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Cora-Supermarkt in Forbach: Mysteriöses Beben der Erde – das steckt dahinter

Es kursieren mehrere Gerüchte : Im Cora-Supermarkt in Forbach bebt immer wieder die Erde – was dahintersteckt (mit Bildergalerie)

Wer häufiger mal im Cora-Supermarkt in Forbach einkauft, könnte es schon bemerkt haben: Immer wieder bebt der Boden in der Filiale. Warum das so ist, darüber kursieren mehrere Gerüchte. Wer wissen will, was an ihnen dran ist, der muss auch in den Keller des Cora-Supermarkts hinabsteigen.

„Heute an einem solchen Standort einen Großsupermarkt zu bauen, wäre viel zu teuer“, sagt Pascal Berthiaux. Nachdem er Einkaufsmärkte in Sarrebourg, Französisch-Guayana und zuletzt in Vichy geleitet hat, ist er seit knapp anderthalb Jahren Direktor der Cora-Filiale im grenznahen Forbach im Département Moselle. Was heute viel zu teuer wäre, hat die franko-belgische Supermarktkette in den 80er Jahren, der Hochzeit der großen Märkte auf der grünen Wiese, einen erstaunlichen Aufwand treiben lassen. Denn der Standort des auch bei Saarländern beliebten Supermarkts hat unterirdische Unwägbarkeiten. Wie die vor und nach der Eröffnung des Markts im Jahr 1984 ausgeglichen werden mussten, merkt man heute noch: Wo von Ananas über Schweinesteak bis Zeckenspray beinahe alles für Mahlzeiten und Drumherum verkauft wird, vibriert nämlich ab und an der Boden. Kurz und leicht, aber spürbar.

„Auch in Frankreich kursieren Gerüchte darüber, warum das so ist“, sagt Gérard Blanchemanche, Drive-Manager und Berater. „Das häufigste ist, dass wir permanent Hydraulikzylinder unter dem Geschäft laufen lassen.“ Dazu fällt Berthiaux eine Anekdote mit Touristen aus der Pariser Hauptstadt ein: „Als hinter ihnen ein schwerer Einkaufswagen fuhr, dachten sie, dass ein Erdbeben kommt.“ Dabei ist das Einkaufen in Forbach ungefährlich. Die Stadt liegt in der Erdbebenzone 0 (unbedeutende Seismizität), was beispielsweise für das 91 Kilometer entfernte Straßburg schon etwas anders aussieht (Erdbebenzone 1b, schwache Seismizität).

Warum bebt es im Cora-Supermarkt? Ein Abstieg in den Keller (siehe Bildergalerie oben im Artikel)

Dass die kleinen Mini-Beben zwischen Kassen, Fischtheke und Lagerräumen nichts mit Plattentektonik zu tun haben, zeigen Berthiaux und Blanchemanche am Ende einer Treppe, welche die Kundschaft normalerweise nicht zu Gesicht bekommt. „Vorsicht mit dem Kopf“, ruft Blanchemanche, bevor er unter den Supermarkt hinabsteigt. Die Treppe führt in einen niedrigen, langen und höhlenartigen Keller. Es ist kühl, etwas Feuchtigkeit hängt in der Luft, Lichtkegel heller Strahler lassen grobe Kiesel und massive Betonpfeiler auftauchen. „10 000 Quadratmeter Leere“, sagt Berthiaux, und fügt an, „anfangs gab es hier Projekte für eine Tiefgarage, aber das wäre zu teuer“. Der Platz würde mehr als ausreichen, tatsächlich sieht man kaum bis zum anderen Ende der niedrigen Halle, die länger ist als die Verkaufsfläche oben.

Die mächtigen Pfeiler halfen bis 2008 dabei, den Laden gerade zu justieren, wenn sich der Boden wieder bewegt hatte. „Der Boden gab nach, weil auf ehemaligen, inzwischen gefluteten Kohleminen und auf Sumpf gebaut wurde“, erklärt Berthiaux. Dass die Fundamente der Pfeiler acht Meter tief sind, ist essenziell. Plötzlich ein dumpfen Dröhnen und helles Geklacker von oben. „Das sind die Einkaufswagen und die Schritte der Kunden“, sagt Berthiaux.

