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Dritte Impfung gegen Corona: Warum Moderna ein guter Booster-Impfstoff ist

Dritte Corona-Impfung : Forschungen der Saar-Uni zeigen: Darum ist Moderna ein guter Booster-Impfstoff

Nach sechs Monaten sinkt der Schutz der Corona-Impfung auf ein Zehntel seines ursprünglichen Werts. Forscher der Saar-Uni untersuchen, wie die Booster-Impfung wirkt.

Die sogenannte Booster-Impfung gegen Corona ist in aller Munde. Doch welcher Impfstoff ist für eine Auffrischung der beste? Darauf geben Untersuchungen der Saar-Universität nun erste Hinweise. Sechs Monate nach dem ersten Impfdurchgang, so Professor Martina Sester von der Abteilung für Transplantations- und Infektionsimmunologie der Homburger Uniklinik, „gehen wir davon aus, dass der Corona-Impfschutz auf ein Zehntel seines ursprünglichen Wertes gesunken ist“. Das sei ein auch von anderen Impfungen bekannter Wert. „Und deshalb ist eine dritte Impfung jetzt notwendig.“

Eine seit Monaten laufende Untersuchung mit 550 Testpersonen an der Uni-Klinik in Homburg zeige, dass bei der Impfung der Wirkstoff des US-Herstellers Moderna das Immunsystem am stärksten stimuliere. Allerdings werde dieser Schutz mit einem Mehr an Nebenwirkungen erkauft. Die Homburger Forscher gehen davon aus, dass sich dies auch bei der Verstärkerimpfung auswirkt. Das sei ein Grund, weswegen die US-Arzneimittelbehörde FDA bei Moderna für die sogenannte Boosterimpfung mittlerweile nur noch die halbe Wirkstoff-Dosis empfehle. Diese Empfehlung habe am Donnerstag die Ständige Impfkommission (Stiko) für Deutschland übernommen. In der Regel seien die für den Booster empfohlenen sogenannten mRNA-Impfstoffe von Moderna und Pfizer-Biontech dennoch recht gut verträglich. „Bei immungesunden Menschen macht es bei der Boosterimpfung vermutlich keinen großen Unterschied, welcher eingesetzt wird.“

Die Arbeitsgruppe von Martina Sester untersucht seit diesem Frühjahr alle in Deutschland zugelassenen Wirkstoff-Kombinationen (wir haben berichtet). Dazu gehören die sogenannten homologen Impfungen, bei denen identische Wirkstoffe nacheinander gegeben werden und heterologe Impfschemata, bei denen unterschiedliche Typen eingesetzt werden. Dabei habe die Doppelimpfung mit Astrazeneca den schwächsten Schutz geboten. Die Kombination Astrazeneca-Moderna habe die deutlichste Immunantwort, gefolgt von den Kombinationen Astrazeneca-Biontech und Moderna-Moderna. Die Homburger Forscher vergleichen bei ihren Untersuchungen Blutwerte der Corona-Antikörper und Konzentration von zwei Typen der T-Zellen des Immunsystems. Sogenannte T-Helferzellen lösen bei Kontakt mit Krankheitserregern allgemeine Abwehrreaktionen aus und unterstützen die Antikörper-Produktion. Die sogenannten Killerzellen sind darauf spezialisiert, infizierte Zellen zu zerstören, erklärt Martina Sester. „Sie schützen vor einem schweren Verlauf der Infektion.“

In einer weiteren Untersuchung prüften die Homburger Forscher jetzt auch eine Verstärkerimpfung fürs Vakzin des US-Herstellers Johnson&Johnson, bei dem als Erstimpfung nur eine Spritze genügt. Doch dieser Schutzschild, so Martina Sester, sei schwächer als bei den Doppel-Impfstoffen. Zudem beträfen heute die meisten Impfdurchbrüche – mit diesem Fachausdruck werden Corona-Infektionen geimpfter Menschen bezeichnet – den Johnson&Johnson-Impfstoff. Die Quote sei mehr als doppelt so hoch wie bei Biontech. Nach den Erhebungen des Robert-Koch-Instituts verhindert der Moderna-Impfstoff mit einer Wahrscheinlichkeit von 92 Prozent im Fall einer Corona-Infektion eine Krankenhausbehandlung, es folgen Biontech (87 Prozent) und Astrazena (68). Für den Johnson&Johnson-Impfstoff nennt das RKI eine Bandbreite von 38 bis 59 Prozent. Deshalb empfehle die Ständige Impfkommission der Bundesregierung in diesem Fall nun als Impfverstärker einen mRNA-Wirkstoff. Zu Recht, wie die Untersuchung ihrer Arbeitsgruppe ergeben habe, sagt die Homburger Professorin. Der Biontech-Booster – einen Vergleich mit dem Moderna-Impfstoff stellten die Homburger Forscher nicht an – führe „zu einem deutlichen Anstieg der Antikörper- und T-Zell-Konzentration.“ An der Studie mit der Saarbrücker Sportmedizin hätten zwar nur 15 Testpersonen teilgenommen, doch seien „die Ergebnisse so eindeutig gewesen, dass selbst bei dieser geringen Zahl kein Zweifel möglich ist“. Gut verträglich sei die Biontech-Auffrischungsimpfung außerdem gewesen.