1. Saarland

Empfehlung: Gute Kinderbücher für SZ-Leser ausgewählt

Kinderbuch-Tipps : Schmöker-Stoff für Lümmel-Tage in den Weihnachtsferien

Schmökern kann man natürlich das ganze Jahr über. Aber am gemütlichsten ist es doch, wenn es draußen ungemütlich ist. Ein Tässchen Tee oder Kakao – und ab aufs Sofa oder in den Sessel und Buch vor die Nase. Wir haben ein paar feine Bücher für junge Leserinnen und Leser für Sie ausgewählt.

Gibt es etwas Schöneres als bei winterlichem Schmuddelwetter in  den Schulferien auf dem Sofa zu lümmeln und in Fantasiewelten abzutauchen? Wir stellen Bücher vor, die wunderbare Begleiter für solche Lümmel-Tage sind.

Roadtrip mit Wasserpflanze: Was soll man sagen, wenn man sich einen Hund gewünscht hat und statt dessen eine Wasserpflanze im Beutel geschenkt bekommt? Und auch noch von „dem Mann“, dem Neuen nämlich von Mama? Gustav jedenfalls sagt nix. Er hat nämlich  geschworen, dass er nicht mehr redet, wenn Mama mit „dem Mann“ an die Ostsee fährt. Gut, dass Opa im Altersheim auch ganz gut schweigen kann. Vor allem, wenn es um die Frage geht, wer eigentlich Gustavs Vater ist. Aber noch besser, dass Gustav das Mädchen Charles trifft. Die redet nicht nur für zwei, die hat auch das Abenteuer im Blut. Und ehe er sich’s versieht, sitzt Gustav mitsamt Charles, seinem Opa und der Wasserpflanze Agatha in einem alten Bus und macht sich auf die Suche nach seinem Vater. „Das Universum ist verdammt groß und super mystisch“ von Lisa Krusche ist ein rundum schönes Schmöker-Buch. Beltz & Gelberg, ab zehn Jahre, 13 Euro.

Opa in der Plastiktüte: Wenn man nur wüsste, wo dieser wunderbare Ort names Kolomoro liegt. Dahin nämlich will Jennifer unbedingt. Sie hat nämlich ihrem toten Opa versprochen, dass sie seine Asche dort im Schrebergarten vergraben wird. Also macht sich eine bunt  zusammengewürfelte Kinderschar auf die  Suche quer durch die große  Stadt – mit Opas Asche in einer Plastiktüte. Dabei müssen sie manches Abenteuer bestehen, und ein paar Wunder mit magischen Ratten gibt es auch. Julia Blesken ist mit „Mission Kolomoro oder: Opa in der Plastiktüte“ ein unterhaltsamer Roman mit zeitgemäßen, liebenswerten Charakteren geglückt. Oetinger Verlag, ab neun Jahre, 15 Euro.

Diese Buch ergreift das Herz. Wenn der neunjährige Eli etwas richtig gut kann, dann ist das rennen. Er hat es geübt, um notfalls einem der Vampire entkommen zu können, von denen sein älterer Bruder immer gern erzählt. Als er Luli kennenlernt, die genau so gut rennt wie er, werden sie unzertrennlich. Eli schenkt der hungrigen Luli seine Pausenbrote, Luli wacht an seiner Seite, als er schwer krank wird. Alles könnte gut sein, herzerwärmend gut. Aber leider spielt die Geschichte in den 1940er-Jahren in Rumänien. Da tragen die Vampire deutsche Uniform, und man kann als kleiner jüdischer Junge auch nicht vor ihnen davonlaufen. Ganz leise schleicht sich das Grauen in Rose & Rebecca Lagercrantz’ berührend schönes Kinderbuch „Zwei von jedem“. Und doch gibt ein kostbar tröstliches Happy End. Man wünschte, jedes Kind, jeder Mensch auf dieser Welt würde „Zwei von jedem“ lesen. Antisemit kann man nicht mehr sein, wenn man Eli und Luli kennengelernt  hat. Moritz Verlag, ab 9 Jahre, 14 Euro.

