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Lafontaine, Kimmich – und die Frage nach echter Solidarität

Impf-Debatte um Bayern-Star : Lafontaine, Kimmich – und die Frage nach echter Solidarität

Oskar Lafontaine hat in Joshua Kimmich keinen populären Kronzeugen mehr gegen das Impfen. Der Fußballer kann offenbar klarer denken als der Linken-Politiker. Das wirft die Frage nach echter Solidarität auf. Ein Kommentar.

Ob Oskar Lafontaine diesen Satz noch mal schreiben würde? Joshua „Kimmich ist nicht nur ein hervorragender Fußballer, er kann auch klarer denken als einige der sogenannten Experten“. So lobte der Linke-Politiker kürzlich die Aussage des Bayern-Millionärs, er sei aus Sorge vor Langzeitfolgen nicht gegen Corona geimpft.

Inzwischen kann man sagen: Kimmich kann in Sachen Corona in der Tat offenbarer klarer denken als Lafontaine. Er will sich impfen lassen und hätte „rückblickend gesehen“ die Entscheidung sogar gerne früher getroffen. Das mag auch an der eigenen Infektion liegen und der Pause, zu der ihn als Leistungssportler die Folgen nun zwingen. Es belegt: Corona kriegen wir wohl alle – dann besser mit Impf-Schutz. Aber Kimmich spricht auch von seiner „Vorbildfunktion“. Gerade letzteres ist ehrbar.

Das Impfen ist derzeit eben keine reine Privatsache. Jenseits des verringerten Beitrags zur Übertragung: Je mehr Menschen ihr Risiko eines schweren Corona-Verlaufs minimieren, desto schneller kann das Virus jenen besonderen Schrecken verlieren, der uns im Ausnahmezustand hält, um zu viele Fälle zu vermeiden. Wer durch Impf-Verzicht ein erhöhtes Krankheitsrisiko in Kauf nimmt, hält die Gesellschaft für die Folgen in Geiselhaft. 

Lafontaine, der sich angesichts seines Alters impfen ließ, würde dies nach eigener Aussage als unter 30-Jähriger nicht tun. Aber auch diese Gruppe kann ihr geringeres Corona-Risiko durch Impfung weiter reduzieren und so ihren Beitrag zum Ende dieser Krise leisten. Das ist solidarisch, eigentlich ist das auch links. Müsste man es als Linker nicht propagieren?