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Die HNA-Pleite und der Flughafen Hahn - Ende des chinesischen Traums?

Auswirkungen auf den Hunsrück-Flughafen : Die HNA-Pleite und der Flughafen Hahn - Ende des chinesischen Traums?

Der Mutterkonzern der Flughafen-Hahn-Gesellschaft ist pleite. Einiges spricht dafür, dass das nun Auswirkungen auf den Hunsrück-Flughafen haben wird.

 Am Mittwoch gegen 16 Uhr ging der Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Bad Kreuznach ein. Ein Gläubiger, dem die Flughafen-Frankfurt-Hahn-Gesellschaft (FFHG) einen sechsstelligen Betrag schuldet, stellte den Antrag  gegen den Betreiber des Hunsrückflughafens. Dieser soll zahlungsunfähig sein. Das Gericht werde in den nächsten Wochen über den Antrag entscheiden, sagte eine Sprecherin des Gerichts auf Anfrage unserer Redaktion. Der Antragsteller, bei dem es sich nach Informationen unserer Zeitung nicht um ein Unternehmen handelt, sei aufgefordert worden, weitere Unterlagen zur Verfügung zu stellen.

Auch im rheinland-pfälzischen Innenministerium hat die Nachricht für Aufregung gesorgt. Durch einen Hinweis aus dem Mitarbeiterkreis der   FFHG habe man von dem  Gläubiger-Insolvenzantrag erfahren, sagte eine Ministeriumssprecherin. Daraufhin habe man „unmittelbar“ den chinesischen Generalkonsul in Frankfurt um weitere Informationen gebeten. Hintergrund ist, dass der Hahn mehrheitlich dem chinesischen Konzern HNA gehört. Dieser hatte 2017 die Anteile des Landes Rheinland-Pfalz (82,5 Prozent) für 15 Millionen Euro gekauft. Die restlichen Anteile besitzt weiterhin das Land Hessen.

Es ist nicht das erste Mal, dass das  Mainzer Innenministerium den chinesischen Generalkonsul um Auskunft über die finanzielle Lage von HNA und damit auch des Hahn bittet. Bereits Ende Januar erkundigte man sich dort, ob Medienberichte zuträfen, dass der chinesische Konzern, zu dem mehr als 300 Unternehmen gehören pleite sei. Das Generalkonsulat beruhigte und teilte Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) mit, dass HNA nicht insolvent sei, sondern sich neu ausrichte. Diese Umstrukturierung habe keine Auswirkungen auf den Betrieb des Flughafens Hahn, zitierte Stich im Februar im Landtag aus dem Antwortschreiben des Generalkonsuls.  Auch die Hahn-Geschäftsführung habe dem Ministerium versichert, dass die Liquidität der Gesellschaft gesichert sei. Stich verwies dabei auf den Geschäftsbericht der FFHG aus dem Jahr 2018, der ein Eigenkapital von knapp 56 Millionen Euro ausgewiesen habe.

Die Antwort der Ministeriumssprecherin auf die Anfrage unserer Redaktion lässt vermuten, dass man dort immer noch davon ausgeht, dass der Hahn keine finanziellen Probleme hat. Sie verweist auf das boomende Frachtgeschäft „trotz massiver Auswirkungen der Corona-Pandemie“ und verkündet mit einem gewissen Stolz, ganz so als sei das Land noch weiterhin für den Erfolg des Hahn verantwortlich, dass der Hunsrück-Flughafen bei der Fracht „aktuell Rang vier unter den Verkehrsflughäfen in Deutschland“, belege.

Um Auskunft über die finanzielle Lage des Hahn-Mutterkonzerns HNA zu erhalten, bedarf es übrigens keiner Rückfrage im chinesischen Generalkonsulat. Branchendienste berichten übereinstimmend, dass HNA pleite sei und über 60 000 Gläubiger mehr als 188 Milliarden Dollar von dem Konzern verlangen. HNA war in den vergangenen Jahren im Kaufrausch. Er kaufte weltweit Hunderte Firmen auf. Neben dem Flughafen Hahn gehört zum Konzernportfolio auch die Hotelkette Radisson, das Luftfahrtdienstleistungsunternehmen Swissport Group sowie 19 Fluggesellschaften. Allerdings sollen fast alle diese Käufe durch weitere Schulden finanziert worden sein. Die chinesische Regierung stoppte den von Branchenkennern als aggressiv bezeichneten Expansionskurs und stellte HNA unter staatliche Aufsicht. Im Januar hat HNA dann einen Insolvenzantrag gestellt.