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Dekane fürchten um den Ruf der HTW

Dekane fürchten um den Ruf der HTW

Saarbrücken. "Es gibt bestimmte Formen der Auseinandersetzung, die sind nicht in Ordnung", ärgert sich Professor Dieter Filsinger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Saarbrücken

Saarbrücken. "Es gibt bestimmte Formen der Auseinandersetzung, die sind nicht in Ordnung", ärgert sich Professor Dieter Filsinger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Saarbrücken. Der Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaften meint damit die Vorgänge um die Wahl des neuen Rektors im April und die seit Juni andauernden Querelen um die Frage, welcher der legitime Asta an der HTW ist. Bilanz bisher: ein mehrstündiger Polizeieinsatz an der HTW, Anzeigen, Dienstaufsichtsbeschwerden und eine ermittelnde Staatsanwaltschaft (wir berichteten)."Ich habe das sehr lange beobachtet, aber bisher nicht für kommentierungswürdig angesehen", erklärt der Soziologe. Doch mittlerweile habe die Auseinandersetzung an Schärfe zu- und an Sachlichkeit abgenommen. Rektor- und Asta-Wahl seien sicher Themen, bei denen man verschiedener Meinung sein könne und die an der Hochschule diskutiert gehörten, doch in den Auseinandersetzungen seien vor allem persönliche Motive und Interessen erkennbar.

Deshalb verfasste Filsinger, zusammen mit allen anderen Dekanen und den Prorektoren der HTW, einen Brief an alle Professoren, Studenten und Mitarbeiter der Hochschule. Darin monieren sie die "kampagnenförmigen persönlichen Angriffe insbesondere auf den Rektor" durch das Bündnis für Demokratie und Transparenz, der studentischen Gruppe, die mit ihren Aktionen für Aufregung gesorgt hatte.

Professor Hans-Joachim Weber, Dekan der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät und Mitunterzeichner des Briefes, sieht den Ausgangspunkt des Konflikts im Jahr 2006. Zum Zeitpunkt der Wiederwahl von Professor Wolfgang Cornetz als HTW-Rektor sei zwischen dem Rektor und dem damaligen Asta ein Streit um die Einführung der Studiengebühren entbrannt. Der damalige Asta-Vorsitzender Bernd Eichenseer ist heute einer der Köpfe des Bündnisses für Demokratie und Transparenz. "Da entstand eine Antipathie." Um Transparenz und Demokratie gehe es in der Auseinandersetzung mittlerweile nur noch am Rande, meint Weber. Ärgerlich sei vor allem, dass eine so kleine Gruppe für derartigen Aufruhr sorge: "Die Kerngruppe besteht aus fünf Leuten plus etwa fünf Mitläufern, aber die sind sehr aktiv", erklärt der Ingenieurwissenschaftler. Die von dieser kleinen Gruppe entfachte Auseinandersetzung bringe den guten Ruf der HTW in Gefahr: "Auch wenn sich alle Vorwürfe als gegenstandslos erweisen, es bleibt immer etwas hängen", fürchtet Weber. Angehende Studenten und deren Eltern würden die Wahl der Hochschule oft von solchen subjektiven Einschätzungen abhängig machen. Schon jetzt sei zu bemerken, dass die studentische Gruppe die HTW in kein gutes Licht rücke: "Es nervt, dauernd gefragt zu werden 'Was ist denn da bei euch los?'", ärgert sich Filsinger.

Dass eine kleine Gruppe für so viel Aufregung an einer Hochschule sorgen kann, liege vielleicht auch am fehlenden Engagement der Mehrheit der Studenten, denkt Hans-Joachim Weber. Durch die Umstellung auf die Bachelor- und Master-Studiengänge fehle den Studenten heute die Zeit, sich außerhalb ihrer Vorlesungen mit anderen Fragen zu beschäftigen: "Wenn die Entscheidung heißt 'schnell studieren oder ein, zwei Semester dranhängen und sich engagieren', verliert das Engagement bei den meisten an Bedeutung." Das sei auch nicht verwerflich, doch wenigstens zur Wahl des HTW-Studentenparlaments sollten alle gehen: "Die Studenten sollten sich überlegen, was für ein Klima sie an der HTW wollen, und dann die richtigen Vertreter wählen. Denn wer nicht wählt, wählt die Falschen." "Es nervt, dauernd gefragt zu werden 'Was ist denn da

bei euch los?'"

Professor Dieter Filsinger