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Verbrechen im Bistum Trier: Wie reagiert Stephan Ackermann auf den „Spiegel“-Titel

Kriminalität : „Spiegel“-Titel über ungesühnte Verbrechen im Bistum Trier: Wie reagiert Stephan Ackermann?

Das Bistum Trier steht nicht zum ersten mal wegen Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester im Fokus. Es geht um jahrzehntelange sexuelle Übergriffe, traumatisierte Opfer und generalstabsmäßige Vertuschung.

Diese Veröffentlichung dürfte bundesweit für Schlagzeilen sorgen: Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ befasst in der Titelgeschichte seiner neuesten Ausgabe mit den jahrzehntelangen sexuellen Übergriffen von katholischen Priestern an Kindern und Jugendlichen. Schon die Überschrift „Das Schweigen der Hirten – die ungesühnten Verbrechen im Bistum Trier“ dürfte dafür sorgen, dass dem Trierer Bischof Stephan Ackermann die Einstimmung ins Wochenende kräftig verhagelt wird. Der 58-jährige Ackermann ist nicht nur Bischof des ältesten deutschen Bistums, sondern seit 2010 auch Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche.

Nach Informationen unserer Redaktion werden in dem elf Seiten umfassenden Spiegel-Artikel, an dem ein vierköpfiges Autorenteam monatelang recherchiert hat, Dutzende Missbrauchsfälle aus den zurückliegenden Jahrzehnten aufgelistet, über die auch der „Trierische Volksfreund“ größtenteils schon berichtet hat.

Unter den geschilderten Missbrauchsfällen ist auch der Fall Karin Weißenfels. Die Frau (sie heißt in Wirklichkeit anders) war einst von einem Pfarrer sexuell missbraucht und später zur Abtreibung gedrängt worden. Weißenfels gehorchte schließlich und leidet seit vielen Jahren an den Folgen. Dem Bistum und mehreren Bischöfen, darunter Stephan Ackermann und sein Vorgänger Reinhard Kardinal Marx,  wirft sie jahrelange Versäumnisse vor.

Bistum Trier: Es geht um schwerwiegende Fälle von Missbrauch und Vertuschung

Über einen anderen schwerwiegenden Missbrauchsfall berichtete unsere Redaktion bereits im Herbst vergangenen Jahres: Ein katholischer Priester aus dem Bistum Trier soll sich über Jahrzehnte hinweg an Dutzenden Kindern vergangen haben, ohne dass der gebürtige Hunsrücker dafür zur Verantwortung gezogen worden ist. Die von mehreren Opfern gegen den 1994 verstorbenen Mann erhobenen Vorwürfe wiegen schwer.

Nach der Schilderungen von Zeitzeugen und vorliegenden Dokumenten hat der Dechant zahllose minderjährige Mädchen und Jungen missbraucht, gedemütigt oder geschlagen. Und: Das Trierer Generalvikariat und der damalige Bischof Bernhard Stein wussten von den pädophilen Neigungen des Geistlichen; auch die Schulbehörde und die Koblenzer Staatsanwaltschaft hatten den Mann Opferaussagen im Blick. Mehr aber auch nicht. Es gab einst zwar strafrechtliche Ermittlungen, aber keine Verurteilung.

Zwei besonders krasse Missbrauchsfälle unter vielen, die auch in dem aktuellen Spiegel-Bericht aufgelistet werden. Der renommierte Kirchenrechtler Thomas Schüller wird in dem Artikel mit der Einschätzung skizziert, dass es den deutschen Bischöfen an echtem Aufklärungswillen fehle. Sie wollten vor allem ihre eigenen Ämter schützen. Aus Angst vor einem Dominoeffekt hielten sie zusammen. „Wenn Marx fällt, fallen wahrscheinlich Ackermann und auch Bätzing“, zitiert der Spiegel den Münsteraner Kirchenrechtler.

Eine Reaktion des Bistums auf die Veröffentlichung steht noch aus. In einem unserer Redaktion vorliegenden Rundschreiben an die Mitarbeiter warnte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg schon mal vor. In dem Brief wird darauf verwiesen, dass die meisten Vorwürfe bekannt seien und man an der Aufarbeitung der Vorwürfe arbeite.  Der „GV“ räumt aber auch ein, „dass die Reportage an mehreren Stellen aufzeigen wird, dass Verantwortliche in unserem Bistum nicht angemessen gehandelt und Fehler gemacht“ hätten. Das Schreiben endet mit den Worten, „dass Bischof Stephan und ich Ihnen sehr dankbar sind, dass Sie uns in diesen krisenhaften Zeiten die Treue halten und weiter daran arbeiten, die Frohe Botschaft zu verkünden“.