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2 AKWs in Frankreich vom Netz: Was heißt das für unsere Stromversorgung

Technische Mängel : Zwei französische Atomkraftwerke vom Netz genommen: Was bedeutet das für Strompreise im Saarland?

Der französische Kernkraftwerkbetreiber EdF hat aus Sicherheitsgründen zwei AKWs vorläufig vom Netz genommen. Der Betreiber kündigt Verluste in der Stomproduktion an. Wie können diese sich in Deutschland auswirken?

Der französische Kernkraftwerkbetreiber EdF hat am Werk Civaux im Westen des Landes Mängel festgestellt. Bei Wartungsarbeiten wurden an beiden Blöcken Risse an Rohren entdeckt. Als Konsequenz wurden nun beide Reaktoren abgeschaltet. Da es sich beim AKW Chooz in den Ardennen um den gleichen Typ von Anlage wie in Civaux handelt, nahm EdF auch deren vier Blöcke vorsorglich vom Netz. Dies werde laut dem Betreiber bis Ende 2021 zu einem Verlust von etwa einer Terawattstunde Strom führen. Diese Nachricht sorgte an der Pariser Börse für einen Fall der EdF-Aktien. Die Titel verloren fast zwölf Prozent  und sanken auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten. Doch könnten die schlechten Nachrichten aus dem Nachbarland zu einem Problem für deutsche Stromkunden werden? Immerhin wird hierzulande Strom aus Frankreich importiert.

Im Jahr 2020 hat Frankreich laut der Bundesnetzagentur mit Sitz in Bonn 6,7 Terawattstunden (TWh) nach Deutschland exportiert. Legt man den durchschnittlichen französischen Strommix zugrunde, sind darin 4,5 TWh aus Atomstrom enthalten. Durch die aktuellen Entwicklungen sollte sich aber wenig ändern. „Die Menge des aus Frankreich importierten Stroms könnte geringfügig sinken, was jedoch keine signifikante Auswirkung für Deutschland oder das Saarland darstellt“, teilt auf SZ-Anfrage Michael Reifenberg, Sprecher der Bundesnetzagentur, mit.  „Wie genau kann nicht ermittelt werden, da dies von einer Vielzahl von Effekten abhängt (insbesondere Nachfrage und Erzeugung in allen EU-Ländern, vor allem in den Nachbarländern Frankreichs zu jeder gegebenen Stunde im Betrachtungszeitraum), die im Gefüge des europäischen Strombinnenmarkts zusammenwirken.“ Denn insgesamt ist der Anteil an importiertem Strom aus Frankreich relativ niedrig. Zum Vergleich: Die deutschlandweite Nettostromerzeugung lag im Jahr 2020 bei 531 TWh.

Ebenso erwartet die Bundesnetzagentur keine schlagartige Preiserhöhung aufgrund der Vorfälle in den zwei französischen Anlagen. „Ganz allgemein kann davon ausgegangen werden, dass verminderte Verfügbarkeiten von Erzeugungsleistung den Großhandelspreis in Frankreich und somit auch indirekt in Deutschland geringfügig erhöhen dürften. Bei Nichtverfügbarkeit von lediglich zwei Kraftwerken dürfte dies aber kaum spürbar sein“, sagte Reifenberg. „Es wird keine nennenswerte Preissteigerung erwartet.“

Rund 70 Prozent des Stroms, der in Frankreich produziert wird, kommt von Atomkraftwerken. Das Land zählt 56 Reaktoren. Vier von ihnen befinden sich in der grenznahen Anlage von Cattenom. Das älteste französische Kernkraftwerk im elsässischen Fessenheim wurde 2020 endgültig stillgelegt.