Hartnäckiges Hydraulikpumpen-Gerücht um Cora-Supermarkt zum Teil wahr

Tatsächlich sind die Bodenplatten des Marktes nur zehn Zentimeter stark. An den Pfeilern, die den Boden tragen, fallen Betonschichten in verschiedenen Grautönen auf. Blanchemanche: „Über die Jahre hat man den Markt angehoben, damit er gerade bleibt.“ Vermesser haben in jährlichen Kontrollen die Entwicklung des Bodens verfolgt. War dieser etwas abgesackt, galt es, entstandene Fugen mittels Stahlträgern zu füllen oder mit Spezialbeton zu verpressen. „Mit Hydraulikhebern wurden die Bodenplatten angehoben und wieder abgesenkt, wenn der neue Beton auf dem Pfeiler ausgehärtet war“, erklärt Blanchemanche. Womit das Körnchen Wahrheit am hartnäckigen Hydraulikpumpen-Gerücht gefunden wäre. Seit 2008 hat sich der Boden übrigens beruhigt. Es braucht also keine neuen Beton-Sandwichlagen auf den Pfeilern.

Und das leichte Vibrieren, das man oben beim Einkaufen manchmal spürt? Das hat mit dreieckigen Bodenplatten zu tun. „Wenn man mit einem schwer beladenen Einkaufswagen oder einem Stapler mit ein, zwei Tonnen über eine Ecke des Dreiecks fährt, bewegt sich die andere Dreieckspitze, um das Gewicht auszugleichen. Fährt man damit von einer Bodenplatte auf die nächste, wird das Gewicht verteilt“, erklärt Blanchemanche. Jeder, der hier einkauft, kann das Phänomen theoretisch auslösen, es braucht nur das richtige Gewicht und das richtige Timing. „Wenn ein Fußgänger oder eine Gruppe von einer Bodenplatte zur nächsten gehen, kann man die Vibrationen auch spüren“, sagt Blanchemanche. „Es ist nicht gefährlich, im Gegenteil, es ist beruhigend, weil man so weiß, dass die Struktur nachgibt“, sagt Berthiaux.

„Bei einem Erdbeben ist das der sicherste Ort von Forbach“

Was unten im Keller aussieht wie hohle Schienen zwischen den Bodenplatten, verläuft oben als beigefarbene breite Fugen zwischen den Bodenkacheln – immer an den dreieckigen Bodenplatten entlang. Die Fugen aus Teflonstücken bleiben flexibel, so können sich die Platten links und rechts davon bewegen. „Bei einem Erdbeben ist das der sicherste Ort von Forbach“, scherzt Berthiaux und sagt, „es gibt keine feste Grundplatte, die bersten kann, der Markt wird nicht einstürzen“. Das Dach bewegt sich übrigens genauso, es setzt sich auch aus großen Dreiecken zusammen, die durch bewegliche Fugen verbunden sind. Die Platten der Wände sind unabhängig voneinander und durch Fugen aus beweglichem Material wie Silikon verbunden.

„Die Struktur hat viele Vorteile, aber für uns aber auch Nachteile“, sagt Berthiaux. Die massiven Pfeiler unter dem Boden sind oben als filigranere Varianten aus Stahl sichtbar, die das Dach mittragen. Aber wo sie stehen, können keine Regale und damit keine Waren hin. Außerdem könnten die Kacheln aus den 80er Jahren nicht ausgetauscht werden, „zu kompliziert bei der geringen Dicke der Platten“, meint Berthiaux, der die Bewegungen der Kunden und Waren sogar in seinem Etagenbüro spürt. „Manchmal mache ich sogar oben in meinem Büro kleine Sätze.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bilder aus dem Keller: Warum im Cora-Supermarkt in Forbach der Boden vibriert