Böse neue Freunde? Mika ist neu in der Klasse. Und er ist fasziniert von Tony und Jack, einem scheinbar unzertrennlichen Freundespaar. Aber die beiden umgibt ein Geheimnis, und als sie Mika zum Mitkommen einladen, beschleicht einen als Leser kein gutes Gefühl. Sie fordern seltsame Mutproben, und als sie dann nachts in eine leer stehende Fabrik einsteigen wollen, würde man Mika am liebsten zurufen: Lass es! Aber natürlich lässt er es nicht, und es geht was schief. Was am Ende ein Glück ist für alle Beteiligten. „Mika, Tony und Jack“ von Sigrid Zeewaert ist eine wendungsreiche Geschichte, ein bisschen dunkel und voller psychologischer Fallstricke. Man mag nicht aufhören zu lesen. Tulipan Verlag, ab elf Jahre, 14 Euro.

Lesen für Muffel. Der oder die liest nur Comics, sagen manche Leute und meinen damit, dass das Kind halt nicht liest. Was natürlich Quatsch ist, denn auch Comiclesen ist Lesen. Und wenn diese Comics dazu so gekonnt gemalt und getextet sind wie „Die Wächter vom Tal“ von Zapf, dann werden Lesen und Kunstverstand zugleich gefördert. Im neuesten Abenteuer „Die Insel der Bienenfresser“ wird die Saga vom Kampf gegen die fiesen Echsen spannend weitererzählt. Man sollte aber zuvor Band eins gelesen  haben. Oetinger Verlag, ab sechs Jahre, 10 Euro.

Unser allerliebstes Urmel. Max Kruse, der Schöpfer des unvergessenen „Urmel aus dem Eis“, wäre im November 100 Jahre alt geworden. Zum Jubiläum spendiert der Thienemann-Verlag der wunderbaren Original-Geschichte viele, viele neue Illustrationen von Günther Jakobs. Das Schönste aber ist natürlich die unsterbliche Geschichte selbst, die sprachverrückten, fantasievollen Abenteuer von Urmel, Wutz, Ping Pinguin, Wawa, Seele-Fant und den anderen. Und das Allerschönste: Sie ist für jede Kindergeneration neu. Thienemann Verlag, ab acht Jahre, 15  Euro.

Alles irgendwie verrückt. Manchmal sind Bücher tatsächlich innen genau so, wie es das Cover verspricht. Bei „Malamander - Die Geheimnisse von Eerie-On-Sea“ sieht man auf dem von George Ermos illustrierten Einband ein Haus, das krumm und schief und geheimnisvoll aussieht. Auf dem Dach balancieren ein Mädchen und ein Junge mit Pagenmütze, während unten am Fenster jemand mit einem Gewehr lauert. Genauso verrückt ist auch die Geschichte. Da gibt es einen magischen Buchladen, ein ausgesprochen seltsames Hotel, ein geheimnisvolles Seeungeheuer und einen Haufen zwielichtiger Gestalten. Und dann gibt es Herbie Lemon und das Mädchen Violet, das eines Tages durchs Kellerfenster reinkommt und Herbies Welt auf den Kopf stellt. Gerade hat Autor Thomas Taylor Band zwei veröffentlicht. Ein Glück. Hanser Verlag, ab zehn Jahre, 17 Euro.

 Genau so verrückt wie das Buch-Cover ist auch der Inhalt: Malamander von Thomas Taylor.
Genau so verrückt wie das Buch-Cover ist auch der Inhalt: Malamander von Thomas Taylor. Foto: Hanser Verlag

 Die Enkel von Emils Detektiven. Wenn Erich Kästners Kinderbuchfiguren heute zwischen Buchdeckeln unterwegs wären, sie würden sich womöglich genau so einen Fall suchen, wie ihn Antje Herden hier erzählt. Eines Tages nämlich ist Teetee, die alte Frau mit der geheimnisvollen Tasche, verschwunden. Dass Teetee einfach weggegangen sein soll, glauben die Kinder – ander als die Erwachsenen – keine Sekunde. Und so rufen sie die  „Parole Teetee“ aus und machen sich auf die Suche. Dabei decken sie auch noch in schönster Emil-und-die-Detektive-Tradition eine kleine, unschöne Immobilien-Schweinerei auf. Ein richtig guter Kinderroman. Tulipan Verlag, ab neun Jahre, 13 Euro.