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Mann will Drogen beim Kloputzen durch die Haut aufgenommen haben

Mutmaßliche Rauschgifthändler vor Gericht : Drogen beim Kloputzen durch die Haut aufgenommen?

Vor dem Landgericht Zweibrücken ist in dieser Woche der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder einer Dealerbande weitergegangen. Zu hören waren auch sehr originelle Ausreden.

Kuriose Geschichte, aber kein Geständnis. In dieser Woche ist der Prozess gegen zwei mutmaßliche Mitglieder einer Drogenhändlerbande weitergegangen. Es ist einer von drei Prozessen, in denen sich die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken mit den Geschäften der Bande befasst. Der erste Prozess gegen vier Bandenmitglieder war am 19. April, der zweite Prozess gegen zwei Bandenmitglieder am 27. April und der dritte Prozess gegen drei Bandenmitglieder am 11. Mai gestartet (wir berichteten).

Hatten die beiden 31-jährigen Angeklagten des zweiten Prozesses zu Beginn der Verhandlung noch jede Aussage verweigert, war in dieser Woche zumindest einer der beiden mutmaßlichen Bandenmitglieder etwas gesprächiger. Er berichtete, dass er in Trier aufgewachsen, dort zur Schule gegangen und zum Metallbaukonstruktionstechniker ausgebildet worden sei. 2012 sei er nach Kaiserslautern gezogen, wo er zum Schluss Geschäftsführer einer Kneipe gewesen sei. Dort sei er unfreiwillig mit Drogen in Kontakt gekommen – beim Kloputzen, wie der 31-Jährige unaufgefordert erzählte. Er habe damals auf der Toilette mit seiner nackten Hand eine Ablage über dem Händetrockner abgewischt, auf der seine Gäste vorher Kokain oder „Speed“ in die Nasen gezogen hätten. Über seine Haut seien die Drogen in seinen Körper gelangt, behauptete er. Deshalb seien später auch Rauschgift-Spuren in seinen Haaren gefunden worden, wollte er der Strafkammer allen Ernstes weismachen. Mit Drogen habe er ansonsten nichts am Hut, beteuerte der 31-jährige bekennende Kraftsportler.

Sein in diesem Prozess mitangeklagter gleichaltriger Bekannter wollte sich nach wie vor nicht äußern – weder zu seiner Person noch zum Tatvorwurf. An seiner statt berichtete dessen 32-jährige Lebensgefährtin, dass der 31-Jährige ein gebürtiger Kosovare sei, als Kfz-Mechaniker und eine Zeit lang für eine Leiharbeiterfirma gearbeitet habe. Er treibe viel Sport, unter anderem Karate, und wohne nun bei ihr in Hochspeyer, östlich von Kaiserslautern.

Von Drogenkonsum oder gar Drogengeschäften wollte sie nichts mitbekommen haben. Auch bei Wohnungsdurchsuchungen bei den beiden Angeklagten hatten die Ermittler keine Rauschgifte finden können, wie mehrere Beamte aussagten. Allerdings sei der schweigende Angeklagte bereits 2018 in Kaiserslautern einer sogenannten „Präsenz-Streife“ aufgefallen, als er wohl mehrere Päckchen mit Amphetamin unter seinem abgestellten Auto hatte verstecken wollen. Im Fahrzeug hatten die Polizisten zudem eine offenbar zur Aufbewahrung von Drogen präparierte Getränkedose entdeckt. Fündig waren die Ermittler auch bei dem Mitangeklagten geworden – bei einer „nicht ganz zufälligen“ Verkehrskontrolle in Kaiserslautern, wie ein 40-jähriger Kriminalbeamter einräumte. Mitte September 2020 fanden die Beamten auf der Rückbank des Oberklasse-Autos gut ein Kilogramm Amphetamin, versteckt in einer Verpackung für eine Party-Beleuchtung.

Staatsanwalt Christian Horras hatte den beiden Angeklagten zur Last gelegt, sich Mitte 2018 mit sieben weiteren Männern, gegen die in den beiden anderen Prozessen verhandelt wird, zusammengeschlossen und bis November 2020 gewerbsmäßig in über 100 Fällen jeweils im zweistelligen Kilogramm-Bereich mit Betäubungsmitteln gehandelt und im Wert von mehreren Millionen Euro in Zweibrücken, Kaiserslautern und im Saarpfalz-Kreis umgeschlagen haben. Allein die beiden 31-jährigen Angeklagten sollen dabei jeweils knapp 1,5 Millionen Euro beziehungsweise fast 560 000 Euro eingenommen haben.

Die Verhandlung wird Dienstag, 18. Mai, um Uhr fortgesetzt.