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Corona-Impfung: Impfpflicht in Frankreich – was Deutschland lernen kann

Corona-Maßnahmen in Frankreich : Was die Impfpflicht in Grand Est wirklich bringt – und wir davon lernen können

In Deutschland tobt gerade die Diskussion um eine Impfpflicht. Hinter der Grenze gibt es sie schon – allerdings gilt sie nicht für jeden. Ein Überblick über die Corona-Maßnahmen in unserem Nachbarland.

Das Saarland verschärft gerade seine Corona-Regeln. Auch in unserer Nachbarregion Grand Est steigt wieder die Zahl der Neuinfektionen, wenn auch weniger stark als hier. Um vulnerable Gruppen zu schützen, wurde bereits vor Wochen eine berufsbezogene Impfpflicht eingeführt.

Welche Corona-Maßnahmen gelten zurzeit in Frankreich?

Wer nach Frankreich einreisen, beziehungsweise dort ins Restaurant oder ins Museum gehen will, muss seinen „Pass sanitaire“ vorzeigen. Dieser enthält einen Impf- oder Genesenennachweis oder das Ergebnis eines negativen Tests, der höchstens 24 Stunden alt ist. Zur Überprüfung wird der QR-Code des „Pass sanitaire“ gescannt. Außerdem wurde vor ein paar Wochen die Maskenpflicht wieder verschärft. Sie gilt wieder in allen Grundschulen (in weiterführenden Schulen war sie nie ausgesetzt worden) und in geschlossenen Räumen, auch wenn der „Pass sanitaire“ bereits Eingangsvoraussetzung war.

Was gilt beim Thema Auffrischungsimpfung?

Spätestens sieben Monate nach der zweiten Impfung sollte man die Booster-Impfung erhalten haben, um weiterhin als vollständig geimpft zu gelten. Das greift ab Mitte Januar. Für Menschen ab 65 Jahre, die schon länger Anspruch auf eine dritte Impfdosis haben, gilt das sogar ab dem 15. Dezember. Liegt ihre zweite Impfung mehr als sieben Monate zurück und haben sie sich noch nicht boostern lassen, wird ihr „Pass sanitaire“ ungültig.

Für welche Berufsgruppen gilt die Impfpflicht gegen Corona bei unseren Nachbarn?

Seit Mitte September gilt eine Impfpflicht für das Personal in Krankenhäusern, Altenheimen, bei den Rettungsdiensten und der Feuerwehr. Es gilt sowohl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die direkten Kontakt zu den Patienten haben, als auch für diejenigen, die in der Verwaltung arbeiten. Außerdem gilt die Impfpflicht für alle medizinischen und pflegerischen Berufe, die selbstständig arbeiten sowie für Medizinstudenten. Bis Mitte Oktober galt eine Übergangsfrist. Wer sich bis dahin nicht gegen Corona hat impfen lassen, wurde zunächst ohne Lohn freigestellt, bis er einen vollständigen Impfstatus nachweisen kann.

Wie waren die Reaktionen bei den Betroffenen?

Als die Impfpflicht bekannt wurde, stieß das Vorhaben auf Widerstand bei Teilen des Pflegepersonals. Während die Impfquote bei Ärzten und Krankenschwestern von Beginn an relativ hoch war, haderten viele Pfleger und Rettungsdienstmitarbeiter mit der Impfung. Dennoch kam es zu keinen massenhaften Kündigungen. Im größten Krankenhaus im Département Moselle, dem CHR Metz-Thionville, waren zum 15. September 98,5 Prozent der Belegschaft geimpft. Unter den Mitarbeitern mit direktem Kontakt zu den Patienten waren 100 Prozent geimpft.

Ist eine Impfpflicht für alle im Gespräch?

Zurzeit liegt die Option einer Impfpflicht für die gesamte Bevölkerung nicht auf dem Tisch. Sie wird allerdings von einzelnen Politikern wie dem Grünen Präsidentschaftskandidaten Yannick Jadot oder der Pariser Oberbürgermeisterin und Kandidatin der Sozialisten, Anne Hidalgo, befürwortet. Präsident Emmanuel Macron selbst hat sich bisher nicht dafür ausgesprochen. Allerdings wirkt der verschärfte „Pass sanitaire“, bei dem Ungeimpfte einen tagesaktuellen Test nachweisen müssen, wie eine Impfpflicht durch die Hintertür. Denn anders als in Deutschland wurden die kostenlosen Tests nicht wieder eingeführt.

Laut der Gesundheitsbehörde Santé publique France sind 75,6 Prozent der Franzosen vollständig geimpft. Gerechnet auf die Menschen ab zwölf Jahren, die Anspruch auf eine Impfung haben, sind es 88 Prozent.