1. Saarland

Keine Quarantäne-Anordnung bei Corona-Infizierten im Saarland -Meinung

Kommentar zur eingeschränkten Quarantäne-Anordnung : Warum es fahrlässig ist, Corona-Infizierte nicht mehr über die notwendige Quarantäne zu informieren

Trotz sinkender Zahlen bleibt die Situation in den saarländischen Gesundheitsämtern problematisch. Dank der aktuellen Verordnung des Landes können sie jetzt aber von einer Entlastung Gebrauch machen: Neuinfizierte müssen weder telefonisch noch schriftlich kontaktiert werden, um über die notwendige Quarantäne zu informieren – das positive Testergebnis reicht aus, um die Betroffenen dazu zu verpflichten. 

Im Saarpfalz-Kreis und einigen anderen saarländischen Kommunen wird hiervon Gebrauch gemacht. Kontaktiert werden nur noch Personen aus vulnerablen Gruppen, bei allen anderen hofft man auf den gesunden Menschenverstand, der zur Quarantäne bewegen sollte. Auch beim Informieren der Kontaktpersonen kommen die meisten Gesundheitsämter schon lange nicht mehr hinterher. Hier heißt es ebenfalls: Daumen drücken, dass sich Neuinfizierte selber kümmern.

Dabei ist gerade die Wirkung einer schriftlichen oder telefonischen Quarantäne-Anordnung enorm. Nicht jeder informiert sich selbstständig über die Rechtslage und das, was drohen könnte, wenn man sich ihr widersetzt. Infizierte mit ihrem Testergebnis alleine zu lassen, ist fahrlässig. Die der Problematik zugrunde liegende Überlastung der Gesundheitsämter ist leider mittlerweile Dauerzustand, eine Lösung scheint nicht in Sicht.

Dass Appelle alleine nichts bringen, zeigen in diesen Tagen eindrucksvoll Hunderte Gegner der Corona-Maßnahmen, die wieder durch die Straßen laufen. Parallel stirbt eine dreistellige Zahl an Menschen jeden Tag in den Kliniken, das Personal geht dort schon lange auf dem Zahnfleisch. An die Eigenverantwortung der Bürger zu appellieren – sei es bei der Quarantäne oder beim Impfen – reicht nicht aus. Eine dank Omikron vielleicht noch schlimmere fünfte Welle wird sich so nicht verhindern lassen.