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App aus Luxemburg hilft gegen Lebensmittelverschwendung

Gründerin aus Luxemburg will App nach Deutschland bringen : Der Klick gegen Lebensmittelverschwendung

Ein Luxemburger Start-up hat eine App entwickelt, mit der Verbraucher Essen zum günstigen Preis kaufen können, bevor dies in der Tonne landet. Für die Nutzer ist sie kostenlos und wird von Supermärkten finanziert, die dafür Abos abschließen. Bald soll sie auch in Deutschland verfügbar sein.

Ilana Devillers (28) hat 2018 die App F4A (für „Food for All“) gegen Lebensmittelverschwendung auf den luxemburgischen Markt gebracht. Mittlerweile beschäftigt ihr Start-up 17 Menschen. Wie es dazu kam und ihre weiteren Pläne aussehen, erzählt sie im SZ-Interview.

Frau Devillers, wie ist Ihre App F4A entstanden?

Ilana Devillers: Die Idee kam mir 2016 mir während meiner Studienzeit in Straßburg. Bei Studenten ist oft das Budget für Lebensmittel knapp. Dass sich Studenten oft nur von Nudeln, Reis und Kartoffeln ernähren, ist kein Klischee, sondern für viele Realität. Parallel dazu rückte das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung bei großen Supermarktketten immer mehr in die Öffentlichkeit. Den richtigen Auslöser hatte ich als ich bei einem Freund zum Abendessen eingeladen war. Am Ende fragte er mich: „Was denkst du, wo ich die Produkte für das Essen geholt habe?“. Ich habe die Frage nicht verstanden, dann erzählte er mir, dass er alles aus der Mülltonne eines Supermarkts gefischt hatte. Es waren richtig gute Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mal überschritten war. So kam ich auf die Idee, eine Plattform zu entwerfen, damit Angebote und Nachfrage besser zueinander finden.

Wie hat sich diese Idee zu einer Start-up-Gründung entwickelt?

Devillers: Je länger ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, dass das Problem über meinen eigenen Studentenkreis hinaus sehr viele Menschen betrifft und es wirklich ein Potential für eine solche App gibt. Ich habe mein Jura-Studium in Strasburg abgebrochen und bin hier in Luxemburg auf einen Master in „Business Innovation“ umgestiegen. So hatte ich die Idee und die theoretischen Grundlagen und konnte durchstarten. Wir haben zuerst eine Umfrage mit 3000 Teilnehmern durchgeführt, um herauszufinden, was sich die Leute wirklich wünschen, und zugleich das Interesse für ein solches Modell bei den Supermärkten sondiert.

Wie funktioniert die App?

Devillers: Supermärkte können die Produkte eintragen, die sie in kurzer Zeit aus den Regalen rausnehmen und entsorgen würden. Sie bieten diese zu sehr reduzierten Preisen an. Die Nutzer können danach suchen, entweder nach bestimmten Artikeln oder nach einem bestimmten Geschäft, das zum Beispiel auf dem Nachhauseweg liegt. Sie wissen dann, welche Produkte sie dann zu günstigen Preisen finden. Je nach Geschäft gibt es auch die Möglichkeit, ein Produkt direkt über die App zu kaufen und dort abzuholen. Das Prinzip ähnelt der Papierwerbung mit den Angeboten der Woche, nur in digitaler Form und mit dem Vorteil, dass die Informationen immer auf dem aktuellsten Stand sind. Was bereits verkauft ist, wird nicht mehr angezeigt.

 So sieht die App F4A auf dem Handy aus.
So sieht die App F4A auf dem Handy aus. Foto: F4A

Wie finanziert sich die App, wenn sie für Verbraucher kostenlos ist?

Devillers: Über die Supermärkte, die ihre Produkte bei uns einstellen. Es war zu Beginn schwer, sie vom Konzept zu überzeugen. Doch jetzt hat sich gezeigt, dass F4A sich für sie auch rentiert. Zum einen werden sie Produkte los, wenn auch für wenig Geld, wofür sie sonst Entsorgungskosten bezahlt hätten. Sie vermeiden auch Lebensmittelverschwendung, was vielen Kunden immer wichtiger wird. Und wer einmal in den Supermarkt kommt, um reduzierte Produkte zu kaufen, die er über die App gefunden hat, kauft vielleicht dort das eine oder andere zum regulären Preis dazu.

In welcher Richtung wollen Sie Ihr Geschäft ausbauen? Gibt es da weiteres Entwicklungspotential?

Devillers: Es findet ein ständiger Austausch mit den Nutzern statt, die sich immer neue Features wünschen können. Wir haben die App in den vergangenen Monaten bereits ausgebaut. Sowohl für die Nutzer mit zusätzlichen Funktionen, wie zum Beispiel Kochrezepten zu den Zutaten, die sie über die App gesucht haben. Aber auch für die Kunden, wenn sie bereits über eine digitale Überwachung ihrer Lagerposten verfügen, können sie F4A damit synchronisieren, um Lebensmittelverschwendung vorzubeugen. Wir haben auch unsere Kundenkreise auf das Gast- und Hotelgewerbe erweitert.

Wieviele Menschen nutzen die App?

Devillers: Heute sind es rund 17 000 Menschen, die F4A in Luxemburg nutzen. 2020 haben die Nutzer rund 232 000 Produkte „gerettet“, die sonst im Müll gelandet wären. Das entspricht ungefähr 72 Tonnen Lebensmitteln. Dadurch wurden auch 136,8 Tonnen CO2 gespart. In den nächsten Monaten wollen wir die App auch in Frankreich, Deutschland und Belgien anbieten. Es ist die logische Folge, denn viele User sind auch Grenzgänger, die in Luxemburg arbeiten und in den Nachbarstaaten leben. Deshalb wünschen sie sich, dass sie die App nicht nur im Umfeld ihrer Arbeitsstelle, sondern auch am Wochenende zu Hause nutzen können.