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Günther Jauch zeigt sein Saar-Weingut: "Wie in einer anderen Welt"

“Wie in einer anderen Welt“ : Hier gewährt Günther Jauch Einblicke in sein Saar-Weingut (mit Bildergalerie)

Seit mehr als zehn Jahren pendelt Deutschlands beliebtester Fernsehmoderator zwischen Potsdam und seinem Weingut an der Saar. Was Günther Jauch dabei glücklich macht, welche Pläne er noch hat – und mit welcher Weinernte er rechnet.

Der Hausherr ist persönlich da und hat wieder einmal volles Programm. Fernsehmoderator und Weingutsbesitzer Günther Jauch nimmt sich trotzdem Zeit. Er empfängt spontan die beiden Radfahrer, die bei ihm vorbeischneien und plaudert mit unserer Reporterin Verona Kerl über Saarwinzer und Saarwein, Menschlichkeit und Solidarität, Weingutsnachfolge und Ruhestand.

Günther Jauch auf seinem Weingut von Othegraven in Kanzem

Herr Jauch, seit gut zehn Jahren besitzen Sie das VDP-Weingut von Othegraven an der Saar. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie aus Potsdam oder Köln kommen und den Schlüssel in Ihre Haustüre in Kanzem stecken?

GÜNTHER JAUCH: Dann fühle ich mich sofort in einer anderen Welt. Einer, die nichts mehr mit dem Beruf zu tun hat, den ich einmal gelernt habe, und den ich im Fernsehen immer noch ausübe. Die Medienwelt ist ja voller Hektik, täglicher Abhängigkeiten von Einschaltquoten und von einem permanenten Zeitdruck und Konkurrenzdenken geprägt. Hier sind Sie auf einmal in einem Bereich, wo Sie bestimmte Parameter gar nicht beeinflussen können. Etwa die Abhängigkeit von der Natur. Sie müssen dem Wein Zeit geben. Der Wein bestimmt zu einem guten Teil, wie er wird, und wann er soweit ist. Mit unserem Team können wir dabei versuchen, gute Rahmenbedingungen zu setzen. Aber es ist auch optisch eine andere Welt. Der schöne Park, das Gutshaus, das Gefühl, komplett von Natur umgeben zu sein.

Mittlerweile haben Sie sich als Quereinsteiger in das Thema Wein eingearbeitet. Bei Messen oder Proben in Ihrem Weingut stehen Sie und Ihre Frau Thea oft selbst hinter dem Tresen. Sie tun das mit Leidenschaft und Verve. Wann und wie haben Sie sich mit dem Weinvirus infiziert?

JAUCH: Das war in dem Moment, als wir gerüchteweise hörten – vor mittlerweile etwa 13 Jahren – ,dass das Weingut womöglich zum Verkauf steht. Dann sind wir immer öfter hierhin gefahren. Wir haben uns gute zwei Jahre Zeit gelassen, bis es zum Verkauf gekommen ist. Wir haben natürlich versucht, uns in diese Welt einzuarbeiten. Ich hatte ja vorher mit Wein nicht viel zu tun. Das wurde hier dann anders. Aber ich sehe mich immer noch als ewiger Auszubildender in Sachen Wein.

Sie sind ein gern gesehener Gast in der Region. Sie besuchen Restaurants, Winzer und gehen einkaufen. Wie erleben Sie die Menschen hierzulande? Wie reagieren sie auf Sie?

JAUCH: Freundlich und normal, weil wir ja auch hier arbeiten. Für viele bin ich ein Kollege, habe ich mit einem Betrieb zu tun. Die Menschen kommen hierhin, um sich mit dem Produkt, also dem Wein, zu beschäftigen oder auch, um sich den schönen Park oder das Gutshaus anzusehen. Der Betrieb und das Produkt haben ja mit Genuss zu tun. Das macht die Leute von Hause aus etwas fröhlicher, entspannter und freundlich gestimmt. Wenn ich hier Kettensägen verkaufen würde, wäre die Atmosphäre vielleicht eine andere.

Wo Günther Jauch die Parallele zwischen Fernsehen und Riesling sieht

Sie sollen ja auch schon mal Gäste spontan an Ihren Tisch gebeten haben, als das Restaurant voll war. Berührungsängste haben Sie also keine?

JAUCH: Nein. Dann wäre ich im falschen Medium. Beim Fernsehen haben Sie mit vielen Menschen zu tun, und Sie machen das ja für ein möglichst großes Publikum. Da gibt es tatsächlich eine Parallele. Mit dem Fernsehen habe ich immer viele Menschen erreichen wollen. Das versuche ich mit unserem Riesling auch. Das ist schon eine Parallele.

Sie mussten 2010 Ihre Mitgliedschaft beim VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) Mosel, Saar, Ruwer beantragen, als Sie das Weingut gekauft hatten. Wie war das Verhältnis zu Ihren Winzerkollegen damals und wie sieht es heute aus?

JAUCH: Das war vom ersten Moment an gut gewesen und das ist es bis heute geblieben. Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass nicht alle erwartet haben, dass wir uns hier richtig reinhängen, dass wir persönlich vor Ort sind und die Geschicke des Weingutes immer wieder definieren und bestimmen. Das führt automatisch zu einer Nähe und Kollegialität, die in der Landwirtschaft etwas ganz Besonderes ist. Menschen, die mit Wein zu tun haben, gehören irgendwie zum entspannteren Teil der Menschheit. Und wir haben gelernt, dass Winzer zusammenhalten. Wenn einem eine Maschine kaputt geht, die er gerade braucht, sind sofort fünf andere da, die sagen: ,Hier, ich leihe dir meine aus. Wir kümmern uns drum.’ Diese Solidarität im Kleinen, die wir hier an der Saar erlebt haben, zeigt sich jetzt auch in herausragender Weise in der Hilfe von Winzern für die Kolleginnen und Kollegen an der Ahr.

