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Wandern auf dem Moselsteig-Seitensprung Cochemer Ritterrunde

Wandern auf der Cochemer Ritterrunde : Jede Menge Geschichte und guter Moselwein

Vom Niederrhein hat es Mauritius te Dorsthorst in unsere Gefilde verschlagen. Nun erkundet der begeisterte Wanderer auf ausgewählten Premiumwegen das Saarland und die Umgebung – Schritt für Schritt.

Die Sonne kämpft sich gerade durch das Wolkenband, als wir in Cochem mit dem Zug ankommen. Es ist nicht zu heiß und somit ideal für den 16 Kilometer langen Seitensprung des Moselsteiges. Weil wir die Cochemer Burg ein wenig zu fest im Blick haben, gehen wir die Wanderung in entgegengesetzte Richtung. Denn eigentlich soll man sich zu Beginn der Wanderung von der imposanten Reichsburganlage des elften Jahrhunderts abwenden und in entgegengesetzte Richtung zur Talstation der Sesselbahnanlage Pinnerkreuz begeben. Wenn die Sesselbahn in Betrieb ist, kann diese benutzt werden, um den wirklich steilen Anstieg zu umgehen. Am Tag unserer Wanderung war die Anlage wegen der Corona-Beschränkungen allerdings nicht in Betrieb. Nach Angaben auf der Internetseite der Seilbahn (www.cochemer-­sesselbahn.de) hat sie mittlerweile den Betrieb wieder aufgenommen.

Auf der Wanderung werden insgesamt 700 Höhenmeter überwunden. Der „Seitensprung“ wird auf der Internetseite des Moselsteigs (www.moselsteig.de) als schwer eingestuft und in Anbetracht der zum Teil anspruchsvollen Steigungen, etwa – in normaler Laufrichtung – der Anstieg zum Pinnerkreuz, ist diese Einschätzung gerechtfertigt. Über kurze Passagen ist auch eine erhöhte Trittfestigkeit gefragt; hier sollte, besonders bei Nässe auf festes Schuhwerk geachtet werden.

 Die Wanderung führt zu einem kleinen Teil auch durch die Straßen im pittoresken Moselort Cochem.
Die Wanderung führt zu einem kleinen Teil auch durch die Straßen im pittoresken Moselort Cochem. Foto: Mauritius te Dorsthorst

Unser Weg führt uns zunächst durch den pittoresken Moselort Cochem. Hier gelangen wir zu einem Marktplatz und von dort aus durch schmale Gassen in Richtung Reichsburg. Die Burg hat eine etwa 1000-jährige Geschichte. Die erste Erwähnung findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1051, in der Richeza, die älteste Tochter des Pfalzgrafen Ezzo und vormals Königin von Polen, die Burg ihrem Neffen, dem Pfalzgrafen Heinrich I., übertrug. Zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Burg in Folge des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1689 von französischen Truppen zerstört. – und erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wiederaufgebaut.

Wir lassen die Burg hinter uns und begeben uns zunächst bergauf über einen Schotterpfad. Dieser Anstieg bringt uns zum ersten Aussichtspunkt, der Hubertushöhe, von wo aus wir einen wundervollen Weitblick über die Mosel und über Cochem haben. Ab hier führt der Weg über einen schmalen Pfad entlang eines relativ steilen Abhangs in Richtung eines Waldgebietes und zum Teil parallel zum Märtscheltbach, der in die Mosel fließt. Danach halten wir uns rechts und durchqueren eine weitläufige Wiese und ein paar Äcker. Der Weg führt uns von hier aus schnellen Schrittes zur Wilhelmshöhe und von da aus zur Burgruine Winneburg. Die etwa sieben Kilometer zwischen der Hubertushöhe und der Burgruine lassen sich sehr leicht gehen, mit nur kurzen, teilweise recht steilen Steigungen. An den idyllisch gelegenen Überbleibseln der Winneburg angekommen, machen wir eine ausgedehnte Rast und lassen das umliegende Waldgebiet, was wir von den Burgmauern überblicken können, auf uns wirken. Die Burg wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut und im Pfälzischen Erbfolgekrieg von den Franzosen eingenommen und gesprengt.

 Nachdem sie das Pinnerkreuz erreicht haben, werden die Wanderer mit einem Weitblick über Cochem bis hin zur Reichsburg belohnt.
Nachdem sie das Pinnerkreuz erreicht haben, werden die Wanderer mit einem Weitblick über Cochem bis hin zur Reichsburg belohnt. Foto: Mauritius te Dorsthorst
Wandern auf dem Moselsteig-Seitensprung Cochemer Ritterrunde
Foto: SZ/Müller, Astrid

Etwa einen Kilometer von der Burg entfernt befinden sich ein Campingplatz sowie das Hotel Winneburg, welches am Tag unserer Begehung noch nicht geöffnet war. Nach einer kurzen Straßenquerung folgt der letzte, etwa drei Kilometer lange Aufstieg, der uns schließlich zum Pinnerkreuz und damit zum letzten Höhepunkt der Wanderung für uns bringt. Am Kreuz angekommen eröffnet sich uns noch einmal ein wunderschöner Weitblick über die Mosel und Cochem sowie über die Reichsburg. Der abschließende Abstieg hat es jedoch in sich. Die Stufen sind überwiegend sehr steil und uneben. Ferner gibt es nicht nur ausgebaute und gelegte Stufen, sondern auch Stufen, die einfach in den Naturstein gehauen wurden. Bei schlechtem Wetter ist dieser Abschnitt bestimmt rutschig. Wir haben das Glück, dass wir die Stufen nur hinab gehen müssen. Wären wir die Ritterrunde in richtige Laufrichtung gegangen, hätte uns dieser Anstieg bestimmt Spaß gemacht. Nachdem wir das Tal erreicht haben, ist der Weg zum Bahnhof nicht mehr weit.

 Das Pinnerkreuz ist einer der Höhepunkte der Wanderung.
Das Pinnerkreuz ist einer der Höhepunkte der Wanderung. Foto: Mauritius te Dorsthorst
 Die Ruine der Winneburg liegt mitten in einem Waldgebiet. Hier können Wanderer die Natur auf sich wirken lassen.
Die Ruine der Winneburg liegt mitten in einem Waldgebiet. Hier können Wanderer die Natur auf sich wirken lassen. Foto: Mauritius te Dorsthorst

Die Wanderung ist sehr abwechslungsreich und erfordert mit den vielen Höhenmetern, die überwunden werden müssen, auch eine gute Kondition. Dazu kommen die ganzen historischen Sehenswürdigkeiten und die wunderschöne Stadt Cochem, in der sich gut ein schönes Glas regionalen Weins trinken lässt. Die vorgegebene Zeit von sechs Stunden ist nicht wirklich realistisch. Wir sind diese Wanderung, mit ausgiebiger Pause in unter viereinhalb Stunden gegangen. Leider hatten wir bei dieser Wanderung Liam, den Deutschen Schäferhund, der uns öfters begleitet, nicht dabei. Dafür ist uns eine Familie mit Dackel entgegengekommen, die den Weg in richtiger Laufrichtung gegangen sind. Somit zeigt sich, dass die Wanderung auch mit Hund geeignet ist.

Die Anreise nach Cochem erfolgt ganz einfach mit dem Zug. Von Merzig aus fährt der Regionalexpress nach Koblenz über Cochem. Am Bahnhof angekommen finden sich direkt die Schilder für den Seitensprung.

www.moselsteig.de