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Universität des Saarlandes und HTW planen Wintersemester in Präsenz

HTW und Saar-Uni planen Herbst in Präsenz : Studierendenvertreter fürchten Verlust von Vorteilen der digitalen Lehre

Sowohl die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) als auch die Universität des Saarlandes planen das kommende Wintersemester in Präsenz. Der Allgemeine Studierendenausschuss der Saar-Uni setzt sich für den Erhalt der digitalen Lehre in bestimmten Bereichen ein – nicht nur wegen der großen Raumprobleme an der Uni.

„Die Studierenden wollen zurück an den Campus.“ Hannah E. Spies und Irini Tselios, Vorsitzende des AStA der Universität des Saarlandes, befürworten eine Rückkehr zur Präsenzlehre, wie sie die Universität des Saarlandes ab dem kommenden Wintersemester plant (wir berichteten). „Einigen hat die Situation sehr aufs Gemüt geschlagen, und für Erstsemester war es schwierig, Anschluss zu finden“, sagen die beiden, die sich seit Jahren im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Saar-Uni engagieren und seit dem Wintersemester 2020 im Vorsitz sind.

Die Lehrveranstaltungen sollen am 18. Oktober starten. Allerdings sei die Rückkehr in den Präsenzbetrieb nur möglich, wenn die Abstandsregeln von der Landesregierung aufgehoben werden können. Grund sei das große Raumproblem an der Uni. Tselios erklärt: „Wir wollen bei Seminaren keinen Mix von zehn Studierenden, die anwesend sein dürfen, und zehn, die draußen auf dem Gang sitzen und sich online zuschalten, weil im Saal kein Platz mehr ist.“ Zum einen gebe es dafür an der Uni nicht genug Arbeitsplätze, zum anderen sei für Digitalzugeschaltete eines Hybrid-Seminars die Hemmung mitzudiskutieren größer als für Anwesende.

Im Falle von Hybridunterricht aber kommt es den Beiden darauf an, dass Präsenzplätze in Seminaren fair unter Studierenden verteilt werden – also nicht nach „first come, first served“. Auch die Saar-Uni hatte mitgeteilt, dass Voraussetzungen für die Rückkehr in den Präsenzbetrieb die Aufhebung der Abstandsregelungen und die Impfung eines Großteils der Lehrenden und Studierenden seien. Anfang Juli ermöglichte eine neue Corona-Verordnung Präsenzunterricht mit Sitzordnung im Schachbrettmuster und Mundnasenschutz, womit Hörsäle wieder zur Hälfte belegt werden konnten – theoretisch, denn die neue Verordnung griff erst knapp zwei Wochen vor Ende der Lehrveranstaltungen.

 Nicht zuletzt setzt sich der AStA für den Erhalt der digitalen Lehre in bestimmten Bereichen ein. „Wir befürchten bei der Rückkehr zur Präsenzlehre, dass die großen Errungenschaften der digitalen Lehre, für die wir gekämpft haben, verloren gehen“, sagt AStA-Vorsitzende Spies. Schließlich gebe es weiterhin Studierende, die ihre Eltern pflegen oder Kinder im Kita-Alter haben. „Wenn es wieder mit 300 oder 400 Studierenden zurück in den Hörsaal geht, wollen wir, dass es weiterhin vertonte Vorlesungen gibt.“ Nicht zuletzt hätten die vergangenen beiden Jahre gezeigt, dass das digital funktioniere. „Für manche war es auch von Vorteil, nicht da sein zu müssen, weil sie so noch bei den Eltern wohnen konnten, statt 300 Euro für ein Zimmer in Saarbrücken zu bezahlen“, sagt Spies. Tina Hellenthal-Schorr, Vizepräsidentin für Lehre und Studium an der Universität des Saarlandes, hatte im Gespräch mit der SZ erklärt, dass die digitale Lehre, unabhängig von der Pandemie, weiter ausgebaut werde. Und: Präsenzbetrieb hieße nicht, dass digitale Lehre wieder komplett verschwinde. 

 Dass das kommende Wintersemester von der Saar-Uni schwerpunktmäßig in Präsenz geplant werde, sehen Spies und Tselios als wichtiges Signal. Weil Studierende nun wissen müssen, ob sie sich besser auf Wohnungssuche begeben oder nicht, und weil im Notfall leichter von Präsenz auf Onlinelehre umgestellt werden könne als umgekehrt.

Auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) plant das kommende Wintersemester in Präsenz. „Voraussetzung für die Rückkehr zur Präsenzlehre ist das Aufheben der Abstandsregelung für die Hochschulen in der Corona-Verordnung des Saarlandes begleitet von einer möglichst hohen Impfquote,“ erklärt Professor Andy Junker, Vizepräsident für Studium, Lehre und Internationalisierung der HTW. Angesichts der ab Mitte Oktober kostenpflichtigen Tests und der zunehmenden Zahl schwerer Krankheitsverläufe bei jüngeren Menschen verstärkt die HTW ihren Impf-Aufruf, ruft ihre Mitglieder zur Impfung auf und wirbt mit der Kampagne „Ärmel hoch für ein Wintersemester mit Präsenz“ über Plakate und Social Media.

An der HTW soll im Wintersemester voraussichtlich ebenfalls die 3G-Regel gelten, entsprechend der dann gültigen Corona-Verordnung. „Derzeit werden alle Hörsäle und Seminarräume der Hochschule für hybride Vorlesungen ausgerüstet. So kann auch für den Fall, dass die Abstandsregelung für den Hochschulbereich nicht aufgehoben werden sollte, die Lehre in Teilpräsenz erfolgen“, teilte eine Sprecherin mit. Bei der Planung werde darauf geachtet, dass Studierende nicht unter Zeitdruck geraten, wenn sie beispielsweise ein Seminar in Präsenz am Campus und das nächste digital im Home-Office haben. Aber es gilt, flexibel zu bleiben. Man beobachte die Corona-Lage „sehr genau“ und könne „jederzeit wieder kurzfristig in den vorwiegend reinen Online-Betrieb“ wechseln.

Für Nachholprogramme sieht die HTW keinen Anlass. Es gebe bereits zahlreiche übliche Unterstützungsangebote, und die Lehrenden seien trotz Pandemie stets im engen Kontakt mit ihren Studierenden geblieben, teilte die Hochschule mit.