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Zwei Discounter wollen Frankreich erobern – neue Filiale direkt hinter der Grenze geplant

Konkurrenz für deutsche Ladenketten : Zwei neue Discounter erobern Frankreich – auch Filiale direkt hinter der Grenze geplant

Nachdem deutsche Billig-Märkte den Weg geebnet haben, wittern nun zwei weitere Handelsketten ihre Chance auf dem französischen Markt. Eine der neuen Filialen soll direkt hinter der Grenze Kunden anlocken und ist auch für deutsche Grenzgänger interessant. Zudem plant der Carrefour-Konzern einen Angriff auf die Filialen der deutschen Unternehmen Aldi und Lidl in Frankreich.

Mit diesem Mitspieler hat auf dem französischen Markt niemand gerechnet. Während die Discounter in Frankreich aufrüsten, will auch ein unerwarteter Konkurrent vorstoßen. Die russische Billig-Kette Mere, die weltweit 2000 Filialen betreibt, plant drei neue Standorte in der französischen Region Grand-Est, unter anderem in Thionville. Auch für deutsche Grenzgänger ist das Konzept interessant. In Leipzig ist die Kette bereits seit Anfang 2019 präsent.

Das Konzept sei in diesem Fall eindeutig. „Die Mere-Kette greift das Konzept des Harddiscounters auf, der sich an eine wirklich bedürftige Bevölkerung richtet“, erklärt Cédric Ducrocq, Chef der französischen Beratungsagentur Diamart. Das Angebot in den Geschäften ist äußerst beschränkt und stammt ausschließlich aus dem Niedrigpreisbereich. Auf die Präsentation wird kein großer Wert gelegt, die Ware liegt oft auf einfachen Paletten. Ein Problem für die Kunden ist bisweilen, dass das angebotene Sortiment starken Schwankungen unterliegt, was bei normalen Discountern nicht der Fall ist.

Beobachter bezweifeln, dass dieses Konzept in Frankreich Erfolg haben wird. Sie sind aber überzeugt, dass das russische Unternehmen mit seinen Märkten eine neue Runde in der Rabattschlacht um die französischen Kunden einläuten könnte.

Carrefour-Konzern plant Angriff auf Aldi und Lidl in Frankreich

In Mantes-la-Ville herrscht kein Mangel an Supermärkten. Etwa ein Dutzend Anbieter tummeln sich bereits rund um die kleine Stadt nordwestlich von Paris. Ausgerechnet dort hat in diesen Tagen im Einkaufsviertel Buchelay nun auch ein Supeco seine Pforten geöffnet. Der neue Lebensmitteldiscounter gehört zum Carrefour-Konzern, der damit einen Angriff auf die in Frankreich sehr erfolgreichen deutschen Firmen Aldi und Lidl startet.

Trotz der großen Konkurrenz schien dieser Schritt in Mantes-la-Ville für die Verantwortlichen von Carrefour notwendig. „Wir gehen dorthin, wo es für uns interessant ist“, erklärt Louise Machenaud, Projektleiterin bei Supeco. In der Region gebe es nach ihren Analysen einen potenziellen Kundenstamm, den man mit dem Angebot ansprechen könne. Der Discountmarkt entwickle sich sehr lebhaft und das Unternehmen Carrefour, das sich lange nicht positioniert hatte, will nun offensichtlich seinen Teil vom Kuchen abhaben.

Mit dem neuen Geschäft in Mantes-la-Ville gibt es 19 Supeco in Frankreich. Geplant ist, noch in diesem Jahr drei oder vier weitere Supermärkte in der Region Île-de-France zu eröffnen. Um die Kosten zu senken, soll das in der unmittelbaren Nähe von den Auslieferungslagern geschehen, um die Transportkosten so gering wie möglich zu halten. So soll das Versprechen der Marke eingehalten werden, die tiefsten Preise in der Umgebung des Standortes anzubieten.

Die Verantwortlichen bei Supeco wollen allerdings nicht in die Nähe von Billig-Marken gerückt werden, sondern sehen sich selbst als eine Art Premium-Discounter. Der Einkauf solle zum Erlebnis gemacht werden, betont Louise Mache­naud. Auch in Frankreich kämpfen die Discounter mit dem Ruf, eher triste Orte des lieblosen Konsums zu sein.

Der deutsche Anbieter Lidl arbeitet seit Jahren gegen dieses Image. So werden die Geschäfte aufgepeppt und die Waren nicht einfach lieblos ins Regal gestellt. Diese Strategie wirkt sich auch auf die Standortpolitik aus. Inzwischen findet man Filialen von Lidl und Aldi auch in den eher reichen Stadtvierteln von Paris. Lidl hat es zudem geschafft, nicht mehr nur als einfacher Discounter wahrgenommen zu werden.

Geglückt ist dem Unternehmen das über das Angebot von sogenannten Non-food-Artikeln. Das Problem der Discounter in Frankreich ist, dass die Leute bereit sind, für Lebensmittel wesentlich mehr Geld auszugeben als ihre deutschen Nachbarn. Es ist also schwieriger, die Kunden über Sonderangebote etwa für Milch, Wurst oder Wein in die Geschäfte zu locken. Aus diesem Grund werden in regelmäßigen Abständen qualitativ hochwertige Non-Food-Produkte angeboten, die zu einem unschlagbar niederen Preis über den Ladentisch gehen. Zuletzt versetzte Lidl seine Kunden mit dem Verkauf einer Küchenmaschine, ähnlich dem Thermomix, geradezu in Verzückung.