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SPD-Minister: Warum Scholz zu Recht ein Risiko auf sich nimmt - Kommentar

Vorstellung der SPD-Minister : Scholz nimmt ein Risiko auf sich – doch er tut es zu Recht

Lange wurde gerätselt, nun ist auch die Liste der SPD-Minister öffentlich. Mit Karl Lauterbach als Gesundheitsminister ist Olaf Scholz ein Coup gelungen. Warum Scholz die Liste gut besetzt hat – und es trotzdem Risiken gibt.

Olaf Scholz ist ein Coup gelungen. Soviel steht fest. Ob der sich langfristig für ihn auszahlt, wird sich zeigen. Kurzfristig ist die Ernennung von Karl Lauterbach ein Bekanntheits-Booster für das Gesundheitsministerium. Der Mediziner ist einer der führenden Köpfe der Corona-Pandemie - seine Expertise ist in nahezu jeder Talkshow zu bewundern. 

Genau hier liegt auch die Herausforderung: Karl Lauterbach ist sicher der Richtige, um Corona-Entscheidungen zu treffen und zu erklären - aber er wird seine Worte künftig wägen müssen. Ein Ministerwort in der Pandemie ist etwas grundsätzlich anderes als eine Expertenmeinung bei Twitter. Lauterbach gilt in der SPD nicht zu unrecht  als „loose cannon ball“, als unberechenbar - im positiven wie im negativen Sinn. Als Teamspieler hat er sich bislang nicht immer ausgezeichnet - andererseits hat er in der Corona-Politik das Notwendige oft über die Parteiräson gestellt. Das hat ihm viel Respekt eingebracht. Auch duckt er sich nie weg, sondern geht mit Kritik offensiv um. Hätte ihn Scholz nicht nominiert - er wäre immer der Schattenminister gewesen. Auch wenn Lauterbach garantiert nicht sein Favorit war, ist Scholz über seinen Schatten gesprungen. Der SPD-Politiker wird das Vertrauen nun rechtfertigen müssen.

Rolf Mützenich geht leer aus, größter Sprung für Nancy Faeser

Gelungen ist Scholz auch ein paritätisches Kabinett - zumindest, wenn man seine eigene Person rausrechnet. Da die FDP da schwächelte - sie nominierte nur eine Frau - hat Scholz es geschafft, eine Frau mehr beim Portfolio der SPD zu nominieren. Der Leidtragende ist dabei Fraktionschef Rolf Mützenich - er ging bei der Ministervergabe leer aus.

Nancy Faeser aus Hessen wagt im neuen Kabinett den größten Sprung. Das Innen-Ressort mit seinen vielen Zuständigkeiten wird nicht einfach für eine Politikerin, die bundespolitisch bislang keine Aufmerksamkeit hatte. Mit Hubertus Heil setzt Scholz auf einen Arbeitsminister, der  - sehr zum Leidwesen der Union - es immer wieder geschafft hat, das Scheinwerferlicht auf seine  Person zu lenken. Er wird quasi die Seele der Scholz’schen Wahlkampfversprechungen mit Blick auf Mindestlohn und „Respekt“ in der Arbeitswelt verwalten.

Bundesministerin der Verteidigung Christine Lambrecht wagt ebenfalls einen Schritt nach vorn Die ehemalige Justizministerin,  zuletzt auch Familienministerin, verzichtete auf ein Bundestagsmandat, verfügt aber über Verwaltungserfahrung - wichtig auf dem Schleudersitz Verteidigungsministerium.  

Mit Klara Geywitz wird eine ostdeutsche Politikerin Ministerin in in einem Schlüsselressort der sozialdemokratischen - ein neues Ministerium aus der Taufe zu heben, ist anspruchsvoll. Etwas Federn lassen musste die ehemalige Umweltministerin Svenja Schulze, die künftig Entwicklungsministerin wird. Das Zusammenspiel zwischen ihr und der künftigen grünen Außenministerin Annalena Baerbock wird aber mit Sicherheit interessant.

Scholz hat es vermocht, gesetzte Namen und Überraschungen zu präsentieren. Es ist  - wie die gesamte Ampel-Koalition - ein Aufbruch in Unbekanntes. Mit allen Risiken.

(mün)