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Uni Saarland leitet Verbund-Forschungsprojekt zu Grenzräumen

Forschungsprojekt der Saar-Uni : Grenzen, die verbinden

Die Universität des Saarlandes leitet ein großes Forschungsprojekt mehrerer Unis zu Grenzräumen. Professor Florian Weber koordiniert es und meint, dass Corona dem Projekt half.

Wie stark verwoben Lebensräume sind, zeigt sich in der Corona-Pandemie. Die Pandemie hat die Grenzregionen in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. „In der Corona-Krise haben sich Probleme in der Großregion SaarLorLux mit ihren 250 000 Grenzgängern deutlich gezeigt“, sagt Florian Weber. Der Juniorprofessor für Geographie sitzt am kleinen runden Besprechungs-Tisch in seinem Büro an der Saar-Uni. Links ein Bild von Paris samt Eiffelturm an der Wand, vor dem weit geöffneten Fenster gurgelt die Kaffeemaschine.

„Zweifelsohne überschneiden sich da zeitlich zwei Ereignisse“, sagt Weber und meint damit die Krise, aber auch den Zeitpunkt des Forschungsvorhabens „Dynamiken grenzregionaler Peripherien“, das er im Verbund mit weiteren Unis koordiniert. Weber und seine Kollegen haben das dreijährige Forschungsprojekt zu zwei Grenzregionen Deutschlands im April gestartet. Konkret werden das Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Luxemburg (die Großregion SaarLorLux) und der Grenzraum von Brandenburg und dem polnischen Lebus untersucht.

Ein thematisch weites Forschungsprojekt mit großem Budget: „Gut 20 Forscher werden an dem Projekt arbeiten“, erklärt Weber. Finanziert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit über zwei Millionen Euro, davon sollen 675 000 Euro an die Saar-Uni fließen. Untersucht werden die Grenzräume aus mehreren Forschungsperspektiven: etwa der politischen, kommunikativen und der energetischen.

Während Weber, der sich seit 2014 intensiv mit der Energiewende beschäftigt, an der Saar-Uni diesen Themenbereich erforschen wird, tragen seine Kollegen Peter Dörrenbächer (Professor für Kulturgeographie), Astrid Fellner (Professorin für Nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft) und Claudia Polzin-Haumann (Professorin für Romanische Sprachwissenschaft) die Expertise ihrer Forschungsfelder bei.

„Die Themenbereiche greifen wie Rädchen ineinander und können perspektivische Unterschiede in den Regionen offenlegen“, sagt Weber. „Denken sie zum Beispiel an das Atomkraftwerk Cattenom. Während man das in Frankreich für den Inbegriff sauberer Energie hält, ist die Auffassung im Saarland meist genau das Gegenteil“, erklärt Weber.

Zunächst aber muss die Zusammenarbeit im Großprojekt geplant werden. Mit den Kollegen der beteiligten Universitäten, der TU Kaiserslautern, der Europa-Universität Viadrina Frankfurt Oder und der Brandenburgischen TU Cottbus-Senftenberg, wollen die Wissenschaftler bis zum Sommer den Ablauf des Forschungsprojekts festlegen. Die eigentliche Datenerhebung soll 2022 beginnen. Das Ziel steht für Weber bereits fest: „Unsere Forschungsergebnisse sollen ihren Weg aus der Uni in die Politik finden. Denn Wissenschaft hat die Möglichkeit, Ordnung in Abläufe zu bringen, die sich über lange Zeit abspielen. Sie bietet den Blick von Außen aufs Ganze.“

Doch auch in die Unis sollen die gewonnenen Erkenntnisse fließen: „Ich bin mir bewusst, dass viele Studenten die Führungskräfte von morgen sind. Deshalb werden Zwischen-
ergebnisse des Projekts noch im Wintersemester bei mir auch Teil der Vorlesung werden.“ Weber erklärt, dass Grenzräume zwar schon in den vergangenen Jahren Thema wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen seien, aber noch nie interdisziplinär betrachtet worden wären, also aus Sicht verschiedener Forschungsrichtungen zugleich.

„Das Projekt soll Probleme und Chancen der Grenzräume zeigen. Vor allem möchten wir, dass die Politik, auch nach Abflauen der Corona-Krise, ihren Blick auf die Gebiete gerichtet hält. Denn sie sind Ausdruck gelebten Verständnisses“, sagt Weber.

Genau das sei für ihn Europa: ein Raum, in dem durch Kommunikation Kooperation geschaffen wird. „Ich bin selbst in Merzig aufgewachsen. Im Sommer fuhren wir in den Ferien nach Frankreich. Studiert habe ich in Mainz und Frankreich“, sagt Weber. In einem Banlieue (Vorort) von Paris habe er zu dieser Zeit gelebt: „Diese Vielfalt an Kulturen im Banlieue, das ist Europa im Kleinen.“ Ebenso sind die Grenzräume ein Europa im Kleinen für Weber. „Sie sind Verflechtungsräume und keine Selbstverständlichkeit. Wir alle müssen ständig daran arbeiten, Hemmnisse und Vorbehalte zu beseitigen und den gemeinsamen Weg zu finden.“

Letztlich zeigt es, warum Weber und seine Kollegen sich um das vom Ministerium ausgeschriebene Forschungsprojekt auf dem Gebiet der Regionalstudien bewarben: „Wir mussten uns nicht verstellen. Die Saar-Uni ist europäisch ausgerichtet, steht in Verbindung zu den Grenzregionen und Forschung wie Lehre haben dementsprechend viele Berührungspunkte.“