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Adresse zum Einkaufen von Lebensmitteln in Metz: Die Rue du Grand Cerf

Geheimtipp für Liebhaber der französischen Küche : Unterwegs auf der schönsten Feinkostmeile von Metz (mit Bildergalerie)

Nur 160 Meter ist diese Schlemmermeile im Metzer Zentrum lang, aber ihre Feinkostläden bieten unzählige Leckereien und französische Delikatessen. Hier gehen auch die Einheimischen selbst einkaufen.

Der Duft von süßer Schokolade, das dunkle Rot fruchtiger Weine und das cremige Herz eines feinen Brie: Wer im historischen Zentrum von Metz sein kulinarisches Wunder erleben will, muss von den üblichen Shoppingpfaden abbiegen und Kleiderläden, Schuhgeschäfte und Kaufhäuser hinter sich lassen. Nur ein Bummel durch eine schmale Seitengasse macht den Lebensmitteleinkauf in einem riesigen Supermarkt überflüssig, obendrein sind hier viele original französische Gastronomieklassiker und regionale Leckereien zu haben. Der „Bauch von Metz” ist definitiv die rue du Grand Cerf und der sich gleich anschließende Place du Quarteau.

Hier ist es nicht immer billig, aber dafür auf sehr kurzem Weg und von feiner Qualität. Diese Schlemmermeile ist eine Nebenstraße der breiten und stark frequentierten Einkaufsmeile rue Serpenoise und verbindet ihre nördliche Verlängerung, die Gasse En Chaplerue, mit dem malerischen, mittelalterlichen Place Saint-Louis und dem kleinen Place du Quarteau. Und ist gerade einmal 160 Meter lang.

Und doch gibt es hier alles, was es für Frühstück, Mittagessen und Abendbrot braucht. Und nicht braucht. Denn neben Brot, Gemüse, Fleisch und Käse werden auch Wein und Bier und jede Menge Schokolade, Kekse und Kuchen verkauft.

Tatsächlich haben sich in direkter Nachbarschaft ein Käse-, ein Tee und ein Feinkostgeschäft angesiedelt, dazwischen öffnen zwei Metzger und ein Minisupermarkt ihre Türen, auch locken zwei Bäcker, zwei Schokoladengeschäfte und drei Konditoren – mit Schaufenstern voller krosser Brote, kakaoüberzogener Pralinen und klebrig-fruchtiger Küchlein. Alles Hauswand an Hauswand.

Weil die Kundschaft sowohl beim Bäcker Poulard, er hat nationale Preise für sein Croissant und sein Baguette gewonnen, als auch beim Metzger Humbert, hier gibt es Entrecôte, Schinken, Salami und geräucherten Lachs, Schlange steht, beginnt der Schlemmerbummel in der „Fromagerie du Grand Cerf“, aus der eben ein paar Käseliebhaber mit Tüten herauskommen. Drinnen ist es angenehm kühl, aus allen Regalen leuchten weiße Käsekrusten entgegen. „Klassiker wie Münsterkäse, Ziegenkäse und Comté sind die beliebtesten Sorten“, sagt Mitinhaberin Céline Zydko und fügt an, „aber die Kunden wollen auch Neues probieren“. Wie die Brie mit Curry-, Basilikum-, Honig- oder Trüffelkern. Auch ein Weichkäse mit einem Herz aus Erdnuss-Wasabi ist hier zu haben. „Den verkaufen wir im Moment viel“, sagt Zydko.

Die meisten Käse kommen aus allen Ecken Frankreichs, die exotischen Füllungen für die Weichkäse stellt das fünfköpfige Team in seiner Küche im Keller selbst her. Und verkauft auch Wein, Bier, Konfitüre, Honig und Saft. Die Kunden kämen vor allem freitags und samstags, darunter viele Metzer aus dem umliegenden Viertel, aber auch Deutsche, die sich vom deutschsprechenden Mitinhaber Jonathan Zydko gerne beraten ließen.

Direkt nebenan wird es süß, klebrig und krümelig. Es gibt Honigbrot, Kekse und Plätzchen mit Zimt, Ingwer, Marmelade und Kakao aus dem Elsass. „Besonders beliebt sind die glutenfreien Bredele mit Mandelpulver und die Zitronen-Bredele“, sagt Morgane Poirier, gut gelaunte Verkäuferin in der „Maison Alsacienne du Biscuiterie“. Bredele sind die gemischten Plätzchen, die Weihnachten traditionell im Elsass gegessen werden, aber auch den Rest des Jahres schmecken.

