1. Saarland
  2. Hochschule

Informatiker der Saar-Uni entwickeln ein Gerät, das Hacker aus dem Heimnetzwerk wirft.

Wachmann fürs WLAN : Digitaler Wachhund schützt das Heimnetzwerk

Vier Absolventen der Saar-Uni entwickeln in ihrer neugegründeten Firma ein Gerät, das Hackerangriffe aus dem Internet abwehrt.

Der IT-Verband Bitkom ist wie immer sehr optimistisch. Die Hälfte der Deutschen träume vom vernetzten Zuhause, meldete das Sprachrohr der Branche im vergangenen Jahr. Die tatsächliche Zahl sogenannter Smart-Home-Anwendungen ist mit gut einem Drittel zwar deutlich geringer, aber sie wächst. Klara Weise und ihre Kollegen vom saarländischen Start-Up Bitahoy sehen in diesem Trend ihre große Chance. Die Informatik-Absolventen der Saar-Uni haben ein Gerät entwickelt, welches Heimnetzwerke vor digitalen Eindringlingen schützen soll. Es wirkt wie ein digitaler Wachhund fürs Heimnetzwerk. Sie nennen es Watchdog.

Das Angebot an Geräten, die mit dem Internet verbunden sind, wächst ständig. Neben sogenannten intelligenten Lautsprechern und dem Smart-TV, Geräten zur Energiesteuerung von Heizungs- und Elektro-Anlagen, Saugrobotern und Rasenmähern gibt es inzwischen sogar Kühlschränke mit Internet-Anschluss. Der merkt, wenn zum Beispiel die Milch zur Neige geht, meldet das dem Nutzer per Smartphone und bestellt auf Wunsch automatisch nach, sagt die Managerin des Nachwuchs-Unternehmens.

Doch wie immer im Internet führt ein Mehr an Bequemlichkeit zu einem höheren Risiko. „Täglich finden Hackerangriffe statt, die nicht in die Nachrichten kommen“, berichtet die Gründerin. So gebe es zum Beispiel preiswerte Kamera-Modelle fürs Babybett, auf die man auch ohne spezielle Hackerkenntnisse Zugriff erhalten könne. Oder Kriminelle versuchten Zahlungsdaten zu stehlen, die eigentlich für die Milch-Nachbestellung des intelligenten Kühlschranks gedacht waren.

Das soll der Watchdog verhindern. Er sorge dafür, dass Smart-Home-Geräte sicherer werden. Der Minirechner wird an den Router angeschlossen und scannt die Geräte, die sich im heimischen Netzwerk befinden. „Über eine App kann der Nutzer diese Daten einsehen“, erklärt Weise. Der Watchdog überwache fortan das Netzwerk und die Kommunikation aller sich darin befindlichen Geräte. Verhalte sich eines auffällig, alarmiere der digitale Wachhund seinen Besitzer und versuche einen digitalen Angriff automatisch abzuwehren.

Die Software nutze bei ihrer Arbeit Algorithmen des Maschinellen Lernens. Miterfinder Roman Tabachnikov: „Jede Form der Kommunikation im Internet weist charakteristische Muster auf. Diese können wir mit unserem Programm erkennen und unmittelbar auswerten.“

Die Idee zum Watchdog kam Tabachnikov und den beiden weiteren Absolventen des Masterstudiengangs „Entrepreneurial Cybersecurity“ Alexander Fink und Marius Bleif während ihrer Studienzeit an der Saar-Universität. Der verbindet seit dem Jahr 2018 ein viersemestriges Studium der IT-Sicherheit mit einer Firmengründung. Die Saar-Universität kooperiert hier mit dem Saarbrücker Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit Cispa.

Die drei entwickelten einen ersten Entwurf und erstellten einen Geschäftsplan. Nach ihrem Abschluss im Sommer 2020 ging aus ihrem Projekt das Start-Up Bitahoy hervor. Das Bundesministerium für Forschung und Bildung fördert die Entwicklung von Bitahoy zu einem marktfertigen Produkt.

Momentan entwerfen die Macher das Gehäuse ihres Geräts. Das soll relativ schlicht ausfallen. Eine kleine Box, nicht größer als der Durchmesser eines Fußballs. Der Watchdog soll von jedermann direkt an einen Router angeschlossen werden können, erklärt Weise und ergänzt: „Ein ansprechendes Design ist uns wichtig. Wahrscheinlich werden wir es trotzdem minimalistisch halten. Das ist nicht nur zeitgemäß, sondern lenkt auch nicht zu sehr von der Software ab, dem Herzstück unserer Idee.“

Im Mai soll der Watchdog in eine Testphase starten. Dafür sucht das Team 200 Teilnehmer, die in ihrem Haushalt über Smart-Home-Geräte verfügen. Die Interessenten erhalten kostenlos und unverbindlich eine Vorab-Version. Mit den so gewonnenen Daten wollen die Forscher dann weiter an ihrem Projekt arbeiten.

Sein Zuhause hat der Watchdog übrigens in St. Ingbert. Im Beckerturm, dem Wahrzeichen der Stadt, haben die jungen Unternehmer ihr Labor eingerichtet. In einem nur zwölf Quadratmeter großen Raum stehen in Regalen 100 Smart-Home-Geräte, die eigens dafür angeschafft wurden und rund um die Uhr in Betrieb sind. Vom Thermometer über eine intelligente Glühbirne bis zur intelligenten Matratze ist alles dabei. Hier lernt der Watchdog das Normalverhalten der vernetzten Geräte kennen. Zudem simuliert das Team Angriffe. Viele Computer sucht man hier aber vergeblich. Alles laufe coronakonform übers Homeoffice, erklärt Weise.

Nach Abschluss der Entwicklung des Prototyps und einer Testphase soll der Watchdog zum marktreifen Produkt weiterentwickelt werden. Um den finanziellen Aufwand zu stemmen, suchen die Jung-Unternehmer derzeit Investoren. Im Lauf des Jahres 2022 soll der Watchdog dann in den Handel kommen. Die Jungunternehmer gehen davon aus, dass die Hardware zwischen 100 und 200 Euro kosten wird. „Wir wollen kein Produkt für eine spezielle Zielgruppe, sondern eines für jeden, der sich im Smarthome bewegt“, betonen sie. Der Watchdog solle für alle Smart-Home-Geräte geeignet sein und für seine Nutzer einen Rundumschutz bieten, sagen die Erfinder.

Zudem plane man Zusatzfunktionen wie beispielsweise einen Werbe-Blocker für das Smart-TV. Der Blocker soll unter anderem personalisierte Werbung verhindern und ermöglichen, dass der Zuschauer beim Fernsehen anonym bleibt.

Wer Smart-Home-Geräte besitzt und an dem Watchdog-Sicherheitstest teilnehmen möchte, kann sich dafür online unter bitahoy.com/de/test anmelden.