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Uni Saarland: Hochschul Sport wegen Corona als Video Live-Stream

Hochschulsport an der Saar-Uni : Akkurates Sporteln für den Livestream

Auf dem Campus der Saar-Uni musste sich fast alles den Umständen der Pandemie anpassen. Auch der Hochschulsport. Den gibt’s jetzt als Videostream.

Rolf Schlicher deutet in den spärlich beleuchteten Raum, die Laufräder stehen still, Absperrband umschließt einige Sportgeräte: „Der See ruht.“ Sonst pulsiere hier im Uni-Fit, dem Fitnesszentrum der Saar-Uni, das Herz des Campus, meint der Leiter des Hochschulsports. Hunderte, die ein- und ausgehen, sich hinter die Geräte klemmen, Gewichte stemmen, Pedale bewegen, schwitzen, nach Luft schnappen, ausruhen, quatschen, einfach gemeinsam Sport machen. Es muss nicht das Fitnessstudio sein: „Nennen sie eine Sportart, die wir beim Hochschulsport nicht anbieten“, sagt Schlicher und beginnt aufzuzählen: „Von Quidditch, Yoga, Schwimmen, Fechten, Tanzen über Pilates, Wandern, Mountainbiken bis hin zu Tanzkursen. Kann man alles machen. 700 Kurse stehen zur Auswahl.“ Wenn nicht gerade Pandemie ist, dann sporteln 5000 Menschen jede Woche im Uni-Hochschulsport. Jetzt aber ruht der See. Beinahe.

Im weitläufigen Nebenraum liegt eine grüne Bodenturnmatte, darauf ein Handtuch und auf dem – ja, ein Mensch, der Sport macht. Kraftvolle Bewegungen halten das Gymnastikband in Spannung, während der Mann Anweisungen ins Mikrofon spricht. „Jörg gibt seinen Kurs zur Funktionsgymnastik“, sagt Schlicher. Von Kursteilnehmern im Raum aber keine Spur. „Sehen Sie, da oben rechts, das ist unsere neue Kamera. Wenn man nicht genau hinschaut, sieht es fast so aus, als wäre sie schon immer da gewesen“, sagt Schlicher und schmunzelt. Die Pandemie hat den Hochschulsport ins Internet gezwungen – als Videostream.

Schweißperlen sucht man vergebens auf Jörg Schmiedels Stirn. Eine Stunde Online-Kurs später reicht ein kurzer Wisch mit dem Handtuch und jede Andeutung des Schwitzens ist aus dem Gesicht des 53-Jährigen Kursleiters getilgt. „Natürlich war das eine Umstellung“, sagt Schmiedel. „Anfangs hatten wir hier ein kleines Filmstudio eingerichtet – mit Kamera, Stativ und PC. Wenn sie einen Sportkurs online geben, muss man auf Details achten, die sonst keine Rolle beim Sport spielen. Zum Beispiel, wo ich als Kursleiter stehe, damit der Lichteinfall für die Videoaufzeichnung passt“, erklärt Schmiedel, der auch das Uni-Fit leitet. Seine Anweisungen für die Kursteilnehmer mussten ebenfalls angepasst werden: Alles muss übers Mikro erklärt werden, deutlich, leicht verständlich. „Und ich muss als Kursleiter jetzt alle Übungen für den Livestream selbst vormachen. Da geht einem manchmal ganz schön die Pumpe“, sagt Schmiedel und grinst.

 Hochschulsport an der Universität des Saarlandes: Jörg Schmiedel ist Leiter des Uni-Fit. Er bietet Online-Kurse an.
Hochschulsport an der Universität des Saarlandes: Jörg Schmiedel ist Leiter des Uni-Fit. Er bietet Online-Kurse an. Foto: Iris Maria Maurer

„Die größte Umstellung war aber die Tatsache, dass keine Schüler anwesend sind. Ich bin jemand, der auf seine Mitmenschen reagiert. Online, das war nicht meine Welt“, sagt Schmiedel. An seine ersten Online-Hochschulsportkurse ab April 2020 erinnert er sich mit gemischten Gefühlen: „Ich war verunsichert und dadurch verkrampft vor der Kamera; war nicht ich selbst. Und das habe ich auch gespürt.“

Je mehr Kurse er gibt, desto mehr merkt Schmiedel, dass er auch vor der Kamera er selbst sein kann: „Es ist ganz normal, dass auch dem Kursleiter eine Übung mal nicht gelingt. Oder dass man
niesen muss.“

 Rolf Schlicher
Rolf Schlicher Foto: Iris Maria Maurer

Nicht nur Schmiedel als Kursleiter muss sich an die neue Situation gewöhnen. „Auch die Technik für die Online-Sportkurse musste eingerichtet werden“, erklärt Schlicher. So wird im Uni-Fit eine Kamera samt Video-Beamer und Medienstation eingerichtet. Derweil wird das Kursangebot des Hochschulsports stark eingedampft, von 700 Sportkursen auf 30 digitale. Angeboten werden die als Livestream und auf Abruf. „Unser Digitalangebot ist eine Sportflatrate“, sagt Schlicher. Uni-Externe zahlen einmalig 49 Euro und können auf alle digitalen Sportkurse eines Semesters zugreifen – Studenten zahlen für die Nutzung nichts zusätzlich. „Natürlich gibt es auch kostenlose Sportangebote auf Videoplattformen im Internet. Unser Angebot ist aber absolut werbefrei und wir halten uns an strenge Datenschutzvorschriften“, erklärt Schlicher.

Trotzdem: „Wir alle sehnen uns zurück in die Normalität“, sagt der 59-Jährige. „Das ist nicht das normale Campus-Leben wie ich es seit 25 Jahren kenne“, meint Schlicher. Er vermisst das Lärmen auf dem Sportplatz nahe seines Büros, die Gespräche mit Studenten und Mitarbeitern. „Vor allem für die Studenten, gerade auch die internationalen, ist der Sport eine Kommunikationsplattform, die ihnen jetzt fehlt.“ Auch Kursleiter Schmiedel sorgt sich: „Die Generation, die jetzt mit dem Studium begonnen hat, hat das Campus-Leben bisher nicht erleben können.“

Doch es sei jetzt nicht die Zeit zu resignieren. „Die Rolle, die dem Hochschulsport auf dem Campus zukommt, ist extrem wichtig. Beim Sport muss man nicht unbedingt reden, man macht etwas zusammen, aus gemeinsamem Interesse. Daraus entstehen Freundschaften. Momentan haben wir zwar eingeschränkte Möglichkeiten, aber wir haben Möglichkeiten“, sagt Schmiedel. „Sport gibt mir immer Halt. Und wenn ich mal keine Lust auf Sport habe, sage ich mir: Zieh’ deine Schuhe an und geh’ wenigstens an die frische Luft.“