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Frankreich: Wie die Deutschen Immobilienpreise in Lothringen beeinflussen

Hinter der Grenze in Frankreich wohnen : Wie die Deutschen Immobilienpreise in Lothringen beeinflussen

Der französische Immobilienmarkt an der lothringischen Grenze ist für deutsche Käufer interessant. Grund dafür sind niedrigere Preise und Steuervorteile. Sorgt die deutsche Nachfrage für einen Preisanstieg? Im Gespräch mit Maklern im Grenzgebiet fallen die Antworten ganz unterschiedlich aus.

Sabine S. (38) hat kürzlich ein Haus in Lothringen gekauft. Sie ist mit der Entscheidung glücklich: „Es war ein großer Schritt, aber wir sind sehr zufrieden. In Frankreich bekommen wir für unser Geld ein Haus mit Garten. In Saarbrücken hätte es – wenn überhaupt – für eine kleinere Wohnung gereicht.“ Viele deutsche Grenzpendler entscheiden sich dafür, in Frankreich eine Immobilie zu kaufen. Ob sie damit Markt und Preise verändern, wird unterschiedlich wahrgenommen.

Christophe Garattoni ist deutscher Makler mit französischer Maklerlizenz. „Durch Corona ist das Interesse der Grenzpendler zwischendurch zurückgegangen. Aber seit einigen Monaten wächst die Nachfrage wieder“, sagt er. Steuervorteile und die niedrigere Preise böten nach wie vor einen großen Anreiz. „Die gesparte Einkommenssteuer zahlt quasi das Haus ab.“ Außerdem seien die Prozesse für die Kunden angenehm: „Die Bürokratie ist einfach. Und auf den Ämtern sprechen die Menschen meist deutsch.“ Die hohe Nachfrage wirke sich dementsprechend auch auf die Preise aus.

Bijan Mostashari arbeitet in Saargemünd. Eine weitere Motivation für seine Kunden seien die deutsch-französischen Grundschulen im Ort. „Die Kunden sparen hier Steuern, schicken die Kinder auf die deutsch-französische Grundschule und anschließend nach Saarbrücken auf das DFG. Es ist praktisch, dass die Straßenbahn für eine gute Anbindung sorgt.“ Er sieht ebenfalls einen Preisanstieg durch deutsche Käufer: „Das betrifft die Orte direkt an der Grenze, also zum Beispiel Großblittersdorf. Fünf Kilometer weiter ist die Situation schon wieder ganz anders.“

Die französische Immobilienmaklerin Betty Klein arbeitet in Rohrbach-lès-Bitche. Sie sieht die Marktsituation ähnlich. Explodierende Preise wegen deutscher Käufer habe es gegeben, sagt sie. Aber: „Das ist schon 30 Jahre her. Vor der Einführung des Euro hatten die Deutschen eine höhere Kaufkraft. Mittlerweile haben sich die Verhältnisse angeglichen.“ Ihrer Meinung nach ist die deutsche Nachfrage kein Faktor mehr für steigende Preise: „Das deutsche Interesse geht vielerorts zurück.“ Mit ein Grund dafür sei die Pandemie: „Die Menschen haben Angst, wieder vor geschlossenen Grenzen zu stehen.“

Der deutsche Makler Marcus Hintze verkauft auch Immobilien in Frankreich. „Die Immobilienpreise haben allgemein angezogen“, sagt er. Der Zuzug nach Lothringen sei nach wie vor da. Aber: „Er ist nicht mehr so stark wie früher. Und nicht ausschlaggebend für Preissteigerungen.“ In Bezug auf Corona machte er andere Erfahrungen als die französische Kollegin: „Durch Corona haben wir vermehrt Nachfragen von Kunden, die sich gerade jetzt etwas Schönes kaufen möchten. Zum Beispiel ein Häuschen in den Vogesen. Das sind aber keine Grenzpendler, sondern Menschen, die einfach gerne in Frankreich leben möchten.“

Wie die Situation sich weiterentwickelt, hängt auch von den Baupreisen ab. Aktuell wird Bauen teurer, unter anderem wegen neuer ökologischer Standards. So steigt die Nachfrage nach Bestandsimmobilien – von deutscher und französischer Seite.