Die „Biscuiterie du Grand Cerf“ ist, wie alle Läden in der Gasse, sehr klein, bordet aber über mit Waren. Alle Süßigkeiten kommen aus der großen Feinbäckerei in Colmar, dem Hauptsitz der elsässischen Kette. Hier, in der Metzer Filiale, der einzigen in Lothringen neben zehn Filialen im Elsass, werden drei Produkte vor Ort hergestellt – Bretzeln, die elsässische Hefekuchen-Spezialität Kougelhopf und Macarons in allen Farben des Regenbogens. Denn wie in der Käserei gibt es auch hier eine Küche unter den Füßen der Kunden. „Wir hatten zehn Jahre einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt auf der Place Saint-Louis und konnten im November 2019 dieses Geschäft beziehen, wer auf dem Weg zum Metzger oder zum Käseladen ist, schaut auch bei uns herein“, sagt Poirier.

Ohne Quiche Lorraine oder eine Tourte Lorraine, die herzhaften Lothringer Spezialitäten schlechthin, sollte man sich eigentlich nicht auf den Rückweg machen. Zumal Letztere in der Metzgerei „Au Veau d'Or“ der Chef selbst herstellt. Die Metzgerei auf dem Place du Quarteau ist seit ihrer Gründung 1928 in Hand der Familie Heitzmann und ist die zweitälteste der Stadt. „Unsere Spezialitäten sind Entrecote und Rinderkotelett, das wir 40 bis 50 Tage in der Trockenkammer reifen lassen“, erklärt Metzgerlehrling Quentin Kieffer.

Um das Geschäft zu diversifizieren, gibt es neben Parmaschinken, Cordon Bleu und Pasteten auch Pasta, Olivenöl und Wein. Diversifizierung gehört zum Konzept. „Wir bieten immer ein Tagesgericht an, das in unserem Restaurant um die Ecke zubereitet wird, dabei arbeiten wir mit einem Bäcker in der Straße und dem Weinhändler nebenan zusammen, alle profitieren davon“, sagt Kieffer.

Wer es mit den Einkäufen nicht gleich zum Auto schafft (der nächste Parkplatz ist auf dem Place Coislin oder im Parkhaus Parking Mazelle), sondern Stärkung braucht, hat die Wahl zwischen vier Bars und Restaurants mit Freisitz. Auch auf dem gemütlichen, kleinen Place du Quarteau. Von dort lässt es sich in aller Ruhe auf die Bestellung warten, am eben gekauften Käse oder Pralinen riechen und dem bunten Treiben um sich herum zu schauen.

Gerade am Vormittag geht es hier geschäftig zu. Lieferungen treffen ein, eine Frau mit Pudel an der Leine trägt ihre Tüten nach Hause, ein dunkelhaariger Mann im königsblauen Hemd und schwarzer Anzughose grüßt im Vorbeigehen einen Wirt, und weiter vorne legt sich gerade ein Passant mit einem Autofahrer an: „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?!“. Er hat ihm eben beim Einbiegen in die Fußgängerzone nicht, oder nicht genug, Priorität gelassen. „Fußgänger haben Vorrang!“, ruft er. Der Autofahrer ist entweder so höflich und hält extra an, damit der Passant ihn in Ruhe zurechtweisen kann – oder er bietet ordentlich Paroli. Jedenfalls zu leise, hinter seiner halb runtergekurbelten Scheibe. Schade, gerade die Gegenargumentation wäre interessant gewesen.

Nach kurzem, verbalen Austausch gehen beide ihrer Wege. Und die Gäste auf den Terrassen schlürfen weiter ihren Kaffee. Hinter den scheidenden Kurzzeit-Streitern, am Ende der Place du Quarteau und des Metzer Bauches, hat ein Florist blühenden Lavendel und buschige Margeriten vor seinen Blumenladen aufgebaut. Das Auge isst eben mit. 

Weitere Infos unter lafromageriedugrandcerf.fr, www.maison-alsacienne-biscuiterie.com