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Prozess Amokfahrt Trier: Chef der Mordkommission erzählt Details über Angeklagten

Chef der Mordkommission berichtet : Warum die Trierer Amokfahrt wohl keine spontane Tat war

Die Amokfahrt von Trier mit vielen Toten und Schwerverletzten war offenbar keine spontane Tat. Darauf deuten nach Aussage des Chefs der Trierer Mordkommission, Christian Soulier, zahlreiche Anhaltspunkte und Indizien hin. Die wichtigsten Informationen vom Prozess im Trierer Landgericht.

Der mutmaßliche Amokfahrer von Trier hat sich kurz vor der Tat von einer Bekannten mit den Worten verabschiedet: „Ich komme jetzt in den Knast.“ Für Chefermittler Christian Soulier  von der Trierer Mordkommission ein Anhaltspunkt unter mehreren, aus dem er die Schlussfolgerung zieht: „Die Amokfahrt war kein Adhoc-Verbrechen.“

 So habe der 52-jährige Angeklagte zwei Tage vor der Tat seine feste Arbeitsstelle in einer Elektrofirma gekündigt, die Arbeitskleidung zurückgegeben und dem Chef Geld zurückbezahlt. Der Firmenchef sei davon völlig überrascht gewesen, sagte Soulier. Er sei mit dem Tatverdächtigen und dessen Leistungen im Job sehr zufrieden gewesen.

 Komplettes Geld vom Konto abgehoben und Lieblingsgericht gekocht

 Am Tag der Amokfahrt selbst habe der Angeklagte dann sein komplettes Geld vom Konto abgehoben, einer Bekannten den Hausschlüssel zurückgegeben und ihr gesagt, sie könne sein Auto haben, er selbst komme in den Knast. Auch die Tatsache, dass der Angeklagte am Tattag sein Lieblingsgericht Rouladen zubereitet und gegessen habe, wertetet der Kripobeamte als Indiz dafür, dass das Gewaltverbrechen geplant gewesen sein könnte. „Irgend etwas muss vor der Tat in seinem Kopf vorgegangen sein“, meinte Soulier. 

Später hat der Angeklagte nach Angaben des Kripobeamten alle Aussagen widerrufen. Im Prozess selbst hat sich der mutmaßliche Amokfahrer bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Neben dem Chef der Mordkommission sagt am Dienstag auch noch die Bekannte des Angeklagten aus.

 Angeklagter als Egoist mit wirren Aussagen bezeichnet

 Der Leiter der Mordkommission bezeichnete den Angeklagten als Egoist. „So lange es in den Vernehmungen um seine Belange ging, hat er gerne mit uns geredet“, so Christian Soulier. Aber sobald die Tat selbst thematisiert worden sei und man den Angeklagten mit Fotos, Videos oder Schilderungen über die Amokfahrt konfrontiert habe, „hat er null Reaktionen und auch keinerlei Empathie gezeigt“.

 Der Kripobeamte sprach am Dienstag aber auch von sprunghaften und teils wirren Aussagen des Tatverdächtigen. So habe er etwa seiner Schwester gegenüber geäußert, dass er sich angeblich alle Zähne ziehen ließ, weil in einem Zahn ein Sensor versteckt sei. Zudem sei er er als dreijähriges Kind für Pharmaexperimente missbraucht worden. Deshalb stehe ihm noch eine halbe Million Euro zu, die im Tresor eines Trierer Notars lägen. 

 Den Notar hat der Angeklagte angeblich am Tag vor der Amokfahrt aufgesucht. Geld bekam er dort aber nicht.