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Armut wird vererbt, Reichtum ebenso - auch im Saarland

Auch Armut wird vererbt : Saarländische Landesregierung sollte ein Zeichen gegen strukturelle Armut setzen

Akuthilfen wie die „Winteraktion“ sind gut: Dennoch sollte die Landesregierung ein klares Zeichen setzen, dass sie gegen die strukturelle Armut angehen will. Und sei es, dass sie den alten Aktionsplan zur Armutsbekämpfung abarbeitet, an dem sie als Juniorpartnerin der Ex-CDU/SPD-Landesregierung beteiligt war.

Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg. Ein leider nur allzu wahrer Satz. Reichtum öffnet viele Türen, die anderen zeitlebens verschlossen bleiben. Als vergoldete soziale Randlage ist Reichtum meist noch viel unsichtbarer als Armut.

Vor einem halben Jahr hat die Landesregierung den zweiten, von ihr in Auftrag gegebenen „Armuts- und Reichtumsbericht“ publik gemacht. Eine 330 Seiten dicke Bestandsaufnahme der sozialen Verwerfungen. Das soziale Gefälle im Saarland ist zwar geringer als im Bundesschnitt. Die hohe Wohneigentümerquote federt die Vermögensungleichheit stärker ab. Auch das Einkommensgefälle ist weniger eklatant (und unverschämt) als im Bundesschnitt. 131 „Einkommensmillionäre“ sollen 2017 im Saarland gelebt haben.

Schere zwischen Arm und Reich wird auch im Saarland größer

Dass es keine neueren Zahlen gibt, ist symptomatisch. Reiche, die protzenden Neureichen ausgenommen, lieben es meist, nicht aufzufallen. Die Politik tut ihnen diesen Gefallen nur allzu gerne. Bank- und Steuergeheimnis dienen insoweit auch der Verschleierung einer sozialen Realität. Deren wichtigste lautet, dass die Schere zwischen Arm und Reich größer wird, weil eine Art monetäres Naturgesetz waltet. Es lautet: Die Rendite auf Kapital und damit die Vermögensungleichheit steigt verlässlich und stärker als die Einkommensungleichheit.

Jahr für Jahr in der kalten Jahreszeit rücken die Armen im Land vorübergehend in den Blick. Ihre Lobby ist gering, ihre Probleme sind gewaltig und oft chronisch. Zyniker kümmert ihr Los allenfalls des sozialen Friedens willen. Die allermeisten leben unverschuldet ganz unten: Armut vererbt sich. Politisch für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen, ist eine ebenso langwierige wie komplexe Aufgabe. Es würde schon mal reichen, würde die SPD den drei Jahre alten Aktionsplan zur Armutsbekämpfung im Saarland (er stammt noch aus Zeiten der Großen Koalition) hervorkramen und abarbeiten.