An der Ahr haben Sie sich ja mit Ihrer Weinaktion eingebracht, die Ende August ausgelaufen ist. Wie erfolgreich war die Aktion?

JAUCH: Das war eine Welle, mit der wir nicht gerechnet haben. Noch sind nicht alle Bestellungen abgerechnet. Wir werden aber bei deutlich über 200 000 Euro landen.

Und das Geld geht komplett an die Ahrwinzer?

JAUCH: Die gesamten Brutto-Rechnungsbeträge einschließlich der Mehrwertsteuer und der Versandgebühren gehen ohne jeden Abzug an die Ahrwinzer.

Während Ihrer Corona-Erkrankung im April verloren Sie plötzlich auch den Geschmacks- und Geruchssinn. Und das als Weingutsbesitzer. Hat Sie dieser Verlust sehr beschäftigt? Was ging Ihnen durch den Kopf?

JAUCH: Einerseits hat es mich nicht beschäftigt, weil ich wusste, dass das eine Nebenwirkung einer Corona-Infektion ist. Beunruhigt hat mich die Tatsache – wenn ich mit anderen sprach, die Corona schon zwei Monate hinter sich hatten – dass die mir erzählten, sie hätten den Geruchs- und Geschmackssinn immer noch nicht wieder ganz zurückgewonnen. Zum Teil haben sie morgens mit verschiedenen Duftproben trainiert. Bis zu dem Stadium habe ich es nicht gebracht, weil ich gemerkt habe, dass es langsam wieder besser wurde und sich bis heute wieder normalisiert hat.

Wie sieht die Zukunft auf dem Weingut von Othegraven aus?

Sie haben Ihr Weingut zwischen 2012 und 2014 saniert, modernisiert und fit für die Zukunft gemacht. Für die nächste Generation, könnte man sagen. Zeigen Ihre Kinder Interesse am Weinbau?

JAUCH: Das wissen wir noch nicht. Sie gehen alle ihren eigenen Weg. Was auch gut ist. Sie kommen gerne hier aufs Weingut. Das gefällt ihnen auch. Aber dass sich eine von ihnen in Geisenheim (Anm.d.Red.: Hochschule für Weinbau) anmeldet, so weit ist es noch nicht. Man sollte es als Eltern vermeiden, sich zu sehr in die Berufswahl der Kinder einzumischen.

Sie engagieren sich enorm für wohltätige Zwecke, in ihrer Heimat Potsdam, aber auch in unserer Region. Was ist Ihre Triebfeder?

JAUCH: Das habe ich von zu Hause mitbekommen. Das macht mir auch Freude. Überhaupt die Möglichkeit zu haben, etwas abgeben zu können. Oft sind es ja auch Situationen, wo man innerlich zusammenzuckt. Wir haben uns stark beteiligt, als die Amokfahrt in Trier war. Dass die Hinterbliebenen einigermaßen gut versorgt werden. Da waren ja auch Familien mit Kindern betroffen. Man kann nicht bei jedem Spendenprojekt dabei sein. Das ist manchmal schade. Aber zuletzt war hier ein Fußball-Benefizturnier vom FC Kanzem für die Flutopfer. Da haben wir uns auch nochmal beteiligt. So funktioniert meiner Meinung nach der Zusammenhalt in einer Region.

Winzer und TV-Star: Welche Pläne hat Günther Jauch?

Sie sind im Juli 65 Jahre alt geworden. Am 3. Juni 2021 wurde das Jubiläum zur 1500. Sendung „Wer wird Millionär“ ausgestrahlt. Spielen Sie mit dem Gedanken, sich in den nächsten Jahren zur Ruhe zu setzen? Vielleicht hier in Kanzem?

JAUCH: Grundsätzlich habe ich ja ein riesiges Privileg. Viele Menschen müssen mit 60, 63, 65 oder 67 Jahren in Rente gehen. Das ist bei mir nicht so. Ich kann mir das einteilen. Wenn ich will, kann ich weniger Fernsehen machen. Wenn ich möchte, kann ich mehr auf dem Weingut machen. Ich kann es aber zwischenzeitlich auch umgekehrt tun. Ich bin da völlig entspannt. Weder steht an, dass ich mit dem Fernsehen aufhöre, noch steht es zur Diskussion, dass ich mein Leben ausschließlich hier auf dem Weingut verbringen werde. Und ehrlich: Ich weiß noch nicht, wie es künftig werden wird.

Herr Jauch, eine Frage, die viele zurzeit beschäftigt: Wie wird die Weinernte 2021?

JAUCH: Auch das lässt sich noch nicht so richtig vorhersagen. Es war auf jeden Fall kein einfaches Jahr durch den vielen Regen und die zum Teil hohen Temperaturen. Das hat zu einem erhöhten Pilzdruck geführt. Ich denke, dass von der Menge her die Ernte nicht vergleichbar sein wird mit dem Jahr 2020. Von der Qualität ist tatsächlich noch alles möglich. Der Riesling wird ja als letztes gelesen. Da hat man im besten Fall Zeit bis in den späten Oktober oder Anfang November. Wenn das Wetter wie heute – mäßige Temperaturen, trocken, Sonne et cetera – noch sechs Wochen so weitergehen würde, wird das eine wunderschöne Lese mit bestimmt tollen Qualitäten. Aber das entscheidet sich auf den letzten Metern. In einem Weingut kann man voller Demut in Richtung Himmel schauen und die dafür Zuständigen – von Petrus an abwärts – um gnädige Hilfe bitten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Günther Jauch zeigt sein Saar-Weingut: „Hier fühle ich mich wie in einer anderen Welt“