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Jobs für Geisteswissenschaftler: Wie man im Studium einen Beruf findet

SZ-Serie „Was wird man denn damit?“ : Was Comic-Künstler Jonathan Kunz Jungtalenten rät

Wohl alle, die sich für einen geisteswissenschaftlichen oder künstlerischen Studiengang entschieden haben oder daran interessiert sind, haben sie schon gehört: Die leidige Frage „Und was macht man damit?”. Aber Achtung, Überraschung: Es gibt sie, die Menschen, die mit einem Abschluss in Germanistik oder Produktdesign etwas anderes geworden sind als Taxifahrer. Hier erzählen sie von ihren Lebenswegen und geben wertvolle Tipps. Heute: Comic-Künstler Jonathan Kunz.

Was haben Sie studiert und warum haben Sie sich ausgerechnet für diesen Weg entschieden?

Jonathan Kunz Das war keine lineare Entscheidung. Ich habe Media Art & Design an der Hochschule der Bildenden Künste Saar studiert. Eigentlich wollte ich aber so schnell wie möglich an eine Filmhochschule wechseln. Es hat sich dann aber doch zum Comic hin entwickelt. Einfach auch, weil ich an der HBK Menschen kennengelernt habe, die genauso Lust am Geschichten erzählen hatten wie ich und ich auch gemerkt habe, dass einen Film zu machen viel länger dauert als meine Aufmerksamkeitsspanne es zulässt. So habe ich mich während des Studiums immer mehr in Richtung Kommunikationsdesign entwickelt.

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Studienwahl reagiert? Haben Sie schon einmal die Frage gehört „Und was macht man damit?“?

Kunz Am Anfang hat sich meine Familie noch schwer damit getan und mich aber trotzdem finanziell unterstützt. Dafür bin ich super dankbar, ohne hätte es nicht geklappt. Im Laufe des Studiums haben sie dann immer mehr gemerkt, wie sehr ich dafür brenne und dass man damit vielleicht doch durchkommen kann. Seitdem ist das eine ganz andere Sache. Doofe Sprüche, wie etwa den Klassiker „Und was macht man damit, Taxifahrer?“ musste ich mir schon immer anhören. Vor allem wenn es von Freunden kommt, tut das schon weh. Heute stehe ich da drüber. Und es ist ja auch so: Wenn man sein Studium an einer Kunsthochschule beginnt, weiß man oft selbst nicht, was man damit machen will. Woher sollen es andere dann wissen?

Sie wussten zu Beginn des Studiums also auch nicht, was Sie später machen wollten?

Kunz Wie schon gesagt, das erarbeitet man sich während des Studiums und deswegen ist es total logisch, dass andere das nicht wissen. Es können nicht alle Experten in allem sein. Ich würde mir nur wünschen, dass Menschen sich vielleicht etwas aufgeschlossener zeigen.

Nun zur Kernfrage: Was machen Sie konkret mit Ihrem Studienabschluss?

Kunz Ich arbeite als Dozent und gebe Workshops. Comics haben an der HBK einen gewissen Stellenwert bekommen und haben bewiesen, dass daraus eine sehr vitale Szene erwachsen kann. Als ich mit dem Studium fertig war, wurde ich gefragt, ob ich das an der HBK nicht weiter verstetigen möchte. Das war erst einmal nur ein Lehrauftrag und ist dann bis zu einem Master-Schwerpunkt gewachsen. Das hat sich alles ganz organisch entwickelt, man konnte das überhaupt nicht planen. Das andere große Standbein ist "War and Peas", mein gemeinsames Webcomic-Projekt mit Elizabeth Pich. Das gibt es mittlerweile seit zehn Jahren, wir haben während des Studiums damit angefangen. Wir gewinnen immer mehr Follower und finden immer mehr Möglichkeiten, damit Geld zu verdienen. Etwa durch Partnerschaften oder unseren Online-Shop. Jetzt geht es in Richtung zweites Buch. Es gibt da also viele Möglichkeiten, wie man noch weiter wachsen kann. Ich habe auch einfach sehr viel Glück gehabt, dass Elizabeth und ich so gut zusammen arbeiten können und uns so unfassbar gut ergänzen.

Was würden Sie Menschen raten, die sich für einen künstlerischen Studiengang interessieren?

Kunz Manchmal zerbrechen Träume, wenn ich den Studierenden sage, dass es verdammt schwierig ist, damit Geld zu verdienen. Die meisten kommen aber dennoch wieder und bringen dann doppelt so gute Arbeiten mit. Da sieht man dann, wo Leidenschaft aufhört und Hartnäckigkeit beginnt. Talent gibt es zuhauf auf der Welt. Aber wenn du Talent und Hartnäckigkeit hast, dann kannst du es schaffen. Es ist zwar kein Selbstläufer, aber gerade auch im Bereich Comic und Graphic Novel bieten sich doch einige Einkommensmöglichkeiten, wenn man dran bleibt. Dennoch rate ich allen, sich für den Anfang eine Stelle zu suchen, die ihnen den Rücken frei hält. Im Idealfall hat man schon während dem Studium einen Nebenjob. Das ist natürlich eine Doppelbelastung. Aber genauso wird es auch in Zukunft sein, vor allem am Anfang. Für uns ist "War and Peas" natürlich auch unsere Einnahmequelle und dass wir mittlerweile so gut mit dem Druck leben können, immer abliefern zu müssen, hat natürlich auch damit zu tun, dass wir das schon seit zehn Jahren machen. Was ich auch auf jeden Fall raten würde, ist Banden zu bilden. Es ist super wichtig, sich ein Netzwerk zu bilden und im Saarland auch noch einfach dazu. Hier haben wir eigentlich ein ganz gutes Umfeld, um sich selbstständig zu machen und ein Profil aufzubauen als Künstler*in.