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Nein zu Globus – Handel und Politik wettern gegen Markt in Dresden​

Mitten in Dresden : Nein zu Globus – Handel und Politik laufen gegen geplanten Riesenmarkt in der City Sturm

Ein neuer Globus-Markt soll in Dresden entstehen. Doch das Unternehmen aus St. Wendel bekommt mächtig Gegenwind. Sogar der Handelsverband Sachsen macht Stimmung gegen die Ansiedlung.

Ein Globus-Markt mitten im Stadtzentrum – das gibt es bereits unter anderem in Völklingen und am Stammsitz in St. Wendel. Doch nicht überall stößt ein Riesen-Einkaufsmarkt auf Gegenliebe. Wie aktuell in Dresden zu sehen.

Dort fahren Bürger, Politiker und der Handelsverband Sachsen (HVS) schwere Geschütze gegen das Unternehmen aus dem Saarland auf. Zuletzt schaltete der HVS gegen das Projekt sogar Anzeigen in regionalen Zeitungen.

Streit in Dresden: Warum der Handelsverband gegen Globus wettert

Der provokante Titel über diesen Annoncen: „Zählt in Dresden nur der Wunsch einer Supermarktkette?“ Die Anzeige spielt damit auf die geplanten Globus-Investitionen an. Unter der Schlagzeile platzierten die Handelsvertreter, grafisch aufbereitet, das ablehnende Abstimmungsergebnis zweier Stadtbezirksbeiräte des Gebietes, welches am meisten von dem neuen Globus betroffen sei.

„Mit überwältigender Mehrheit“, heißt es darin, sollen sich demnach Politiker gegen den Markt auf einer Fläche von 10 000 Quadratmetern ausgesprochen haben. 29 der 33 Beiräte stimmten demnach gegen die Großinvestition. Nur ein Mitglied habe sich dafür ausgesprochen. Dennoch halte die Stadt Dresden an den Plänen fest.

Streit um Globus-Ansiedlung schwelt schon länger

Der Streit um dieses Mammutprojekt in der sächsischen Landeshauptstadt schwelt schon geraume Zeit. Der Widerstand auch vieler Anwohner manifestierte sich in den vom Handelsverband angeführten Beiratsentscheidungen. Die aber haben nach Satzung nur beratende, keine entscheidende Auswirkungen auf die Stadtbeschlüsse.

Schon Mitte 2022 sprachen sich demnach die Bezirke Altstadt und Cotta gegen den Globus-Neubau in Friedrichstadt aus. Wie die Dresdener Neueste Nachrichten (DNN) berichteten, befürchteten die Kommunalpolitiker erheblich negative Auswirkungen auf die umliegenden Einzelhandelsgeschäfte durch den Riesenmarkt. Zudem steige die Verkehrsbelastung.

Zustimmung an dieser Kritik kommt vom Handelsverband. Und zwar mit Vehemenz. Dieser Dachverband vertritt Einzelhändler wie beispielsweise Edeka und Rewe. Aber auch den Nachfolger der ehemaligen DDR-weiten Supermarktkette Konsum, die heute fast ausschließlich nur noch in Sachsen tätig ist.

Ebenfalls zum HVS und damit zu den Globus-Gegnern gehört das Citymanagement Dresden. Der Verein vertritt seit 1999 unter anderem Einzelhändler sowie Vertreter der Immobilienbranche, aus Kultur und Tourismus. „Dresden braucht lebhaften Handel statt gigantischen Einkaufstempel“, argumentiert der HVS auf seiner Internetseite. So drohe der Innenstadt durch den geplanten Globus eine Verödung. Denn das immense Warenangebot von Lebensmittel bis hin zu Elektro gefährde die Geschäfte in der Altstadt.

Mehr Verkehr und weniger Mitarbeiter, wenn Globus nach Dresden kommt

Gleichzeitig rechnet der Verband mit einer extremen Zunahme des Verkehrs, auch wegen der geplanten kostenlosen Parkfläche. Das bedeute Stau und Umweltbelastung. Der Handelsverband spricht aktuell von 34 000 Fahrzeugen, die das betreffenden Stadtgebiet durchqueren. Kommt Globus, sollen täglich bis zu 6 000 Fahrzeuge zusätzlich die Straßen passieren.

Außerdem benötige Globus nach eigenen Angaben für das geplante Warenhaus bis zu 350 neue Mitarbeiter. Das strapaziere den ohnehin schon angespannten Fachkräftemangel, den der Einzelhandel heute schon zu spüren bekomme. 2025 will Globus mit dem Bau in Dresden beginnen. Grundlage dazu sind Baupläne der Stadt aus den 90ern. Ähnlich große Märkte vor den Toren der Stadt bestehen bereits.

Für Proteste insbesondere auch von Anrainer-Gemeinden hatte die Neuansiedlung von Globus in Neunkirchen gesorgt. Der neue Markt eröffnete 2022. Er ist zu Fuß von der Innenstadt aus zu erreichen. Auch hier führten Kritiker ähnliche Argumente wie jetzt in Dresden ins Feld: die Gefahr durch das große Sortiment für den Einzelhandel. Dahingehende Befürchtungen kamen 2019 aus Illingen und Ottweiler.