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Hochwasser Rheinland-Pfalz-Überschwemmungsgebiet im Ahrtal wird neu ausgewiesen

Hochwassergefahrenkarten werden überarbeitet : Nach Flutkatastrophe: Warum viele Betroffene wohl ihre Häuser nicht an gleicher Stelle wieder aufbauen dürfen

Nach der verheerenden Flutkatastrophe zieht Rheinland-Pfalz Konsequenzen. Schon jetzt ist sicher, dass einige Betroffene ihre Häuser nicht mehr an gleicher Stelle aufbauen dürfen. Warum die neuen Hochwassergefahrenkarten bis Oktober überarbeitet sein müssen:

Nach der Flutkatastrophe, die allein im Ahrtal 133 Menschen das Leben kostete und 766 weitere verletzte, sind die Aufbauarbeiten in vollem Gange. Aber wo ist es überhaupt sinnvoll, wieder Häuser zu errichten und wo sollte man den Flüssen mehr Raum geben?

Um diese Frage zu beantworten, überarbeitet das rheinland-pfälzische Umweltministerium aktuell unter Hochdruck die Hochwassergefahrenkarten. Schon jetzt sei sicher, dass das ausgewiesene Überschwemmungsgebiet im Ahrtal größer wird. Das bedeutet auch, dass es neue Flächen geben wird, wo Bauen künftig verboten ist. Der Zeitdruck ist enorm. Ab Oktober können Flutopfer Hilfen aus dem Wiederaufbaufonds beantragen. Bis dahin muss feststehen, wo die neuen Tabu-Zonen liegen.

Prüfung ist auch in der Region geplant

Auch für betroffene Täler der Region Trier ist eine solche Prüfung geplant. Um die Datenlage zu verbessern, hat das Landesamt für Umwelt einen Aufruf gestartet, Hochwassermarken der jüngsten Flut hier zu melden.

Die aktuelle Risiko-Karte des Landes sagte die Verwüstungen nicht gut vorher. So rechnete man für Kordel im Kylltal damit, dass von einem Extremhochwasser 280 Einwohner betroffen wären. In Wirklichkeit beschädigte die Flutwelle jedoch 420 Häuser.

Aktuell liegt der Fokus des Landes auf der Katastrophenregion Ahr. Dort hat sich die Lage ein wenig entspannt: Die Trinkwasserversorgung funktioniert in den meisten Gemeinden nach Angaben der Landesregierung wieder. Nur in manchen Orten muss Wasser noch abgekocht werden. Auch Strom gibt es. Allerdings ist das provisorische Netz so labil, dass es schnell zusammenbricht. Menschen werden daher zur Sparsamkeit aufgerufen. Stetig werden weitere Straßen und Behelfsbrücken für den Verkehr freigegeben.

Trier-Ehrang: Erdgasnetz wird erweitert

Auch in der Region Trier wird intensiv daran gearbeitet, Flut-Schäden zu beseitigen. Während Hausbesitzer Putz von den Wänden schlagen und hoffen, dass Handwerker bald Zeit finden, überprüfen Kommunen, wie standfest beschädigte Brücken sind, reparieren Straßen, renovieren Schulen und in Ehrang wird mit hohem Personaleinsatz das Erdgasnetz erweitert, damit Flutopfer nicht ohne Heizung durch den Winter müssen.

Extrem unterschiedlich gehen die Landkreise vor, wenn es darum geht, die Auen auf Hunderten Flusskilometern von Treibholz und Unrat zu befreien. Naturschützer Eckhard Otto aus Daufenbach im Kreis Trier-Saarburg kritisiert, dass an der Kyll bisher wenig passiert sei und die Politik überforderte Grundstückseigentümer im Stich lasse. Noch immer liegen dort im und am Fluss teils meterhohe Berge aus ineinander verkeilten Baumstämmen, durchsetzt mit Möbeln, Tanks und Unrat aller Art. Otto fürchtet eine Gefahr fürs Wasser – fand er doch allein auf seiner Uferwiese Eimer und Kanister mit Farbe, Pflanzenschutzmittel oder Treibstoff. Während der Kreis Trier-Saarburg mit den Gemeinden besprechen will, wie man den Unrat entsorgen kann, sind in der Vulkaneifel längst Fachfirmen und Forstämter im Einsatz. Der stark betroffene Eifelkreis Bitburg-Prüm hat sieben Ingenieurbüros beauftragt, zu ermitteln, wo am dringendsten gehandelt werden muss.

Auch politisch ist die Flut noch nicht verarbeitet. Die CDU-Landtagsfraktion hat am Dienstag einen Untersuchungsausschuss beantragt. Der Landtag wird sich kommende Woche damit befassen.