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Ausfall des Zugverkehrs nach Zerstörung der Eifelstrecke durch Flut

Folge der Flutkatastrophe : Die Eifelstrecke ist weitgehend zerstört

Die Schäden sind enorm. Weite Teile der Bahnstrecke zwischen Trier und Gerolstein müssen nach der Flutkatastrophe neu gebaut werden. Bis Ende nächsten Jahres wird dort kein Zug fahren. Das hat enorme Auswirkungen für Bahnfahrer.

Bis Ende des Jahres sollen wieder Züge entlang der Ahr fahren. Zumindest ein Teil der vom Hochwasser zerstörten Ahrtalbahn soll bis dahin wieder soweit instandgesetzt sein, dass der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Auf der Eifelstrecke zwischen Trier und Gerolstein wird vorerst kein Zug fahren. Die Bahn geht davon aus, dass der Abschnitt zwischen dem nordrhein-westfälischen Mechernich und Trier-Ehrang bis mindestens Ende nächsten Jahres gesperrt sein wird. Es wird damit gerechnet, dass frühstens ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2022 wieder Züge in der Eifel fahren werden. Das geht aus Informationen der Bahn-Tochter DB Netz hervor.

Die Eifelstrecke ist die mit am schlimmsten von der Flutkatastrophe betroffene Bahnstrecke. Schon kurz nachdem die Wassermassen Schienen und Brücken weggerissen, Bahnhöfe überflutet und Züge zerstört hatten, sprach die Bahn von einem „historischen Ausmaß“. Über vier Wochen später sind die Schäden an der Eifelstrecke noch immer nicht vollständig erfasst. Die Strecke sei auf zahlreichen Streckenabschnitten „stark beschädigt“, teils sei die Infrastruktur komplett zerstört, sagte eine Bahnsprecherin. „Die enormen Wassermassen haben Bahnübergänge und das Gleisbett beschädigt. Insgesamt sechs Brücken müssen repariert oder neu gebaut werden“, so die Sprecherin. Auch die Stellwerke in Urft und Salzvey in Nordrhein-Westfalen seien zerstört.

Zwischen Köln und Mechernich sollen schon in den nächsten Monaten wieder durchgängig Züge fahren. Dafür würden in Kürze die ersten Reparaturen starten. Für den Streckenabschnitt zwischen Mechernich und Ehrang seien umfangreiche Planungen für den Aufbau der Infrastruktur notwendig. Die Bahn habe damit bereits begonnen. „Eine zeitliche Perspektive für Reparatur und Aufbau von Brücken und Stellwerken für diesen Streckenabschnitt ist erst im Laufe der Planungen möglich“, sagte die Unternehmenssprecherin. Sie lässt aber keine Zweifel daran, dass die Strecke wieder instandgesetzt wird und dort wieder Züge fahren sollen.

In Anbetracht des Umstandes, dass etliche Kilometer Bahnstrecke gar nicht mehr existieren und neu gebaut werden müssen, muss man davon ausgehen, dass die Kosten dafür mehrere hundert Millionen Euro betragen dürften. Der Bau von einem Kilometer Gleis wird mit 500 000 bis einer Million Euro veranschlagt. Bei der Instandsetzung soll nach Möglichkeit auch die neueste Technik installiert werden, um so zu vermeiden, dass in ein paar Jahren die Strecke erneut monatelang für umfangreiche Sanierungsarbeiten gesperrt werden muss. Ob die Gelegenheit genutzt wird, die Eifelstrecke vollständig zu elektrifizieren, ist noch unklar. Nordrhein-Westfalen hatte bereits vor der Katastrophe angekündigt, den Abschnitt auf seiner Seite durchgängig unter Strom zu setzen, um mittelfristig die Dieselzüge von der Strecke nehmen zu können.

Klar ist: Für Bahnfahrer zwischen Trier, Gerolstein und Köln wird es in den nächsten Monaten unbequem. Der für den Nahverkehr zuständige Zweckverband SPNV Nord hat gemeinsam mit der Bahn einen Ersatzverkehr eingerichtet. Busse sollen den Zugverkehr ersetzen. Zwischen Trier und Euskirchen fahren stündlich Schnellbusse ohne Zwischenstopp. Zwischen Trier und Gerolstein fahren Busse alle Haltepunkte und Bahnhöfe an, sofern diese erreichbar sind.

Die Fahrzeiten sind deutlich länger als mit der Bahn. SPNV-Nord-Direktor Thorsten Müller bittet die Fahrgäste daher um Verständnis. „Die Nicht-Verfügbarkeit der Schiene ist für die gesamte öffentliche Mobilität in der Eifel ein großes Desaster“, sagt Müller. Auch er rechnet wegen der „teils gravierenden Zerstörungen an der Schieneninfrastruktur“ nicht kurzfristig mit der Wiederaufnahme des Zugverkehrs. Mit Hochdruck arbeite man nun daran, den Schülerverkehr ab 30. August zu organisieren. Wenn der Unterricht nach den Sommerferien wieder beginnt, sollen mehr Busse eingesetzt werden, die die Zugverbindungen ersetzen. Doch bereits jetzt ist klar, dass Schüler und auch Berufspendler lange Zeit viel Geduld und mehr Zeit brauchen werden.