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Krise bei Galeria: Entscheidung über Standorte könnte sich bis März hinziehen​

Warenhauskette in der Krise : Entscheidung über Galeria-Standorte in Saarbrücken könnte sich noch einige Wochen hinziehen

Weniger einstige Karstadt- und Kaufhof-Filialen als zuerst geplant sollen der Sanierung bei Galeria zum Opfer fallen. Die endgültige Entscheidung über deren Zukunft, auch in Saarbrücken, könnte jetzt aber noch deutlich länger dauern.

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Die Sanierung der angeschlagenen Warenhauskette Galeria läuft. Ein neuer Tarifvertrag, basierend auf dem Insolvenzausfallgeld, ist zwischen Konzernspitze und Verdi ausgehandelt. Manager verschafften sich Überblicke in den Filialen, darunter auch an den Doppelstandorten Saarbrücken und Trier.

Während Gewerkschafter mit Verweis auf die gesetzlichen Fristen für eine Sanierung verweisen und damit rechnen, dass recht bald Entscheidungen darüber fallen, welche Häuser überleben, kommen aus der Firmenzentrale andere Informationen.

Entscheidung über Schließungen bei Galeria

Demnach müssten sich die Beschäftigten in den bundesweit noch 131 Filialen auf eine Hängepartie einstellen, die sich noch einige Wochen hinziehen könnte. So soll erst im März feststehen, welche Warenhäuser geschlossen, unter dem Namen Galeria weitergeführt oder verkauft werden.

Wie zunächst die Westdeutsche Allgemeine Zeitung aus Essen mit Verweis auf Unternehmenskreise berichtete, gibt es konkrete Informationen seitens des eingesetzten Sanierers, wie viele Standorte er für überlebensfähig hält. Maximal 70 Häuser sollen es in ganz Deutschland sein, die eine Zukunft haben, berichtet das Blatt unter Bezug auf Arndt Geiwitz. Bei 20 Häusern spreche die Galeria-Führung mit Interessenten über einen Verkauf. In rund 40 ehemals selbstständigen Karstadt- und Kaufhof-Filialen droht damit, für immer das Licht auszugehen.

Ein möglicher Investor, der Standorte übernehmen könnte, war zuvor bereits bekannt geworden: Dabei handelt es sich um den Dortmunder Textilhändler Friedrich Göbel. Er hat bereits Sanierungserfahrung. Er brachte die Bekleidungskette Sinn aus Hagen wieder in die Gewinnzone. Zuletzt startete er 2022 ein eigenes Unternehmen, das mit Textilgeschäften unter dem Namen Aachener auftritt.

Göbel bestätigte Verhandlungen mit Galeria. Doch weder er noch das Unternehmen wollten zum jetzigen Zeitpunkt Zahl der möglichen Filialen und Standorte nennen, um die es bei den Gesprächen geht. Göbel ist bereits in der Region aktiv und hat ein Geschäft in Bad Kreuznach.

Unterdessen sollen mittlerweile Verhandlungen mit mehreren möglichen Investoren laufen. Insgesamt sitze Galeria mit fünf Interessenten am Verhandlungstisch.

Weniger Galeria-Filialen als geplant sollen geschlossen werden

Anfang der Woche verkündete das Management nach Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat, dass weniger Häuser auf einer Streichliste stehen sollen als zunächst noch genannt. Demnach hatte der Konzern bis zu 90 Schließungen angekündigt. Davon sei die Führung jetzt abgerückt.

An konkreten Standortdebatten wolle sich weder Arbeitgeber noch Betriebsrat jetzt öffentlich beteiligen. Allerdings hatte die Arbeitnehmervertretung Ende 2022 in einem Schreiben an die Belegschaft darüber informiert, dass Doppelstandorte unter besonderer Beobachtung stünden. Das betrifft in der Region Saarbrücken und Trier. Dort sind jeweils zwei Häuser, die die Fußgängerzonen flankieren.

Die Lage bei Galeria aus Verdi-Sicht in Saarbrücken und Trier

Alex Sauer, Verdi-Gewerkschaftssekretär für die Region Trier und Saar, will darin aber keine Vorentscheidung sehen, dass mindestens ein Haus an Saar und Mosel verschwindet. Sollten sich die Häuser spezialisieren, sehe er durchaus Überlebenschancen für alle Filialen im Saarland und in Trier.

Im Oktober hatte Galeria Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Die letzte große Warenhauskette in Deutschland war nach 2020 erneut in wirtschaftliche Schieflage geraten, trotz staatlicher Hilfe von 680 Millionen Euro. Bereits 2020 hatte Galeria 40 Häuser geschlossen, darunter auch Kaufhof in Neunkirchen. Seitdem ist Galeria nur noch in der Landeshauptstadt mit Kaufhof und Karstadt im Saarland vertreten.