1. Saarland

Immunologin aus dem Saarland über Booster-Impfung: Das ist der beste Wirkstoff

Booster-Impfstoff : Immunologin der Saar-Uni verrät: Das ist der beste Wirkstoff für die dritte Impfung

Das Spezialgebiet von Martina Sester, Professorin der Saar-Universität, ist die Immunologie. Sie untersucht Wirkungen und Nebenwirkungen der Booster-Impfung – und verrät, was man beachten sollte.

Bei der Corona-Impfung vertraut der weit überwiegende Teil der Menschen in Deutschland einem heimischen Produkt. Die Bundesrepublik ist Biontech-Land – Comirnaty, das Vakzin des Mainzer Biotechnologie-Unternehmens, führt die Impfstatistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) an. Von den insgesamt 126 Millionen Impfstoffdosen, die bis Ende November in Deutschland ausgeliefert wurden, stammten über 96 Millionen von Biontech. Die anderen Hersteller folgen mit riesigem Abstand: Astrazeneca (14 Millionen), Moderna (10) und Johnson&Johnson (5).

Es ist freilich nicht Patriotismus allein, der hierzulande über die Vorlieben bei der Corona-Impfung entscheidet, auch die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) des RKI spielen eine Rolle. Die Stiko plädiert grundsätzlich für mRNA-Impfstoffe (s. Infoelement) – in diese Kategorie fallen die Vakzine von Biontech und Moderna. Wer jünger als 30 Jahre ist, solle in jedem Fall die Biontech-Spritze bekommen. Und bei der jetzt anstehenden Auffrischungsimpfung gelte es schließlich, möglichst wieder den mRNA-Impfstoff zu spritzen, „der bei der Grundimmunisierung verwendet wurde“, rät die Impfkommission.

In der Summe scheint die Sache damit für die meisten Menschen glasklar: Biontech ist bei den Booster-Impfungen die erste Wahl. Und Moderna wird zum Ladenhüter. Nun will das Gesundheitsministerium aber bevorzugt mit Moderna impfen lassen, um zu verhindern, dass diese Bestände verfallen. Das verunsichert Patienten, die mit Biontech geimpft sind. Ist ein Wechsel möglich?

Professor Martina Sester von der Abteilung für Transplantations- und Infektionsimmunologie der Homburger Uniklinik sieht keinen Grund zur Besorgnis. „Aus immunologischer Sicht spricht bei der Auffrischung nichts gegen einen Wechsel des Impfstoffs – so lange er aus der mRNA-Gruppe kommt. Unserem Immunsystem ist es ziemlich egal, mit welchem Impfstoff es sich befassen muss“, erklärt die Wissenschaftlerin der Saar-Universität. Beide mRNA-Impfstoffe nutzten exakt dasselbe Wirkprinzip. „Damit ist jeder von uns auch beim Wechsel gut geschützt, und darauf kommt es an.“

An der Saar-Universität habe der Moderna-Impfstoff Spikevax im direkten Vergleich mit dem Biontech-Vakzin in einer Studie mit 550 Testpersonen sogar mit leichten Vorteilen abgeschnitten – allerdings mit einem ebenso leicht erhöhten Risiko für Nebenwirkungen direkt nach der Impfung. Deshalb sei die Empfehlung der Stiko sinnvoll, bei der Auffrischung mit Moderna nur die halbe Dosis zu verwenden.

Und wie ist es um das Risiko schwererer Nebenwirkungen bestellt? Ja, es gebe Berichte über Herzmuskelentzündungen nach mRNA-Impfungen, erklärt die Homburger Forscherin. „Aber schauen sie sich bitte auch einmal die Zahlen an und berücksichtigen sie, dass diese Entzündungen meist einen milden Verlauf nehmen.“ Nach Angaben der Deutschen Stiftung für Herzforschung wurden in Deutschland bis Ende September bei 92 Millionen gespritzten mRNA-Impfdosen 1243 Verdachtsmeldungen einer Herzmuskelentzündung registriert. Am häufigsten betroffen seien Patienten unter 30 Jahren gewesen, vor allem Männer. Statistisch seien das in dieser Altersgruppe bei Biontech fünf und bei Moderna elf Fälle pro 100 000 Impfungen gewesen. Deshalb soll bei Impfungen bis zum 30. Lebensjahr ausschließlich Biontech verwendet werden. Professor Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Herzstiftung kommt zum Schluss: „Wer sich nicht gegen Covid-19 impfen lässt, geht ein weit höheres Risiko durch die Gefahren eines schweren Covid-19-Krankheitsverlaufs ein.“

An der Saar-Universität laufe bereits eine Untersuchung zu Wirkungen und Nebenwirkungen der Boosterimpfung, erklärt die Immunologin Martina Sester. Ergebnisse seien freilich ebenso wie bei anderen Studien erst im neuen Jahr zu erwarten. Alle bisher vorliegenden Daten wiesen aber derzeit in dieselbe Richtung: „Die beiden mRNA-Wirkstoffe erzielten die beste Wirkung.“

Sie könne, sagt Martina Sester, die Bedenken vieler Menschen nachvollziehen, die sich fragten, ob es richtig sei, bei der Auffrischungsimpfung den Wirkstoff zu wechseln. „Ich werde darauf auch praktisch jeden Tag im Verwandten- und Bekanntenkreis angesprochen.“ In den Diskussionen wolle sie dann von ihrer Gesprächspartner wissen, ob sie denn bei der Grippeschutzimpfung waren. Deren Impfstoffe würden ja auch von mehreren Herstellern produziert. „Doch niemand fragt sich, welches Unternehmen die Substanz hergestellt hat, die da gerade injiziert wurde.“