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Volker Lechtenbrink (77) tot - „Ich kann mich nicht beklagen“, fand er

2010 zu Gast im Saarland - jetzt starb der 77-Jährige : Volker Lechtenbrink im Interview: „Ich kann mich nicht beklagen“

Der Schauspieler, Sänger und Regisseur Volker Lechtenbrink ist im Alter von 77 Jahren gestorben. 2010 war er in Saarbrücken zu Gast, um seine Autobiografie vorzustellen – hier, statt eines Nachrufs, das Interview von damals unter anderem über den Klassiker „Die Brücke“ und Lechtenbrinks markante Stimme.

Ihr sonores Anpreisen von Caro-Kaffee – „Caro, ich mag Dich" – ist ein Stück Werbegeschichte. Stellen Ihnen immer noch humorige Kulturdezernenten eine Dose mit Ersatzkaffee ins Hotelzimmer?

LECHTENBRINK Das kommt schon noch vor. Lustigerweise denkt jeder, der das macht, er sei der erste mit diesem Scherz. Da den Verblüfften zu spielen, ist eine Herausforderung.

Ihr Buchtitel "Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf!" klingt nach Midlife-Krise. Das Buch liest sich aber gar nicht so.

LECHTENBRINK Ich wollte es eigentlich auch "Bruder Leichtfuß" nennen, mein Verleger hat mich aber umgestimmt.

  Volker Lechtenbrink (l) und Karl-Michael Balzer 1959 in einer Szene des Antikriegsfilms „Die Brücke".
 Volker Lechtenbrink (l) und Karl-Michael Balzer 1959 in einer Szene des Antikriegsfilms „Die Brücke". Foto: dpa

Wieso „Bruder Leichtfuß“?

LECHTENBRINK So hat der „Spiegel“ mich mal genannt, was ich als Kompliment empfinde – dafür, dass ich die harte Arbeit, die hinter der Kunst steht, nicht nach außen trage und nicht so tue, als wäre alles nur ganz schwer und leidvoll.

Wird man als fröhlicher Künstler aber nicht seltener ernst genommen denn als tiefsinnig brütender und leidender?

LECHTENBRINK Das mag sein. Ich war ohnehin viel in der leichten Muse unterwegs, was bei der hiesigen blödsinnigen Einteilung - entweder ist man ernst oder unterhaltend - nicht jeder versteht. Ich musste mich immer erklären, ob ich jetzt gerade Sänger oder Schauspieler bin. Ich kann mich aber nicht beklagen. Drei Monate, nachdem ich meine so genannte Musikkarriere beendet hatte, spielte ich "Faust II".

 Volker Lechtenbrink 2012 als König Lear steht bei der Fotoprobe zum Stück "König Lear" bei den Bad Hersfelder Festspielen in der Stiftsruine auf der Bühne.
Volker Lechtenbrink 2012 als König Lear steht bei der Fotoprobe zum Stück "König Lear" bei den Bad Hersfelder Festspielen in der Stiftsruine auf der Bühne. Foto: dpa/Uwe Zucchi

Sie haben Ihre Karriere 1959 mit einem Werk begonnen, das heute ein Klassiker ist: dem Antikriegsfilm "Die Brücke". Hängt das die Latte für den Rest der Karriere nicht sehr hoch?

LECHTENBRINK Es gibt Schlimmeres, als ein Leben lang auf ein solches Meisterwerk angesprochen zu werden. Wir haben damals gar nicht gemerkt, was wir da Großes fabrizieren, auch wenn uns der Stoff sehr bewegt hat. Später lag uns die halbe Welt zu Füßen, was für Berufsanfänger wie uns eine Riesenchance war.

Francois Truffaut wollte Sie danach in „Sie küssten und sie schlugen ihn“ engagieren, hat dann aber doch Jean-Pierre Léaud besetzt.

LECHTENBRINK Das war ziemlich traurig. Zuvor sollte ich in Frankreich im Film „Deserteure“ spielen, der dann nicht zustande kam. Künstlerpech.

Warum arbeiteten Sie mit Ihrer einprägsamen Stimme nicht öfter als Synchronsprecher?

LECHTENBRINK Ich wollte nie „die Stimme von“ sein, sondern meine eigene behalten. Deshalb habe ich Leute wie Dennis Quaid und Burt Reynolds auch nie regelmäßig gesprochen.

Jetzt sprechen Sie das „Sandmännchen“ in einem Kinofilm.

LECHTENBRINK Ja. Es ist das erste Mal, dass es überhaupt spricht. Für den Film habe ich ein wenig heller und weicher gesprochen.

In Ihrem Buch geht es oft um die Existenzangst des Schauspielers. Hatten Sie die lange?

LECHTENBRINK Die ganz große habe ich schon länger nicht mehr, zumal ich Texte für Peter Maffay geschrieben habe.

Fließen da die Tantiemen so gewaltig, dass man sich finanziell nicht mehr sorgen muss?

LECHTENBRINK Zumindest Peter musste sich keine Sorgen mehr machen. Für mich war es damals aber auch sehr viel Geld – aber man lebt ja auch.

Der Saarländische Rundfunk hat Ende der 70er ein TV-Special über Sie gedreht.

LECHTENBRINK Das war herrlich, eine Mischung aus verfilmten Liedern, einem Konzertmitschnitt aus dem Hamburger „Onkel Pö“ und einem Interview mit meinem Idol Anthony Quinn. Daran erinnert man sich ein Leben lang.

Sie haben Lieder von Kris Kristofferson eingedeutscht. Haben Sie noch Kontakt?

LECHTENBRINK Ich habe ihn bei seinem Hamburger Konzert wieder getroffen – aber das sind ja keine Freundschaften. Im Buch schreibe ich deshalb auch ironisch von „meinem Freund“ Robert DeNiro.

Sie lernten ihn in den 80ern in Los Angeles auf dem Balkon über Ihrem kennen. Ist er so klein, wie es heißt – jedenfalls kleiner als er im Kino wirkt?

LECHTENBRINK Für mich wirkte der riesig – aber er war ja auch auf dem Balkon über mir.