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Frankreich: Corona-Impfpflicht für Pflegekräfte gilt ab heute

Bei den Nachbarn kommt jetzt, worüber in Deutschland diskutiert wird : Impfpflicht in Frankreichs Kliniken ab heute in Kraft: Ohne Impfung kein Lohn mehr

In Frankreich gilt ab heute eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen. In den Krankenhäusern von Metz und Nancy sind fast alle Mitarbeiter gegen Corona geimpft.

In Frankreich haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern nur noch ein paar Stunden Zeit, sich gegen Corona impfen zu lassen. Wer sich weigert, steht bald ohne Geld da. Zwar dürfen die Mitarbeiter nicht aus diesem Grund gekündigt werden, jedoch werden sie freigestellt – unbezahlt versteht sich. Grundlage dafür ist ein Erlass, den Präsident Emmanuel Macron Mitte Juli verfügt hat. Wer in einer Klinik arbeitet, muss sich gegen Corona impfen lassen, egal ob er direkt in Kontakt mit den Patienten arbeitet oder nicht. Das gilt auch für das Personal in Altenheimen, in Einrichtungen für Behinderte, für niedergelassene Ärzte, Apotheker, Hebammen, Mitglieder der Feuerwehr und Rettungsdienste.

Damit kommt in Frankreich jetzt, worüber in Deutschland gerade diskutiert wird: eine Impfflicht für bestimmte Berufsgruppen. Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) lehnt das allerdings entschieden ab. „Wenn wir heute eine Impfplicht verhängen, wird das dazu führen, dass wir gerade in absoluten Mangelberufen wie der Pflege Aussteiger haben.“ Wenn nach dem Ende der Pandemie dann in der Pflege immer noch Personalmangel herrsche, müsste man sich dafür verantworten, „dass wir Leute aus der Pflege in andere Berufe gedrängt haben“. Hans: „Ich kann das zum jetzigen Zeitpunkt nicht verantworten.“

In Frankreich tritt die Impfpflicht jetzt hingegen in Kraft. Seit August haben die meisten Einrichtungen angefangen, den Impfstatus ihrer Mitarbeiter abzufragen und verschiedene Maßnahmen gestartet, um die Skeptiker von der Impfung zu überzeugen. Damit waren sie erfolgreich. Nach eigenen Angaben sind im Krankenhaus in St. Avold über 90 Prozent der Mitarbeiter geimpft. Auch im Uniklinikum CHR in Metz und im Uniklinikum CHRU in Nancy liegt die Impfquote bei den Mitarbeitern bei 90 Prozent. Laut der regionalen Gesundheitsbehörde ARS sind 85,8 Prozent der Mitarbeiter in Altenheimen in der Region Grand Est vollständig geimpft, 89,7 Prozent haben die erste Impfdosis verabreicht bekommen. Diese erste Impfdosis ist die Voraussetzung für die betroffenen Berufsgruppen, um auch nach dem 15. September arbeiten zu können. Bis zum 15. Oktober müssen sie vollständig geimpft sein. Doch was passiert mit der Minderheit, die die Impfung weiterhin ablehnt? Zunächst soll ein Gespräch mit der Personalabteilung der jeweiligen Einrichtung stattfinden sowie eine Untersuchung durch den Betriebsarzt. In den seltenen Fällen, in denen Mitarbeiter aus einem medizinischen Grund, wie zum Beispiel einer Allergie gegen den Impfstoff, nicht geimpft werden können, können sie weiterhin arbeiten, müssen sich aber in regelmäßigen Abständen PCR-Tests unterziehen.

Seit Macrons Ankündigung im Juli demonstrieren immer wieder Menschen gegen den Gesundheitspass und die Impfpflicht in manchen Berufen. „Lieber gefeuert als geimpft“ konnte man letztens in Paris auf einem Plakat lesen. Doch wie viele Menschen aus dem Gesundheitssektor haben aufgrund der Impfpflicht ihren Job gekündigt? Die Gewerkschaft CGT in Nancy macht keine Angaben, spricht aber von vereinzelten Kollegen, die sich dementsprechend geäußert hätten. Wie viele es tatsächlich sind, wird erst nach dem Fristende am 15. September bekannt. Kritik übt die CGT aber an die Umsetzung der Regelung. Obwohl Krankenhäuser bereits jetzt an massivem Personalmangel leiden würden und nachdem das Pflegepersonal in der Pandemie so viel geleistet hätte, sei es falsch, sie nun zur Impfung zu drängen. Außerdem gebe es auch in Kliniken die Möglichkeit, Ungeimpfte so einzusetzen, dass sie keinen Kontakt zu Patienten hätten, zum Beispiel an Telefon-Hotlines. Am heutigen Dienstag, 14. September, hat die CGT deshalb ihre Mitglieder in den Krankenhäusern frankreichweit zu einem Streik aufgerufen.