräften – so wird Van Dammes gewohnte mimische Zurückhaltung hier zum willkommenen Ruhepunkt.

Van Damme trägt im Film gleich mehrere absurde Perücken, wenn er sich als Bademeister oder als Brünette verkleidet – was es dem Film etwas leichter macht, ihn, der auch schon 60 Jahre alt ist, bei den Kampfszenen zu doubeln. In einer Sequenz fällt das schmerzhaft auf, im recht flotten Finale ist das etwas gelungener.

Immer wieder spielt der Film auch mit dem Image Van Dammes, wenn er etwa an einem Plakat von „Bloodsport“ vorbeiläuft oder seinen berühmten Spagat sogar wider die Grenzen der Physik zuwege bringt. Das ist leidlich amüsant, aber im Spiel mit seinem Image war Van Damme schon vor 13 Jahren viel weiter, als er in „JVCD“ eine leicht überspitzte Version seiner selbst spielte: einen alternden Action-Star in der Lebens-Sackgasse. Aber damals ahnte er ja noch nichts von Netflix.