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Prozess zur Amokfahrt in Trier: Das sagt eine Bekannte des Angeklagten

Prozess am Landgericht : Amokfahrt in Trier: „Jetzt knallt‘s, ich haue alle um!“

Im Prozess um die Amokfahrt in Trier hat sich am Dienstag eine Bekannte des Angeklagten geäußert. Demnach soll dieser das Verbrechen mit deutlichen Worten angekündigt haben.

„Jetzt knallt‘s, ich haue alle um“, diese Worte soll der mutmaßliche Amokfahrer von Trier wutentbrannt wenige Stunden vor dem Gewaltverbrechen einer Bekannten gegenüber geäußert haben. Das sagte die als Zeugin geladene Frau am Dienstagmittag im Trierer Landgericht.

Kurz zuvor sei der Tatverdächtige bei einem Trierer Notar gewesen. Vermutlich in der Absicht, an das dort angeblich in einem Tresor deponierte Geld zu kommen. Nach Angaben der Ermittler ging der mutmaßliche Amokfahrer davon aus, dass der Notar eine halbe Million Euro für ihn aufbewahre, die ihm aus angeblich zu seiner Kinderzeit gemachten Pharamexperimenten zustehe.

Wenige Stunden nach dem Wutausbruch soll der Angeklagte bei einer halsbrecherischen Fahrt durch die Trierer Fußgängerzone fünf Menschen getötet und Dutzende teils schwer verletzt haben. Der Angeklagte wurde kurz nach der Tat in der Nähe der Porta Nigra festgenommen, sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die Bekannte, bei der der Angeklagte die letzten Monate vor der Festnahme wohnte, schilderte den 52-jährigen als „absolut lieben Jungen“. „Er war höflich nett, zuvorkommend“, sagte die 63 Jahre alte Frau am Dienstagnachmittag im Mordprozess am Trierer Landgericht. Sie bezeichnete sich selbst als mütterliche Freundin des 52-Jährigen.

Anfangs der Bekanntschaft sei der Mann sehr schwierig und bockig gewesen. Mit der Zeit habe sich das Verhalten aber deutlich verbessert. „Ich hatte ihn zuvor aber auch mehrfach in den Hintern getreten“, schilderte die Frau. Ab März sei es mit ihrem Bekannten aber zunehmend bergab gegangen. „Er wollte nicht mehr arbeiten und hat seine Wohnung in Kordel gekündigt“, erinnerte sich die Zeugin. Der Mann habe auch zunehmend unter Verfolgungswahn gelitten. „Er war überzeugt davon, ständig in der Wohnung und auf der Arbeit beobachtet und verfolgt zu werden.“

Auch von seinem besten Freund habe sich der Bekannte irgendwann bespitzelt gefühlt. Mit der Zeit sei der Verfolgungswahn immer schlimmer geworden. Sie habe dem Bekannten noch geraten, sich psychologische Hilfe zu holen. „Aber er hat nur mit dem Kopf geschüttelt“, sagt die Frau.

Zwei Tage vor der Amokfahrt hat der Angeklagte auch der Bekannte gegenüber offenbar ziemlich konkrete Andeutungen gemacht. „Er hat mir an dem Tag gewisse Dinge erzählt, über die ich aber noch nicht reden kann“, meinte die Frau am Dienstagnachmittag. „Jedenfalls war danach Alarmstufe rot und ich hätte schalten müssen.“

Damals habe sie den Fehler gemacht, nicht reagiert zu haben. „Da habe ich versagt“, so die Zeugin, ohne konkreter zu werden. Die 63-Jährige fügte aber hinzu: „Aber er ist nicht bösartig. Der Junge hätte mir nie etwas angetan.“