1. Saarland

Eine Wanderung durch das Mullerthal in der luxemburgischen Schweiz

Serie Abenteuer in der Region : Mit der Taschenlampe durchs Mullerthal (mit Bildergalerie)

Riesige Steingestalten und dunkle Höhlengänge erwarten den Wanderer, der sich auf den Felsenweg wagt. Wer sich traut, wird belohnt – mit spektakulärer Natur und einem Nachmittag, der noch lange in Erinnerung bleibt.

Sonntagmorgen, kurz nach neun. Normalerweise heißt das: gemütlich Kaffee trinken und Zeitung lesen. Heute wird aber der Rucksack gepackt und die Wanderschuhe aus dem Schrank geholt, denn es geht auf nach Luxemburg ins Muller­thal. Diese Region, auch als Müllerthal oder kleine luxemburgische Schweiz bekannt, ist ein Paradies für Wanderfreunde. Wer ganz ambitioniert ist, kann sie auf dem 112 Kilometer langen Mullerthal-Trail sogar mehrere Tage lang erkunden. Ich habe aber nur den einen Sonntag und deshalb will ich den gut 12 Kilometer langen Felsenweg Mullerthal-Consdorf gehen.

Ausgangspunkt ist das Tourist-Center Heringer Millen, eine Dreiviertelstunde Autofahrt von Trier entfernt. Von dort aus folge ich zuerst dem Wanderweg „Route Auto-Pédestre“, markiert mit einem blauen Dreieck, in dem manchmal eine „1“ steht. Vom Parkplatz aus geht es ein paar Hundert Meter über die Straße, dann führt die Markierung links in den Wald, und mein Abenteuer beginnt.

Schon bald wird der Felsenweg seinem Namen gerecht: Zu beiden Seiten des schmalen Pfads ragen immer wieder hohe Felsen empor, teils mit Moos bewachsen, teils mit Efeu behangen, teils wurzeln sogar Bäume in tiefen Spalten.

Mit etwas Fantasie kann der Wanderer in den riesigen Steinen Gestalten und Skulpturen erkennen: Dort blickt mir ein grimmiges Gesicht hinterher, ein paar Meter weiter scheint ein Ufo auf den Waldboden gestürzt zu sein. An der riesigen Felsformation Rammelee zeigt die Markierung scharf nach rechts den Hang hinauf. Hier machen sich die Wanderschuhe mit gutem Profil bezahlt, und ich gerate schnell ins Schwitzen. Bald kommt die erste Gelegenheit zur Rast, eine hübsche Bank unter einem gewaltigen Felsvorhang mit dem spielerischen Namen Schelmelee. Aber noch ist nicht Zeit für die Mittagspause, und so schreite ich weiter voran, auf und ab durch den Wald, an gewaltigen Felsen vorbei und über Wurzeln, die für hastige Füße schnell zur Stolperfalle werden können.

Nach gut einer Stunde ist Straßenlärm zu hören, ich nähere mich dem Parkplatz Constrefermillen. Bevor ich ihn erreiche, ist es allerdings Zeit für eine Mittagspause an der spektakulären Felsformation Buergkapp, die an eine trutzige Festung aus mittelalterlichen Zeiten erinnert. Jetzt schützt sie mich mit ihren gewaltigen steinernen Überhängen auch, allerdings nicht vor feindlichen Rittern, sondern vor einem heftigen Regenschauer. Der ist zum Glück nicht von langer Dauer, und so steige ich trocken hinunter zu den Parkplätzen. Dort weiche ich von der blauen Markierung ab, überquere die Straße und biege links an einer Schranke für Autos vorbei in einen breiten Weg ein, der neben dem Härdbaach entlangführt. Es geht immer geraudeaus bis zu einem kleinen Rastplatz, wo ich einem Wegweiser nach rechts zur Felsformation Kohlscheuer folge.

Hier steht der abenteuerlichste Teil der Tour bevor: Der Pfad führt nicht mehr nur an den Felsen entlang, sondern in den Stein hinein. An einem blauen, auf den Stein gemalten Schild „Entrée“ nehme ich den Rucksack ab, ziehe den Bauch ein und schiebe mich in einen engen Höhlengang. Dunkelheit umfängt mich, ich höre kein Geräusch mehr, spüre nur noch den rutschigen Felsboden unter mir und die nassen Wände an meinen Seiten. Zum Glück habe ich eine Taschenlampe dabei, und so kann ich mich durch den Gang zwängen, um eine Ecke herum und dann eine steile steinerne Treppe hinauf wieder ans Tageslicht.

Nachdem ich die Kohlscheuer durchquert habe, setze ich den Rucksack wieder auf, nur um ihn wenige Meter später erneut abzunehmen: Die nächste Felsformation namens Deiwepetz lockt mich mit einem ebenso engen und dunklen Gang, und auch am Rittergang einige Minuten später muss der Wanderer durch einen schmalen Felsspalt. Bald darauf geht es aber wieder den Hang hinab, zurück auf den breiten Weg am Bach und bald auch wieder zum Parkplatz.

Dort nehme ich die blaue Dreiecksmarkierung wieder auf, es geht gegenüber in den Wald hinein. Meine Füße folgen dem wurzeligen Pfad, hinab in ein kleines Tal und nach der riesigen gerillten Felsformation Goldkaul wieder den Hang hinauf. Schon bald bekomme ich noch einmal Gelegenheit, die Taschenlampe auszupacken: Das blaue Dreieck weißt mich an der Formation Goldfralee in einen dunklen Felsspalt, durch den ich hinauf zu einem kleinen Aussichtspunkt steigen kann. Zwar sehe ich nur Bäume und Blätter, aber das macht nichts. Denn wenig später gelange ich an den Felsen Eilebuerg, wo sich ebenfalls die Gelegenheit für eine Aussicht bietet, diesmal auch auf blauen Himmel und grüne Felder.

Langsam beginne ich, müde zu werden – zum richtigen Zeitpunkt, ich bin meinem Ziel nicht mehr fern. Bevor ich aber zurück zu den Heringer Millen komme, hält die Natur noch eine spektakuläre Sehenswürdigkeit für mich bereit: den Schiessentümpel. An dieser Stelle stürzt sich der Fluss Schwarze Enz in drei Wasserstrahlen in einen kleinen Teich. Bewundert werden kann dieses Spektakel von einer Sandsteinbrücke aus, die bereits 1879 erbaut wurde.

Ich verweile einige Zeit am Ufer der Schwarzen Enz, dann drängt mich aber ferner Donner zum Weitergehen. Raschen Schrittes geht es hinter der Brücke rechts den Hang hinauf, an einem Schutzpavillon vorbei und wieder hinunter ins Tal, die Gebäude der Heringer Millen sind schon durch die Bäume zu erkennen.

Dann holt das Gewitter mich ein, und schwerer Regen prasselt auf mich hinunter. Die letzten hundert Meter lege ich rennend zurück – ein nasser Abschluss für einen abenteuerlichen Tag auf dem Felsenweg im Mullerthal.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Auf dem Felsenweg durchs Mullerthal