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Jobs für Geisteswissenschaftler: Wie man im Studium einen Beruf findet

SZ-Serie „Was wird man denn damit?“ : Mirka Borchardt rät Geisteswissenschaftlern: Baut euch ein eigenes Profil

Wohl alle, die sich für einen geisteswissenschaftlichen oder künstlerischen Studiengang entschieden haben oder daran interessiert sind, haben sie schon gehört: Die ewig leidige, bohrende Frage „Und was macht man damit?”. Aber, Achtung, Überraschung: Es gibt sie, die Menschen, die mit einem Abschluss in Germanistik oder Produktdesign, etwas anderes geworden sind als Taxifahrer. Hier erzählen sie von ihren Lebenswegen und geben wertvolle Tipps. Heute: Mirka Borchardt.

Frau Borchardt, was haben Sie studiert und warum haben Sie sich ausgerechnet für diesen Weg entschieden?

BORCHARDT Zunächst einmal war mir alles irgendwie zu spezifisch, weil ich mich nicht entscheiden konnte, was ich eigentlich genau will. Und dann bin ich bei einem dieser Studienverzeichnisse auf Historisch orientierte Kulturwissenschaften (HoK) in Saarbrücken gestoßen und dachte ,Ach das ist ja prima, das vereint ja ganz viele meiner Interessen'. Das habe ich dann studiert, weil es eben so breit gefächert ist. Man hat eine Auswahl von 20 Studienfächern und kann sich daraus vier Fächer wählen. Außerdem fand ich sehr spannend, dass es Praxiskurse zu verschiedenen Themen gab. Zu Kulturmanagement, Journalismus oder Museumsarbeit.

Wie hat Ihr Umfeld auf die Studienwahl reagiert? Haben Sie schon einmal die Frage gehört „Und was macht man damit?“?

BORCHARDT Meine Freunde und Familie waren da sehr offen und haben mich gelassen sozusagen. Aber natürlich kam häufig die Frage ,Und was macht man damit?'. Am Anfang habe ich immer versucht zu erklären, was man damit alles so machen kann. Aber gerade weil man so viel damit machen kann, können sich viele, glaube ich, darunter nichts vorstellen. Meine KommilitonInnen haben tatsächlich auch sehr unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen. Eine Freundin von mir etwa ist bei einer Hilfsorganisation, andere sind bei Medienunternehmen, wieder andere sind wie ich im Theater gelandet. Soweit ich weiß, kommen viele aus dem HoK-Studiengang ganz gut unter. Irgendwann habe ich auf diese Frage aber selbst mit ,Taxifahren' geantwortet und bin in die Offensive gegangen statt mich zu verteidigen.

Sie wussten zu Beginn Ihres Studiums aber auch selbst nicht unbedingt, was Sie später einmal machen wollen?

BORCHARDT Ne, eben nicht. Ich hatte in Richtung Journalismus gedacht, habe da auch viele Praktika gemacht und dann auch freie Mitarbeit. Aber ich wollte mich da nicht so festlegen. Mittlerweile gib es ja auch eine Fülle an verschiedenen Berufsfeldern, die man kaum noch überblicken kann. Bei HoK hatte man die Freiheit, sich wirklich zu überlegen, was man machen will. Zudem hatte man, dank des nicht so ganz engen Stundenplans, die Freiheit, auch neben dem Studium sehr viel praktische Erfahrung zu sammeln.

Nun zur Kernfrage: Was machen Sie ganz im Speziellen mit Ihrem Studienabschluss?

BORCHARDT Ich bin sowohl freischaffende Dramaturgin und Produktionsleiterin in der freien darstellenden Szene als auch festangestellt im Theater Überzwerg in der Theaterpädagogik und bin auch verantwortlich für die Onlinekommunikation. Tatsächlich war es ein Kurs im Studium, der mich überhaupt zu diesem Berufsfeld gebracht hat. Die ehemalige Chefdramaturgin des Saarländischen Staatstheaters bot einen Kurs mit dem Titel ,Dramaturgie und Theater' an. Erst in diesem Kurs habe ich eine konkrete Vorstellung davon bekommen, was ein Dramaturg macht und dachte dann: ,Das ist mein Berufsfeld'. Das verbindet Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit inhaltlicher sowie Hintergrund- und Recherchearbeit. Statt noch einmal zu studieren habe ich den praktischen Weg eingeschlagen. Von einer Hospitanz beim Staatstheater, über Regieassistenzen wie hier im Überzwerg bis hin zu freien Produktionen, die ich mir selbst überlegt und auch geleitet habe. Und ich glaube, dass gerade das, was mir bei HoK vermittelt wurde – Wie schreibe ich Texte?, Woher bekomme ich meine Informationen?, Wie verknüpfe ich unterschiedliche Disziplinen? – mich dahin gebracht hat, wo ich jetzt bin.

Was würden Sie Menschen raten, die sich für einen geisteswissenschaftlichen Studiengang wie etwa HoK interessieren?

BORCHARDT Ich glaube die Krux bei diesen Studiengängen ist, dass man sich über die praktische Erfahrung, die man so sammelt, profiliert. Die große Freiheit und auch Herausforderung ist, sich durch Praktika, Hospitanzen und freie Mitarbeit bei verschiedenen Institutionen ein eigenes Profil zu bauen. Man sollte sich auch initiativ auf Stellen bewerben, die einen interessieren. Man hat dadurch keinen 0815-Lebenslauf, sondern wirklich etwas, womit man zeigen kann, was man kann, wo die Interessen liegen und so weiter.