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Niederlande-Lockdown alarmiert NRW: Ausbreitung der Omikron-Variante

Ausbreitung der Omikron-Variante : Niederlande-Lockdown alarmiert NRW

Harter Lockdown in den Niederlanden – wegen der Omikron-Variante bleiben Restaurants und Geschäfte wochenlang geschlossen. Städte am Niederrhein erwarten nun mehr Besucher aus dem Nachbarland. Was auf NRW zukommen könnte.

Das rigorose Vorgehen der niederländischen Nachbarn gegen die Ausbreitung der Omikron-Variante sorgt auch in Nordrhein-Westfalen für Diskussionen. Während Industrie und Handel vor schärferen Corona-Maßnahmen oder gar einem Lockdown warnen, fordert die Opposition von SPD und Grünen im Düsseldorfer Landtag ein konsequentes Handeln der schwarz-gelben Landesregierung. 

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) betonte am Sonntag, mit Blick auf die hoch ansteckende Omikron-Variante nicht nachlässig zu werden und die Entwicklungen in den Nachbarländern ernstzunehmen – verzichtete vorerst aber auf einen Appell an die Niederländer, derzeit vom touristischen Grenzverkehr abzusehen. Grundsätzlich seien Einschränkungen im Alltag auch im neuen Jahr zwingend notwendig. „Bund und Länder müssen daher noch vor Weihnachten einen Fahrplan für die nächsten Wochen vereinbaren“, sagte Wüst.

Die NRW-Städte im deutsch-niederländischen Grenzgebiet rechnen derweil damit, dass vermehrt Tagestouristen zum Geschenke-Shoppen und Weihnachtsmarktbesuch aus den Niederlanden kommen, wo seit Sonntagnacht ein strenger Lockdown gilt: Alle Geschäfte, Gaststätten, Kultur- und Sporteinrichtungen, Schulen und Friseure bleiben bis mindestens Mitte Januar geschlossen. Ausgenommen sind nur Läden des täglichen Bedarfs wie Supermärkte und Apotheken.

Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen gibt aber zu bedenken, dass das Weihnachtsgeschäft wegen der 2G-Regelungen ohnehin eher verhalten laufe. „Man wird den Lockdown bei den Nachbarn sicher bei uns spüren, aber es wird keinen Riesenansturm geben“, sagte Achten. Städte wie Düsseldorf, Mönchengladbach und Weeze am Niederrhein wollen das Besucheraufkommen genau im Blick behalten. Letztendlich sei es die Entscheidung jedes Einzelnen, heißt es von der Stadt Mönchengladbach. Die 2G-Kontrolle in den Geschäften sei in der Stadt über eine Bändchenregelung gewährleistet. Georg Koenen, Bürgermeister von Weeze, schätzt, dass etliche Niederländer nach Düsseldorf, Kleve oder auch in die Einkaufszentren NRWs kommen werden. „Das könnte auch einige Probleme geben“, sagte Koenen.

Grünen-Landeschefin Mona Neubaur spricht von einer „komplett absurden Situation“: Während die Niederlande in einen harten Lockdown gingen, fänden wenige Kilometer hinter der Grenze noch verkaufsoffene Sonntage statt. „Man kann ohne viel Fantasie davon ausgehen, dass in der kommenden Woche ein Großteil des niederländischen Weihnachtsgeschäfts in NRW stattfinden wird“, sagte die Spitzenkandidatin der Grünen. Die Landesregierung müsse jetzt alle Möglichkeiten ausreizen, etwa die Präsenzpflicht an Schulen an den letzten Tagen vor den Ferien aufheben.

Auch SPD-Spitzenkandidat Thomas Kutschaty fordert ein härteres Vorgehen der Landesregierung. Die müsse jetzt dafür Sorge tragen, dass die Weihnachtstouristen aus den Niederlanden nicht ersatzweise NRW als Ausflugsland nutzten. „Im vergangenen Jahr hat es solche Appelle bereits gegeben. Wir erwarten, dass die Landesregierung jetzt umgehend reagiert“, sagte Kutschaty.

Alarmiert durch die Zuspitzung der Lage ist auch Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. „Wir sollten unbedingt einen neuen Lockdown in NRW und in Deutschland vermeiden“, sagte er. Es sei zu wünschen, dass möglichst wenige Niederländer nach Deutschland kommen. Wenig Sinn habe es, nun über weitere Einschränkungen des Einzelhandels nachzudenken. „Der Handel spielt keine große Rolle bei der Pandemie.“ Stattdessen wäre wichtig, dass so viele Bürger wie möglich geboostert werden, um den Infektionsschutz hoch zu halten.  

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich gegen einen Lockdown ausgesprochen. „Nein, einen Lockdown wie in den Niederlanden vor Weihnachten, den werden wir hier nicht haben“, sagte der SPD-Politiker am Sonntag dem „Bericht aus Berlin“ der ARD.