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Zara, H&M, C&A sind weg: Leerstand in Innenstadt von Metz

Lauter Leerstand im Zentrum : Wie die beliebteste Shoppingmeile von Metz ihren Glanz verliert (mit Bildergalerie und Quiz)

Internationale Ketten wie Mango und H&M, aber auch französische Unternehmen verlassen die Rue Serpenoise: In der einst glanzvollsten Shoppingmeile im Metzer Zentrum reiht sich Leerstand an Leerstand. Welche beliebten Geschäfte weg sind, und warum die Pandemie damit kaum etwas zu tun hat.

Wenn die Pandemie vorbei ist, mal wieder schön nach Metz fahren, zum Flanieren und Einkaufen. Gerade Saarländer, die früher gerne in der Rue Serpenoise mitten im historischen Zentrum eingekauft haben, werden sich beim nächsten Besuch der breiten Shopping-Straße wundern. Die bei Einheimischen und Tagestouristen so beliebte Einkaufsmeile zwischen Place Saint-Jacques und Place de la République hat sich merklich verändert. Von insgesamt 57 Geschäften sind mindestens 18 aufgegeben. Schuld daran ist die Pandemie aber nur bedingt.

Alteingesessenes Warenhaus Printemps gibt auf

Es war eine Hiobsbotschaft, die im November vergangenen Jahres den Fokus auf das Geschäftesterben in der Rue Serpenoise richtete. Die französische Warenhauskette Printemps kündigte an, seine alteingesessene Filiale (vier Etagen, 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche) zu schließen. Die unmittelbaren Folgen: Sozialplan für 38 Festangestellte, auch 78 Angestellte der in dem Warenhaus eingegliederten Franchise-Firmen verlieren ihre Jobs. Dabei wurde wieder offensichtlich, was inmitten des Stillstands des öffentlichen Lebens aus Lockdown, Kilometerbeschränkungen und Ausgangssperren aus dem Blick geraten war: die Rue Serpenoise mit ihren Schuhgeschäften, Bekleidungsläden und Kaufhäusern verwaist zusehends. Wo sich früher samstagsnachmittags gefühlt die halbe Stadt durch die Rue Serpenoise schob, herrscht heute viel Leerstand.

Einkaufszentrum Muse beim Centre Pompidou saugt Einkäufer ab

Bürgermeister François Grosdidier (Les Républicans) sprach angesichts des Printemps-Aus von einer „Naturkatastrophe“ und gab bei der Industrie- und Handelskammer des Département Moselle eine Studie in Auftrag, welche Situation, Dynamiken und Potenziale des Einzelhandels in der Rue Serpenoise analysieren soll. Und rüffelte in Richtung seines Vorgängers Dominique Gros (Parti socialiste), dass dieser in seinen beiden Amtszeiten ein „disproportionales, überschüssiges Angebot“ geschaffen habe. Grosdidier bezieht sich dabei vor allem auf das neue, überdachte Einkaufzentrum Muse – 33 000 Quadratmeter gegenüber des Centre Pompidou, abseits des historischen Zentrums, aber innerstädtisch. Weniger auf den außerstädtischen, offenen Einkaufspark Waves in der Industriezone Actisud in Augny – 43 000 Quadratmeter, elf Kilometer südlich von Metz. Zum Vergleich: Die Europa-Galerie in Saarbrücken hat 25.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Trotz des Anstiegs, in Metz lag die Rate der leerstehenden Läden 2018 bei 8,5 Prozent und 2020 bei elf Prozent, muss man – zumindest bis zum Ausbruch der Pandemie – relativieren: Die Werte entsprechen dem nationalen Leerstands-Durchschnitt von Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern.

Das Who's who des Aufgebens

Im Juli soll das Kaufhaus Printemps, 1974 eröffnet, schließen. Bleibt als prestigeträchtiges Kaufhaus noch die Galeries Lafayette an der übernächsten Straßenecke. Doch das Who's who des Aufgebens ist auffällig: Die Filialen der Bekleidungsketten Zara, Mango, H&M, Desigual, Naf Naf, New Yorker, Morgan, Eram und Celio haben ebenso das Feld geräumt wie die Schuhgeschäfte André und Minelli, der Mini-Supermarkt Monop' folgt im Juli. Dahinter stehen einerseits Kürzungen bei den Ketten (Printemps, Celio), andererseits Umzüge (Zara, Mango) ins neue Einkaufzentrum Muse. Die Lokale von C&A und Naf Naf waren bereits vor der Krise leer – ihre Türen schlossen sich im Februar und März 2020.

Zu hohe Ladenmieten vergraulen potenzielle Interessenten

Viele Papp-Schilder „À louer“ (zu vermieten) kleben also derzeit in der Rue Serpenoise. Aber wer würde hier ein Ladenlokal mieten wollen, oder vielmehr, können? „Ein Geschäft mit 3000 Quadratmetern im Stadtzentrum mietet heute kein Händler mehr“, sagt auf Anfrage ein Sprecher der Metzer Händlervereinigung Fédération des commerçants. Die Rue Serpenoise habe genau drei Probleme: zu hohe Mieten, zu große Geschäfte und eine zu starke Konzentration auf Bekleidungsgeschäfte. Wobei gerade Letzteres ausschlaggebend sei – denn Onlinehandel macht gerade vielen Händlern des stationäre Modemarkts seit Jahren zu schaffen. „Die Rue Serpenoise kommt einfach am Ende eines natürlichen Zyklusses an, sie kann so nicht mehr funktionieren", bilanziert der Sprecher und ergänzt, „wir brauchen jetzt Zeit und Geld". Etwa müssten große Gebäude, wie das des ehemaligen C&A, innen renoviert werden. Da fällt der Vergleich zu Saarbrücken ins Auge, wo auch ein ehemaliges C&A-Warenhaus an der Viktoriastraße in bester Lage seit Jahren im Dornröschenschlaf-Modus ist.

Kommen jetzt Studentenbuden in die leeren Warenhäuser?

Wie geht es nun weiter? Ideen von Teilung und Umbau der großen Geschäfte in kleinere Galerien und Wohnungen sind im Gespräch, während Politiker und Händler auf die Ergebnisse der Studie warten. Auch Jugendhäuser, Studentenwohnungen, Coworking-Büros und Freizeitmöglichkeiten könnten hier Platz finden und nach der Pandemie wieder mehr Leben bringen. Mut machen dabei die Entwicklungen in den florierenden, umliegenden Straßen. Für einen Bummel durch die rue des Clercs, En Chaplerue oder rue du Grand Cerf lohnt sich das Abbiegen. Viele Geschäfte halten sich hier, neue siedeln sich sogar in der Krise an, es gibt weniger Leerstand. Allerdings handelt es sich hier meistens um Lebensmittelgeschäfte und Boutiquen. Also durchweg um kleine bis sehr kleine Ladenlokale.