1. Saarland
  2. Blick zum Nachbarn

Luxemburg hat mehr Corona-Fälle, testet aber auch sehr viel.

Gesundheit : Wie es zu den hohen Corona-Zahlen in Luxemburg kommt

Luxemburgs Außenminister warnt Deutschland davor, wegen der hohen Zahl der Neuinfektionen erneut die Grenzen zu schließen. Wir zeigen, wie Jean Asselborn die Zahlen erklärt und warum er damit seinem eigenen Premier widerspricht.

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn fordert, dass die im Großherzogtum positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Grenzgänger aus der Statistik herausgerechnet werden. Immerhin seien fast 20 Prozent der Personen, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, Nicht-Luxemburger. Von den insgesamt 4925 Corona-Infektionen im Nachbarland wurden 876 bei nicht dort Lebenden festgestellt. Auch bei den am Wochenende aus Trier und Trier-Saarburg gemeldeten zehn neuen Fälle ging einer auf einen Test in Luxemburg zurück.

In keinem anderen europäischen Land würden so viele Corona-Tests durchgeführt wie in Luxemburg, sagte Asselborn unserer Zeitung. Auf 1000 Einwohner kommen dort über 437 Tests, in Deutschland sind es gerade mal 76. Daher dürfe man nicht nur die Zahl der positiv Getesteten betrachten, warnt Asselborn. Seit Beginn der Pandemie wurden im Nachbarland bis gestern 278 388 Personen getestet, 211 858 davon waren Einwohner Luxemburgs. Die große Zahl an Tests (bis zu 10 000 Personen pro Tag) sei auch der Grund, warum in Luxemburg mehr Neuinfektionen festgestellt würden, sagte Asselborn.

Allein von Samstag auf Sonntag ist die Zahl um 83 gestiegen. Am Freitag hatten einige Länder wie Dänemark Luxemburg als Risikogebiet eingestuft. Bewohner des Landes dürfen nicht mehr ohne Einschränkung einreisen. Auch Zypern, Finnland und Rumänien haben Einreisebeschränkungen für Luxemburger verhängt. Belgien hat das Nachbarland als sogenannte orange Zone eingestuft, das entspricht der mittleren von drei Warnstufe in Bezug auf Corona-Infektionen. Das belgische Außenministerium warnt bei Fahrten nach Luxemburg zur „erhöhten Vorsicht“. Direkte Auswirkungen auf den Grenzverkehr hat das aber noch nicht.

Asselborn wollte beim gestrigen Treffen der EU-Außenminister in Brüssel mit seinen Kollegen aus Belgien und Deutschland über die Lage in Luxemburg sprechen und auf die hohe Zahl der Tests hinweisen. Es gebe derzeit keine Hinweise, dass die Nachbarländer erneut die Grenzen zu Luxemburg schließen werden, wie zu Beginn der Pandemie im Frühjahr. „Neuerliche Grenzkontrollen wären eine Katastrophe“, sagte Asselborn.

Mit seinen Erklärungen widerspricht Asselborn seinem Premier. Denn: Xavier Bettel führte vor einigen Tagen die steigenden Infektionszahlen vor allem auf die Unvernunft einiger seiner Landsleute zurück. Auf Partys und in Kneipen würden die Hygiene- und Abstandsregeln oftmals nicht beachtet werden.