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Winzergenossenschaft AOC Vins de Moselle Pinot Noir Auxerrois Wein

Großes Weinfest am Sonntag : Mosel-Weine aus Lothringen legen mit Qualitätssiegel AOC zu

Mit dem Gütesiegel AOC auf den Flaschen lebt die Winzergenossenschaft „Vins de Moselle“ wieder auf und lädt an diesem Sonntag zum Weinfest.

Es ist noch zu früh, um eine Vorhersage über die kommende Weinernte zu treffen, zumal das Wetter in dieser Saison nicht gerade gnädig war. Aber etwas zu feiern haben die Winzer im Département Moselle dennoch. Die Genossenschaft „Vins de Moselle“ kann sich seit zehn Jahren mit der kontrollierten Herkunftsbezeichnung AOC (Appellation d’Origine Contrôlée) schmücken. „Die Besonderheit unserer Weine ist, dass wir ausschließlich als AOC trockene Weißweine, trockene Rosé und Rotweine nur mit Pinot Noir herstellen“, sagt Norbert Molozay. Der Präsident von „Vins de Moselle“ ist selbst weitgereister Winzer und betreibt gemeinsam mit seiner Frau Marie-Geneviève, Winzerin in fünfter Generation, mit dem Château de Vaux die produktivste Domäne der Genossenschaft, die rund 20 Prozent der Appellation erwirtschaftet.

Aus diesem Anlass findet in Marieulles-Vezon am kommenden Sonntag, 5. September, das jährliche Weinfest von „Vins de Moselle“ statt. In dem etwa eine Viertelstunde südlich von Metz gelegenen Winzerdorf können Weinliebhaber von zehn bis 18 Uhr lokale Tropfen kosten und kaufen. Die „Fête des Vins de Moselle“ rotiert durch die insgesamt 18 Winzerdörfer und findet in diesem Jahr zum siebten Mal statt. In Marieulles-Vezon sind zwei der in der Winzergenossenschaft zusammengeschlossenen Winzer ansässig, die anderen reisen an, um ihre Erzeugnisse vorzustellen. Insgesamt nehmen 14 lokale Winzer und 15 Produzenten, deren Erzeugnisse das noch junge Label „Qualité-Mosl“ haben, teil. Auch einige Winzer von der deutschen und der luxemburgischen Mosel, deren Weine die AOC-Bezeichnung schon länger tragen, sowie lokale Imker, Käsereien, Konfitürenhersteller und Bäcker bauen ihre Stände auf.

In der Winzergenossenschaft sind 16 selbstvermarktende Winzer aus 18 Kommunen zusammengeschlossen, die jährlich 1937 Hektoliter Alkohol produzieren und 331 600 Flaschen abfüllen. Es gibt drei Hauptanbaugebiete: im Tal von Sierck-les-Bains an der Grenze zu Luxemburg und Deutschland, im Metzer Land und um die Stadt Vic-sur-Seille im Saulnois im Süden des Départements. Am 1. Mai waren 56 Prozent der Anbaugebiete auf Biobetrieb umgestellt. Angebaut werden acht verschiedene Rebsorten, wobei drei Viertel zu Weißwein gekeltert werden.

„Wir haben hier einen Lehm-Kalk-Boden, der rote Kalk mit Eisenanteilen bringt eine gewisse frische und Mineralität, die sich bei unseren Weiß- und Rotweinen vor allem in der Alterung bemerkbar macht“, sagt Molozay. Unter den Jahrgängen 2018, 2019 und 2020 seien Weine, die sich ohne Probleme zwischen fünf und zehn Jahre lagern ließen. Neugierigen Weinliebhabern empfiehlt Molozay die trockenen Weißweine und dabei hauptsächlich die „sehr frischen und sehr aromatischen“ Auxerrois sowie als Rotwein Pinot Noir.

Nach Angaben der regionalen Landwirtschaftskammer wurden die „Vins de Moselle“ sogar im australischen Sydney und im japanischen Tokio verkauft. Auch in New York gibt es die Tropfen, doch der Großteil der Weine wird in Grand Est verkauft, wie Molozay versichert: „Es sind sehr regionale Produkte, seit der AOC-Auszeichnung verkaufen wir viel an Restaurants, weil wir qualitative Fortschritte gemacht haben.“ Dass das Moselle-Département inzwischen auch sehr touristisch geworden sei, kommt den Winzern zugute. „Wenn die Reisenden in die Restaurants kommen, wollen sie lokale Weine probieren“, sagt Molozay. In dem Metzer Restaurant „Terroirs de Lorraine“ lässt der Saargemünder Sternekoch und Bocuse d‘or-Gewinner Michel Roth auch Weine des Château de Vaux servieren.

Unter den Privatkunden der Winzer seien inzwischen auch einige deutsche Weinliebhaber aus dem Saarland und von weiter her. Trotz der steigenden Bekanntheit bleibt Molozay realistisch: „Wir sind mit nur 70 bepflanzten Hektar eines der kleinsten Weinanbaugebiete Frankreichs und werden auch international bekannter, aber lange nicht so wie die großen Weinanbaugebiete Bordeaux und Bourgogne.“ Zum Vergleich: Bordeaux-Weine werden von 12 000 Winzern auf 120 000 Hektar angebaut und jährlich in 850 Millionen Flaschen in alle Welt verkauft. Nicht zuletzt wird sich nach der Corona-Krise auch das kalte Frühjahr an der Mosel bemerkbar machen, weshalb Molozay für AOC Moselle einen kleineren Jahrgang als 2020 voraussagt.

Weinfest der Winzergenossenschaft „Vins de Moselle“ am Sonntag, 5. September, in Marieulles-Vezon (10 bis 18 Uhr). Eintritt zum Fest frei, das Verkostungsglas kostet 5 Euro. Es gilt die 3-G-Regel (Pass Sanitaire). Weitere Informationen unter www.mosl-tourisme.fr/manger/vins-de-moselle.html