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Bundestagsabgeordnete sollen aufs Fahrrad umsteigen – so wie Peter Altmaier

Umweltverbände fordern Abgeordnete zum Umstieg auf : Altmaier macht's vor – Statt dem Dienstwagen lieber das Fahrrad

Ist zwar bequem, aber nicht gerade umweltfreundlich: Für Bundestagsabgeordnete steht ein Fahrdienst bereit. 120 schwarze Limousinen. Nun gibt es Forderungen an die Parlamentarier, aufs Rad umzusteigen. Einer macht es bereits vor: der Wirtschaftsminister und Saarländer Peter Altmaier.

Bequem und komfortabel ist es allemal. Die schwarzen Limousinen warten vor den Parlamentsgebäuden, um die Abgeordneten zu ihren Terminen zu bringen. Oder man ruft an und lässt sich irgendwo abholen. 120 Autos des „Fahrdienstes“ stehen in Sitzungswochen nur dafür zur Verfügung. Dabei gilt gerade im Regierungsviertel, dass man mit dem Rad meist viel schneller zum Ziel kommt. Umweltverbände fordern die Bundestagabgeordneten nun zum Umstieg auf den Drahtesel auf. Weil die Volksvertreter eine Vorbildfunktion hätten und das Radeln umweltfreundlicher sei.

Es gibt sie, die Parlamentarier, die in die Pedale treten. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sieht man zum Beispiel öfter mit dem Fahrrad. Oder Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der häufiger auf den Dienstwagen verzichtet. Auch gründete sich vor geraumer Zeit schon der fraktionsübergreifende „Parlamentskreis Fahrrad“. Doch nach wie vor nutzen die meisten Abgeordneten den „Fahrdienst“ des Bundestages, der mittlerweile vom „BwFuhrparkService“ in Bonn organisiert wird. Und weil der Bundestag mit 735 Volksvertretern so groß ist wie nie, dürfte auch die Zahl der Fahrten kräftig ansteigen. Mehr Autos (BMW, Mercedes, Audi) einzusetzen, sei aber nicht geplant, so ein Sprecher. Von den 120 schwarzen Pkw sind 78 Diesel, 22 haben einen Elektroantrieb. 15 fallen in die Rubrik „Benzin-Hybrid“, fünf in die Kategorie „Wasserstoff-Hybrid“.

„Fahre gerne Rad“

Peter Altmaier steigt zwischendurch freudig um: „Ich fahre bei gutem Wetter gerne mit dem Rad durch Berlin und habe auch als Abgeordneter und Minister die Wege zwischen Ministerium und Reichstag öfter mit dem Fahrrad zurückgelegt“, so Altmaier zu unserer Redaktion. „Das kann ich allen nur ans Herz legen“, appelliert er an seine Noch-Abgeordneten-Kollegen, denn der Saarländer scheidet aus dem Bundestag aus. Selbst wenn man als Parlamentarier kein eigenes Rad in Berlin besitzt, so macht es einem der Bundestag doch leicht: Denn die Kosten für Leihräder, die sich in der Hauptstadt an jeder Ecke finden lassen, werden von der Verwaltung erstattet. Ein Grund mehr für den Umstieg.

„Abgehobene Politik“

Auch Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, drängt die Abgeordneten dazu, die schwarzen Limousinen stehen zu lassen und den Drahtesel zu nutzen. „Gerade im Berliner Regierungsviertel lassen sich kurze Strecken so schnell und klimafreundlich bewältigen“, so Resch zu unserer Redaktion. „Deshalb fordern wir die Parlamentarier dazu auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und entweder das Fahrrad zu wählen oder den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.“ Resch ergänzt: Sollten sich Abgeordnete weiter „durch Berlin kutschieren lassen, gibt das ein falsches Bild abgehobener Politik ab“. Und wer es besonders eilig habe, könne auch ein Taxi nehmen. Antje von Broock, Geschäftsführerin des BUND, sieht das ähnlich: Wenn Abgeordnete öfter radeln würden, statt die Fahrbereitschaft des Bundestages zu nutzen, „bekommen sie zwischen den vielen Sitzungen etwas Bewegung und einen Einblick in Sachen Verkehrsraumaufteilung und Sicherheit auf Radwegen. Und wir bekommen bessere Entscheidungen für eine faire und umweltfreundliche Mobilität.“Aber nur vielleicht.

„Keine Duschen“

Einer, der viel mit dem Rad unterwegs ist, ist Stefan Gelbhaar von den Grünen. „Fahrrad in Berlin funktioniert auch für Abgeordnete - und geht auch hier häufig einfach schneller“, so der Grüne. Er schlägt sogar vor, dass der Bundestag als Alternative zum Fahrdienst Leihfahrräder anschaffen sollte. „Dann wird es unkompliziert, spart CO2 und Geld.“ Gelbhaar sieht da freilich noch ein Problem. „Im Bundestag fehlen aktuell ausreichend Umkleidemöglichkeiten, Schließfächer und Duschen für alle, die mit dem Fahrrad kommen möchten.“ Aber das lässt sich bestimmt ändern. Eine Sporthalle mit Duschen gibt es schließlich auch.

(has)