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Akuter Mangel an Intensivbetten im Saarland – starke Auslastung durch Corona

Kapazitätsengpass in der Corona-Pandemie : Drei Kliniken haben gar keine Plätze mehr: Akuter Mangel an freien Intensivbetten im Saarland

Um Herzinfarkt-, Schlaganfallpatienten oder Unfallopfer ordentlich versorgen zu können, sollten mindestens 15 Prozent freie Intensivbetten als Puffer vorhanden sein. Dieser vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlene Wert wird im Saarland mittlerweile deutlich unterschritten. Wie die Lage zurzeit aussieht.

Die Zahl an Covid-19-Patienten in den saarländischen Kliniken ist stark gestiegen. Im gleichen Zeitraum ging der Puffer an freien Betten auf den Intensivstationen drastisch zurück. Damit stößt die Akutversorgung zunehmend an ihre Grenzen. Das geht aus dem vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Intensivregister hervor.

Demnach führt das Saarland mit Bremen und Berlin die traurige Spitzenposition der Bundesländer mit der größten Intensivbetten-Auslastung an. So sind im kleinsten Flächenbundesland gerade mal noch 5,8 Prozent Betten im Intensivbereich frei. Nur in Bremen ist die Lage noch angespannter, dort sind keine Betten mehr frei. In Berlin beträgt der Wert ebenfalls lediglich 7,4 Prozent.

Zur Erläuterung: Das RKI spricht von einer problematischen Situation, wenn die Kapazität freier Intensivbetten über längere Zeit unter 15 Prozent rutscht. Wenn dies sogar innerhalb einer Region der Fall ist, wie im Saarland jetzt geschehen, und nicht nur einzelne Kliniken betrifft, sind Patientenverlegungen „in aller Regel aufgrund vieler schwerer Fälle oft nur noch sehr eingeschränkt möglich“. Dies sei aber nötig, um Puffer für akute Notfälle zu schaffen. Dazu zählen nach RKI-Angaben beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall, Unfall.

Das Problem werde zudem verschärft, da viele durch eine Infektion mit dem Coronavirus erkrankte Menschen lange auf Intensivstationen bleiben und zudem oftmals beatmet werden müssen. Wissenschaftler gehen nach bisherigen Erfahrungen seit Ausbruch der Pandemie davon aus, dass statistisch 8,5 von zehn Betroffenen sogar beatmet werden müssen. Das gehe aus dem Intensivregister hervor. 

Konkreter Stand der Intensivbetten-Kapazität im Saarland

Von den im Saarland 394 bereitstehenden Intensivbetten sind, mit Stand 7. Dezember,  371 belegt. Darunter befinden sich 82 Covid-19-Patienten, von denen wiederum 31 beatmet werden müssen. Damit sind 20,8 Prozent alles Intensivbetten wegen Corona belegt.

Drei der 16 saarländischen Standorte haben mittlerweile kein einziges Intensivbett mehr frei. Wie aus dem Intensivregister hervorgeht, betrifft dies das Caritas-Klinikum in Saarbrücken, das Knappschaftskrankenhaus in Sulzbach sowie das St. Ingberter Kreiskrankenhaus. Im DRK-Haus in Saarlouis sind alle Beatmungsplätze belegt. Nur noch geringe Kapazitäten melden das Winterberg-Klinikum in Saarbrücken sowie in Dudweiler das Caritas-Krankenhaus. Auch die Homburger Uni-Klinik reicht an die kritische Marke heran. Die Diakonie in Neunkirchen meldet eine ähnliche Lage. Auch am Marienhaus-Klinikum wird es bei der Intensivbetreuung eng. 

Noch entspannt zeigt sich die Lage in Lebach am Caritas-Krankenhaus, am Saarlouiser Marienhaus-Klinikum, dem Pendant in Neunkirchen-Kohlhof und der Knappschaftsklinik in Püttlingen.