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Universität im Saarland: Discord hilft gegen Corona Einsamkeit

Studenten der Saar-Uni erhalten Preis für besonderes Engagement : Online-Plattform schließt soziale Corona-Lücke für Studierende

Wer mit einem Studium beginnt, hat viele Fragen. Und fühlt sich oft unsicher und auch allein. Erst recht bei einem Lockdown. Ein preisgekröntes Online-Portal von zwei Studenten der Saar-Uni schafft Abhilfe. Nicht nur in Zeiten von Corona.

Benedict Böttger kann sich noch gut daran erinnern, wie es war, als er im Sommer 2020 mit seinem Informatik-Studium an der Universität des Saarlandes (UdS) begann. Online natürlich. „Es herrschte volle Kanne Corona-Semester. Ich kannte niemanden und wusste gar nicht, was ich tun sollte“, gibt der 19-Jährige zu. Dann machte er aus der Not eine Tugend. Er folgte dem Aufruf eines Professors, für seinen Studiengang einen sogenannten Discord zu eröffnen – also einen Onlinedienst für Chats, Sprach- und Videokonferenzen. In seinem Kommilitonen Jonas Wengel (20) fand er den richtigen Studienpartner, der ihn dabei gleich unterstützte. „Das hat schon extrem geholfen, neue Leute kennenzulernen“, ziehen die beiden Bilanz.

Deshalb gingen sie danach noch einen Schritt weiter. Aus eigenem Antrieb und völlig ehrenamtlich bauten sie ihr Projekt aus und gründeten unabhängig von Studiengang und Seminaren das „UdS SOFA“: eine Plattform für Studentische Online-Freizeit-Angebote der Saar-Uni. Studierende können sich hier kostenlos registrieren, kennenlernen, austauschen und in ihrem jeweiligen Studiengang oder auch fachübergreifend mit anderen in Kontakt treten.

„Es ging uns darum, den Fokus nicht auf eine Vorlesung zu legen“, erläutert Wengel. Das Ziel sei vor allem eines: „soziale Interaktion“. Und das ist den Beiden, die mittlerweile im vierten Semester sind, in kürzester Zeit gelungen: Rund 2200 Mitglieder hat ihre Plattform inzwischen. Durchschnittlich 340 treffen sich pro Woche in den unterschiedlichen Foren online. Mal zum Quatschen, mal zum Rätseln, mal zum Spielen. „Das war sogar mal mehr“, ziehen die Gründer Bilanz. „Vor allem während Corona und gerade im ersten Semester hatten wir Spieleabende mit über 120 Leuten online.“

Dass die Teilnehmergröße – zwangsläufig – angesichts der aktuell steigenden Corona-Zahlen wieder zunehmen wird, schließen sie nicht aus. Doch auch, wenn bei ihrem jüngsten Spieleabend „nur“ rund 20 Teilnehmer dabei waren, erfüllt das SOFA seinen Zweck. Ungezwungen plaudern die Studenten in die Kameras, erzählen von ihren jüngsten Erfahrungen an der Uni und haben vor allem viel Spaß bei ihrem gemeinsamen „Montagsmaler“-Spiel, bei dem auch das UdS-Symbol – die Eule – fröhlich einbezogen wird.

 Jonas Wengel (links), 20, und Benedict Böttger, 19, freuen sich, dass durch ihr Engagement schon viele Freundschaften entstanden sind.
Jonas Wengel (links), 20, und Benedict Böttger, 19, freuen sich, dass durch ihr Engagement schon viele Freundschaften entstanden sind. Foto: Katja Sponholz

Mittlerweile können sich die beiden Gründer auch immer öfter zurückziehen, weil sie die Unterstützung von mehreren Moderatoren gefunden haben und sich auch die Gruppen immer mehr verselbstständigen. Oft reden und spielen die Teilnehmer die ganze Nacht durch: „Um 19 Uhr geht es meistens los, bis Mitternacht halten die meisten durch, und wenn ich morgens den Rechner einschalte, sind einige immer noch da“, erzählt Benedict Böttger.

„Natürlich kann so etwas ein reales Treffen nicht ersetzen“, räumt Jonas Wengel ein. Dies sei aber auch gar nicht der Anspruch gewesen: „Wir haben eine Alternative gesucht und aufgebaut, während andere Interaktion schwieriger war.“

Denn nicht nur der fachliche Austausch fehlte vielen Studenten in Lockdown-Zeiten, sondern auch Kneipentouren, Übungsgruppen und gemeinsame Mittagessen in der Mensa. „Diese, meist jungen Studierenden, haben sich ihren Start in die Unabhängigkeit des Studentenlebens in der Regel sicher anders vorgestellt“, meint Lukas Abelt, der zum vergangenen Wintersemester nach Saarbrücken gezogen war, um hier sein Masterstudium zu beginnen. „Umso glücklich“ sei er, dass das SOFA es sich angenommen habe, „diese ‚soziale Lücke‘ in den schwierigen Zeiten der Pandemie zu schließen“.

Viele Kommilitonen wissen das sehr zu schätzen. „Von anderen Studierenden an anderen Universitäten höre ich oft, wie einsam ihr erstes Semester war und wie viele Probleme sie hatten, da sie Informationen verpassten und nicht vernetzt waren“, sagt Clara Rubeck. „Mir ist dies zum Glück erspart geblieben – zu einem großen Teil wegen des ‚SOFAs‘ und den Freunden, die ich dort finden konnte.“ Sie ist sich sicher: Hätte der Discord-Server gefehlt, wäre ihr erstes Semester „wesentlich schwieriger und anstrengender“ geworden. „Dementsprechend dankbar“ sei sie Jonas und Benedict und ihrem Team, dass sie diese Plattform geschaffen und auch zum Erfolg geführt hätten.

Auch Jörg Hoffman, Informatik-Professor und Prodekan der Fakultät Mathematik und Informatik, lobt das Engagement der beiden Gründer. Das Projekt habe vielen Studierenden geholfen, sich während der herausfordernden Zeiten der Kontaktbeschränkungen zu vernetzen, aber auch Fragen rund um das Studium zu klären. Dadurch sei auch die Studienkoordination entlastet worden.

Für ihren Einsatz wurden die beiden Studenten jüngst mit dem mit 1000 Euro dotierten „Preis für besonderes studentisches Engagement“ geehrt, den die Saar-Uni und der AStA zum neunten Mal ausgeschrieben hatten. Ausgezeichnet werden damit Studierende, die ein herausragendes Engagement vorweisen, das über die Leistungen im Studium hinausgeht und einzigartig und innovativ ist.

„Die Anerkennung ist noch mehr wert, als das Geld“, meint Benedict Böttger. Dass sie ehrenamtlich unzählige Stunden in den Aufbau der Plattform gesteckt haben und auch jetzt oft im Einsatz sind, um Gruppen, Gespräche und Spiele zu moderieren, ist für sie selbstverständlich. „Es ist einfach toll, wenn man sieht, wie viele Freundschaften dadurch schon geschlossen wurden“, bilanziert Jonas Wengel. Und das nicht nur digital: So habe er neulich einen Studenten, mit dem er sich schon oft auf Discord unterhalten habe, durch Zufall bei einer Vorlesung wiederentdeckt: „Das war eine witzige und schöne Erfahrung.“

Weitere Informationen unter https://cs.fs.uni-saarland.de/?lang=de