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Uni Saarland: Neues Pharmazie-Gebäude für Praktika an der Saar-Uni

Universität des Saarlandes : Das große Plus für die Pharma-Praktika

Die Universität des Saarlandes hat am Campus das neue Pharmazie-Gebäude in Betrieb genommen. Wir haben mit drei Studenten gesprochen, wie es sich darin experimentiert.

Nur wenige Schritte sind es nach Gegenüber. Für die Pharmazie-Studentin Hannah Ruffing fühlt es sich dennoch wie eine Reise in eine andere Welt an. Raus aus der Enge und düsteren Schwere, die dem Altbau auf dem Saarbrücker Campus anhaftet. Hinein in die weitläufige lichtgetränkte Freundlichkeit des neuen Pharmazie-Gebäudes an der Universität des Saarlandes. Ihrer Kommilitonin Lilly Meier geht es ähnlich: „Wie eine kleine Zeitreise“, sagt die 21-Jährige.

Die Zeitreise begann für die beiden Pharma-Studentinnen am
13. April. Der erste Tag ihres Pharmazie-Praktikums im neuen Gebäude. „Alles hat sich auf eine gewisse Art besser angefühlt, professioneller“, erinnert sich Moritz Reif, ebenfalls Pharmazie-Student. „Die Praktika im alten Gebäude waren so angelegt, dass man seine Versuche problemlos machen konnte, keine Frage“, sagt Reif. Dennoch habe man dem Bau und seiner Ausstattung das Alter angesehen.

„Die Waschbecken waren veraltet, manche Bürette – mit denen misst man Flüssigkeitsvolumina – undicht, Schränke ließen sich zum Teil nicht öffnen oder verschließen. Und einige Abzüge haben auch nicht funktioniert“, sagt Reif. „Und dann gab es dort auch das alte Photometer. Ein Gerät, mit dem man die Konzentration von Lösungen bestimmen kann. Gemessen hat es zwar. Aber es war an einen Uralt-PC angeschlossen, der gefühlt ewig brauchte, bis er gestartet war.“

 Das Pharmazie-Gebäude wurde innerhalb von fünf Jahren gebaut.
Das Pharmazie-Gebäude wurde innerhalb von fünf Jahren gebaut. Foto: Iris Maria Maurer

So konnte es passieren, dass Messungen mehrmals vorgenommen werden mussten, bestätigt Meier. „Die Vorrichtungen funktionierten, manchmal aber nicht so genau, wie es der Versuch verlangte“, sagt die Studentin. Mit dem neuen Pharmazie-Gebäude, das die Uni innerhalb von fünf Jahren planen und bauen ließ, habe sich nun vieles verbessert. „Die neue Ausstattung ist der Hammer. Sauberes und exaktes Arbeiten ist mit den neuen Geräten kein Problem“, freut sich Ruffing.

Das neue Pharmaziegebäude ist mit modernster Forschungstechnik ausgestattet: Neue Arbeitsplätze, neue Abzüge, Belüftungsanlagen sowie über die vier Ebenen jede Menge Platz für die Forschenden. Ja, auch ein neues Photometer ist Teil der Ausstattung. Gedacht hat man bei der Planung zudem an die Barrierefreiheit: „Es gibt jetzt einen Aufzug und Arbeitstische, die höhenverstellbar sind“, sagt Ruffing. Die Betreuer der Praktika sind von nun an gut sichtbar für die Studenten, haben einen eigenen verglasten Raum.

Wenn Ruffing, Meier und Reif in ihren Praktikumstag starten, haben sie am Vormittag bereits mehrere Stunden Theorie in der Vorlesung gehört. Momentan finden die Vorlesungen pandemiebedingt online statt. Dennoch haben die Pharmazeuten mit den Praktika während der Pandemie noch Veranstaltungen vor Ort. Denn Praktisches lässt sich in den Online-Vorlesungen nur eingeschränkt vermitteln. Pharmazie-Studenten sind nicht nur dann, wenn es um Inhaltsstoffe geht, auf möglichst praxisnahes Lernen angewiesen: „Wir sind Naturwissenschaftler. Werden später nicht nur in der Apotheke arbeiten, sondern auch in der Krebsforschung“, erklärt Ruffing. „Deshalb müssen wir unbedingt lernen, im Labor zu arbeiten.“

 Im neuen Praktikumsgebäude ist viel Glas verbaut. Die Arbeitsräume sind offen gestaltet.
Im neuen Praktikumsgebäude ist viel Glas verbaut. Die Arbeitsräume sind offen gestaltet. Foto: Iris Maria Maurer

Sobald die Studenten mit ihrer Uni-Karte ihren Spind im Praktikumsgebäude geöffnet, sich mit Kittel, Brille und Handschuhen bewaffnet haben, wartet an ihren Arbeitsplätzen ein vorbereiteter Versuchsaufbau. In Zweier-Grüppchen und mit maximal zehn Personen zugleich, wird dann experimentiert. „Das Experimentieren sorgt einfach für Abwechslung im Studium“, sagt Meier. „Es ist immer wieder spannend, ob letztlich das herauskommt, was herauskommen sollte“, meint die 21-Jährige. Die Studenten befolgen beim Experimentieren ein vorgegebenes Skript. Dabei gehe es aber nicht ums sture Abarbeiten, sondern ums Verstehen und vor allem eigenständiges Problemlösen.

Die Studenten arbeiten selbstständig. „Natürlich geht mal was schief. Fehler sind kein Weltuntergang – solange sie nicht auf mangelnder Vorbereitung beruhen“, sagt Moritz Reif. Im Gegenteil. „Aus seinen Fehlern lernt man am besten“, sagt Ruffing. Wo sie lagen und warum sie entstanden sind, müssen die Pharma-Studenten genauestens analysieren. Nach jedem Experiment im Labor verfassen sie ein Protokoll mit wissenschaftlichen Quellenbelegen, das die Kursbetreuer bewerten.

Die drei Pharma-Studenten haben mittlerweile zwei Monate des Experimentierens im neuen Uni-Gebäude erfolgreich gemeistert. Was sie langfristig beruflich machen möchten, wissen Hannah, Lilly und Moritz bereits jetzt. „Uns Pharmazeuten steht die Welt offen“, meint Hannah. „In einer Krankenhaus-Apotheke zu arbeiten, das reizt mich.“

Auch Lilly zieht es in die Apotheke: „Ich sehe mich später einmal in einer Apotheke in der Region arbeiten“. Und Moritz will weiter forschen: „Für mich ist die Wissenschaft am spannendsten. Das hat etwas von Abenteuer, Unbekanntes zu erforschen – wie viele Schritte auch immer dafür nötig sind“.