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Vierte Staffel von "Call my Agent!" - ist die Luft ausgegangen?

Vierte Staffel von „Call my Agent!“ sollte eigentlich die letzte sein : Die Krisen und die Künstler-Egos: Neues von „Call my Agent!“

Die vierte Staffel von „Call my Agent!“ sollte die letzte sein – jetzt geht es doch weiter mit der französischen Serie.

Manchmal kommt eben der große Erfolg dazwischen: Diese vierte Staffel von „Call my Agent!“ sollte eigentlich die letzte sein – vieles erzählt sie auch schlüssig zu Ende. Doch die französische Serie, die von den Irrungen und Wirrungen in einer Pariser Künstler-Agentur namens ASK erzählt, ist ein internationales Phänomen geworden. Bei uns läuft sie beim Sony Channel und erscheint auf DVD, in vielen anderen Ländern aber zeigt Netflix die Reihe, mit enormen Erfolg. Das Resultat: Ein Langfilm ist geplant, danach eine fünfte Staffel.

 Charlotte Gainsbourg als Charlotte Gainsbourg, die aus einem Filmprojekt heraus will, koste es was es wolle.
Charlotte Gainsbourg als Charlotte Gainsbourg, die aus einem Filmprojekt heraus will, koste es was es wolle. Foto: Edel Motion/Christophe Brachet

Ob „Call my Agent!“ dann die Luft ausgeht, wird sich zeigen – in der vierten Staffel, jetzt auf DVD zu haben, ist das noch nicht so. Es war bisher eine Stärke der Serie, dass die oft parodistischen bis surrealen Gastauftritte realer Stars als sie selbst (Juliette Binoche, Isabelle Huppert, Jean Dujardin, Monica Bellucci) die sehr plastischen und exzellent gespielten Hauptfiguren nicht an den Rand drängten. Bei der vierten Staffel ist das noch markanter, denn die Agentinnen und Agenten haben genug mit sich selbst zu tun: Nachdem sich der ehemalige Agenturleiter Mathias mit seiner Assistentin/Lebenspartnerin Noémi selbstständig gemacht hat, verlassen viele Kunden die Firma, in die zudem noch eine berüchtigte Agentin, ehemals bei der Konkurrenz, einsteigt, zum Schrecken der Kolleginnen und Kollegen. Es knirscht also im Agenturgebälk, während die aktuelle Chefin Andréa (stark: Camille Cotin) von ihrer Freundin verlassen wird und es nun als alleinerziehende Mutter mit Beruf und Säugling schwer hat.

Überhaupt schleicht sich eine gewisse Melancholie in die Serie ein, die in den ersten Staffeln nicht zu spüren war: Manche Figuren, nicht zuletzt der konfliktscheue Gabriel (Gregory Montel), scheinen ihre Arbeit manchmal leid zu sein: das Streicheln fragiler Künstler-Egos, das Taktieren, das Tricksen, die ewigen Notlügen, um irgendwie ans Ziel zu kommen – unterschriebene Verträge und zufriedene Stars. Da hat die komödiantische Serie in dieser Staffel unerwartet dunkle Momente, auch wenn sie von den Auftritten realer Stars aufgehellt wird: Da ist Sigourney Weaver, die sofort wieder nach Hollywood fliegen, als ihr klar wird, dass in ihrem geplanten Film kein frischer Franzose den Liebhaber spielt, sondern ein grummeliger alter Herr, der seine Rollen nur noch im Sitzen spielt. Charlotte Gainsbourg will aus dem Projekt eines engen Freundes aussteigen – aber ohne dass der Freund merkt, dass sie das wegen seines schmerzhaft schlechten Drehbuchs tut. Jean Renos Auftritt gerät charmant, aber auch ein bisschen eitel, wenn er die ehrliche Haut alter Schule spielt, dem Familie, Freundschaft und Loyalität über alles gehen. Aber schön ist es doch, ihn zu sehen. Den besten Star-Auftritt hat Sandrine Kiberlain. Sie, eher im Drama als in der Komödie zu Hause, beschließt, von nun an als Stand-Up-Komikerin zu arbeiten – zum Entsetzen ihrer Agentur. Und zum Schrecken ihres Test-Publikums: So unkomisch zu sein wie sie, das muss man erstmal können – und sich trauen.

 Sigourney Waver als Sigourney Waver, die schnell wieder zum Flughafen will.
Sigourney Waver als Sigourney Waver, die schnell wieder zum Flughafen will. Foto: Edel Motion/Christophe Brachet

„Call my Agent!“ läuft beim Sony Channel und ist auf DVD bei Edel Motion erschienen.